Zur Karriere von Harald Krusche
Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Ich absolvierte eine Lehre bei der Julius Meinl AG, wo ich ab 1957 im Meinl Ausbildungszentrum den Beruf des Verkäufers erlernte. Die Verkaufstätigkeit übte ich nur drei Jahre aus, dann übernahm ich die Filiale in Wels - aus heutiger Sicht ein doch recht rascher Aufstieg. Ich war acht Jahre bei der Meinl AG tätig, bis ich - gerade, als ich eine Veränderung anstrebte - von der Firma Bracharz aus Wien abgeworben wurde. Dieses Unternehmen, das die Firma Meinl AG schon jahrelang belieferte, stellte damals als größter Käseimporteur ausländischer Käsesorten auf der Welser Messe aus. Die Inhaberin wandte sich an mich, da es einige Probleme gab, die ich mit Hilfe meiner Praxis und Ortskundigkeit lösen konnte. Im Anschluß an die Messe erhielt ich das Angebot, in das Unternehmen Bracharz einzutreten, wo ich zum Logistik- und Verkaufsleiter aufstieg. Da zu jener Zeit, 1966, im Handel noch kaum eine Käsevielfalt existierte, baute ich diesen Bereich auf. Billa war mein erster Partner; Meinl, Konsum und Spar folgten nach, da ich recht schnell Listungen bekam. Ich organisierte den gesamten Logistikbereich und den Außendienst neu, denn zur damaligen Zeit wurden die Kunden von Fahrverkäufern betreut. Mit Werbeeinsätzen bei unseren Kunden baute ich mir ein Image auf, da sich die neue Vorgehensweise rasch herumsprach. Ich kannte alle Kunden persönlich und pendelte vom Burgenland nach Vorarlberg und von Zentrale zu Zentrale. Meine Außendienstmitarbeiter schulte ich persönlich und verlangte von ihnen, was ich von mir selbst verlangte. Ich legte einen anderen Führungsstil an den Tag, und die Teamarbeit und die guten Erfahrungen, die ich damit gewann, bestätigen mich in meiner Vorgehensweise bis heute. Wie es der Zufall wollte, warb mich 1974 die Firma Appelt ab, die damals mehr eine Agentur für Reis, Haselnüsse und Kakao war. Mir fielen zwei Produkte auf, das Olivenöl „Olio Sasso“ sowie Aceto Sasso. Mit der Inhaberin Frau Appelt und den Besitzern in Italien besprach ich die Idee, daraus Markenartikel zu kreieren und direkt über die Großhändler zu vermarkten. Heute ist das Unternehmen Appelt ein Markenartikelvertrieb und versteht sich als verlängerter Arm von diversen ausländischen Firmen. Mir wurde damals klar, daß der Lieferant zum Partner erhoben werden muß. Heute verbindet die Unternehmen eine gemeinsame Vorgangsweise in der Vermarktung, der Budgetierung und der Kalkulation. Andere Marken wie Kraft, Miracel - das damals meistverkaufte Produkt -, und Produkte wie Salatdressings und Gourmetsaucen sind dazugekommen. Ich stockte den Außendienst auf, bot mehr Service in den Märkten und rückte so die Firma ins Rampenlicht. Ich betrachtete unsere Lieferanten als Partner, und durch Mundpropaganda erhielt das Unternehmen weitere Vertretungen. Nach 20 Jahren Tätigkeit als Verkaufsleiter schaffte ich den Sprung zum Prokuristen und Verkaufsdirektor. Heute beschäftigt das Unternehmen sieben Key Account Manager und elf Produktmanager. Meine Devise, mit der das Unternehmen wuchs, lautete, nie zuviel zu versprechen, sondern Zusagen zu halten. Aus einer kleinen Agentur entstand eine Vertriebsorganisation mit 48 Marken und 47 Mitarbeitern. Teamgeist und langsames Wachstum ermöglichten, für die verschiedenen Marken ein Branding zu schaffen. Durch den Besuch zahlreicher Seminare in Deutschland und Österreich untermauerte ich meine Erfahrungen mit theoretischem Wissen. Die Ausbildung bestätigte mich darin, auf dem richtigen Weg zu sein.