Zum Erfolg von Gertraud Ensfellner
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich in erster Linie Freiheit, im Sinne von Eigenständigkeit. Weiters spielt auch die Anerkennung seitens des Umfeldes eine tragende Rolle, denn wie ein jeder schöpfe ich Befriedigung aus der Anerkennung durch Mitmenschen, egal in welcher Form. Erfolg hat jedoch nichts mit Glück zu tun, sondern mit dem eigenen Fleiß, doch auch die Freude an der Tätigkeit darf nicht vernachlässigt werden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Nur gemeinsam im Team mit meinem Mann sehe ich mich als erfolgreich. Ich bin sicherlich eine starke Person und stehe zu meinen Vorhaben ohne Wenn und Aber. In diesem Sinne habe ich viel erreicht, aber als erfolgreich kann ich mich nur im Team betrachten.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ausschlaggebend waren sicherlich Konsequenz und Durchhaltevermögen bei der Arbeit. Ohne Ausdauer hätten wir unseren Weg auf keinen Fall in dieser Art und Weise geschafft. Ich habe schon vorher in der beruflichen Selbständigkeit mit unserem Friseursalon gelernt, daß man Rückgrat beweisen und zu seinem Wort stehen muß.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Nein. Jeder, der fleißig ist und seine Zeit sinnvoll nützt, kann erfolgreich sein, ob Mann oder Frau. Ich kenne auch viele Frauen, die alleine erfolgreich sind, dennoch glaube ich, daß es im Team einfacher ist.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Das Marketinggeschäft wurde von meinem Schwager geprägt, der uns 1985 die Idee präsentierte. Er informierte uns darüber, daß dieses Netzwerk in Österreich eine Niederlassung gründen möchte. Mit den Friseursalons in Neustift und Milders war es hingegen so, daß wir auf viel Widerstand gestoßen sind. Skeptiker gaben uns zwei bis drei Jahre Überlebensdauer und prophezeiten schon unseren Untergang.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Nach etwa zehn Jahren gelangten wir in den Diamant-Status des Netzwerks, der aufgrund der erbrachten Leistungen verliehen wird. In Österreich gibt es nur wenige, maximal acht Personen, die damit ausgezeichnet wurden.Wie motivieren Sie Mitarbeiter? Im Marketing sind wir selbständig tätig und beschäftigen keine Mitarbeiter. Ich habe jedoch früher gemerkt, daß es wichtig ist, seine Mitarbeiter zu loben, über einen Fehler hinwegzusehen, aber Positives hervorzuheben, auch wenn die Leistung einem selber selbstverständlich erscheint. Wir machten dabei die Erfahrung, daß unsere Mitarbeiter mehr Freude empfanden und so bessere Leistungen erbrachten. Diesen Weg beschritt ich auch in der Erziehung unserer beiden jüngeren Kinder und merkte, daß ich sie damit besser motivieren konnte als meine beiden älteren Kinder mit althergebrachten Methoden.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Die Familie war und ist der Mittelpunkt im Leben. Die Kinder sind mir heute noch enorm wichtig. Während unserer Zeit in Wien war die Situation sehr schwierig, doch mit dem nötigen Willen, der meines Erachtens von immenser Bedeutung ist, ließ sich auch das bewältigen. Wenn man will, dann findet man immer einen Weg, beides zu vereinbaren.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Es ist wichtig, sich ein zweites Standbein zu schaffen und nicht auf fremde Unterstützung zu hoffen.