Zum Erfolg von Roman Rudolf
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg heißt für mich, Ziele zu erreichen, seien es große oder kleine. Mein Leben besteht aus einer größeren Anzahl von Erfolgen, aber natürlich auch einigen Mißerfolgen. Wenn man Mißerfolge nicht in Kauf nimmt, wird man auch keinen Erfolg haben können.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich fühle mich in dem Unternehmen, in dem ich arbeite, sehr wohl und sehe das als großen Erfolg. Wenn ich meine gesteckten und erreichten Ziele betrachte, dann kann ich sagen, daß ich erfolgreich bin, insbesondere auch dadurch, daß ich mein Ziel, auch international tätig zu werden, realisieren konnte. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich denke, eine gute Mischung aus Zufällen und Bemühen ist dafür verantwortlich. Wenn man sich bemüht, dann ergeben sich auch mehr von diesen Zufällen. Ich vermeide absichtlich den Ausdruck Glück, denn ich glaube, daß jeder einmal eben das Glück hat, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Wenn ich mich aber mehr bewege als andere, dann bin ich öfter als andere zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich denke, so richtig erfolgreich fühlte ich mich zum ersten Mal, als ich mit 23 Jahren von IBM zur Avnet wechselte, den Betrieb hochziehen und Kunden akquirieren konnte und sah, wie rasch das Unternehmen wuchs. Innerhalb eines Jahres brachten wir den Umsatz von null auf mehrere Millionen Schilling. Damals gewann ich natürlich sehr viel Selbstbewußtsein.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Als ich von IBM zu Avnet wechselte, traf ich eindeutig die richtige Entscheidung, die keineswegs selbstverständlich war, denn von IBM geht man ja doch nicht so leicht weg. Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus, und sie war eindeutig richtig. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Natürlich war das Ing. Dieter Schneider, sowohl verkaufstechnisch als auch in bezug auf mein Auftreten. Er war ein richtiger Gentleman der alten Schule, und von ihm lernte ich auch, mit Mißerfolgen umzugehen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Eine der größten Anerkennungen liegt darin, in wichtigen Angelegenheiten um seine Meinung gefragt zu werden. Je wichtiger die Entscheidung ist, um die es geht, desto mehr empfindet man so etwas auch als Lob. Man erfährt, daß man geschätzt wird und in der Vergangenheit wohl auch öfters richtig entschieden hat. Handelt es sich dabei um besonders kompetente und erfolgreiche Leute, dann ist die Anerkennung natürlich umso größer. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Das größte Problem unserer Branche ist derzeit die Finanzkraft vieler Unternehmen. Der Konkurrenzdruck ist sehr groß, viele schauen bei der Gewinn-Verlust-Rechnung nur auf den Umsatz und weniger auf den Profit. Die Margen gehen zurück, und wir erleben derzeit vor allem eine Konsolidierungsphase. Allein vier unserer größeren Kunden wurden kürzlich insolvent, das ist sicher eines unserer größten Probleme. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Unsere größte Stärke in Österreich sind die Mitarbeiter. Der Mitbewerb achtet zumeist vor allem darauf, ein möglichst kostengünstiges Modell zu entwickeln. Es gibt die Volume Distribution, die danach trachtet, vor allem möglichst viele Produkte möglichst günstig an den Mann zu bringen, und es gibt die Value Added Distribution, in der ich mich positioniere, die darauf zielt, dem Händler auch noch Zusatznutzen (Beratung und Services) anzubieten. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ich würde schon sagen, sehr fair. Es gibt natürlich einen Preiskampf, in dem ich aber nicht mitspielen kann, nicht zuletzt wegen unserer Struktur, die einfach Kosten nach sich zieht. Ein Beispiel: eines Tages fiel mir bei der Kassa der Tiefgarage von IBM eine dicke Arbeitsmappe eines der wichtigsten Mitbewerbers in die Hand. Ganz kurz reizte mich die Versuchung hineinzuschauen, dann dachte ich mir jedoch, daß Fairneß wertvoller sei, und ich ließ die Mappe geschlossen. Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich bin jemand, der zunächst praktisch an die Dinge herangeht und die Theorie erst nachholt. Da ich immer wieder mit sehr gut ausgebildeten Leuten zu tun habe, wollte ich mir nebenbei auch einiges aneignen, was für die Praxis notwendig ist, und so absolviere ich derzeit mein Studium an der FH, das sich als sehr nützlich erweist. Ich halte ein berufsbegleitendes Studium eigentlich für das Optimum, daher verwende ich sicher einen sehr großen Teil meiner Zeit für die Fortbildung.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Das wesentliche Ziel ist es derzeit, meine Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen. Darüber hinaus strebe ich eine Weiterentwicklung auf europäischer Ebene an.