Zum Erfolg von Sabina Penitsch
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Dafür gibt es viele Indikatoren. Ich bin erfolgreich, wenn ich meine Ziele in materieller, aber auch in seelisch-geistiger Hinsicht erreiche. Ich habe Erfolg, wenn ich Anerkennung bekomme und wenn ich ein glückliches Familienleben führe. Um sich des Erfolges bewußt sein zu können, muß man auch Mißerfolge erlebt haben. Die Ursachen solcher Rückschläge sollte man analysieren, um diese Fehler in Zukunft zu vermeiden und sich weiterzuentwickeln.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich bin auf mein bisheriges Leben schon sehr stolz - zumal ich einige negative Dinge erleben mußte und gemeistert habe. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Um Erfolg zu haben, muß man eine Tätigkeit ausüben, die einem Spaß macht. Man muß Verantwortung übernehmen oder so handeln, als sei man der Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft. Ich denke, für meinen Erfolg war zum Teil meine Natürlichkeit ausschlaggebend, wichtig sind aber auch Fleiß, Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Empathie, soziale Fähigkeiten und ethisches Bewußtsein. Ich wurde sehr moralisch und religiös erzogen, viele dieser Werte wurden mir durch mein Elternhaus nahe gebracht. Außerdem bin ich ein Mensch mit einer optimistischen Lebenseinstellung, habe die Fähigkeit zur Eigenmotivation und kann schnell eine gute Beziehung zu anderen Menschen herstellen. Es macht mir Freude, mit Menschen zu reden, aber auch, ihnen zu helfen - und dafür habe ich genau den richtigen Beruf. Ich betrachte meine Geschäftspartner eigentlich als Geschäftsfreunde. Zu vielen Kunden habe ich ein eher freundschaftliches Verhältnis, da auch das Vertrauen in unserer Branche eine große Rolle spielt. Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Als ich die Prüfung zum staatlich beeideten Vermögensberater ablegte, gab es in der Jury tatsächlich Männer, die der Meinung waren, Frauen hätten in diesem Beruf nichts zu suchen. Ich habe ihnen das Gegenteil bewiesen. Inzwischen wird auch von Männern akzeptiert, daß Frauen ebenso gut strategisch denken und planen bzw. in Finanzangelegenheiten reüssieren können. Gutaussehende Frauen bekommen leichter den Fuß in die Tür - später haben sie allerdings das Problem, ihre Kompetenz laufend unter Beweis stellen zu müssen, um anerkannt zu werden.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Lob und Zeitungsartikel über meine Person - wie beispielsweise 2006 im Karriere-Standard - freuen mich sehr. Hier sehe ich schwarz auf weiß, daß ich auf dem richtigen Weg bin. Ein anderes Beispiel für die Anerkennung, die mir zuteil wird, ist die Aussage eines Aufsichtsratsmitgliedes unserer Bank, der zu mir meinte: Frau Penitsch, es ist schade, daß wir Sie nicht klonen können! Und erst kürzlich wurde mir die Aufgabe der Office Managerin für die Wiener Zweigstelle übertragen. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ein wesentliches Auswahlkriterium ist zunächst die fachliche Qualifikation. Dann muß ein neuer Mitarbeiter zwar teamfähig, aber zu einem gewissen Grad auch Einzelkämpfer sein.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Natürlich fallen in meiner Position immer wieder Überstunden an, ich arbeite durchschnittlich 55 bis 60 Stunden pro Woche. Speziell das erste Jahr bei der Partner Bank war mit großem Einsatz verbunden, da ich viel Aufbauarbeit leisten mußte. Auch abends sind immer wieder Termine wahrzunehmen, oder es finden Veranstaltungen statt. Trotzdem bleibt genügend Zeit für das Familienleben, auch wenn eine klare Trennung zwischen Beruf und Privat nicht möglich ist. Ich spreche zu Hause mit meinem Lebenspartner über meine Tätigkeit, wir geben uns auch gegenseitig Tips. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ein junger Mensch soll sich zuerst bewußt werden, was er wirklich möchte, und was ihm Spaß macht. Nur in dem, was man gern tut, wird man auch langfristig erfolgreich sein. Dann soll man sich kleine, erreichbare Ziele setzen und konsequent an deren Verwirklichung arbeiten. Auch ein Vorbild kann hilfreich sein.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Man weiß nie genau, was die Zukunft bringt, aber in den nächsten Jahren möchte ich mich finanziell weiter absichern. Die Pensionsproblematik ist ja bekannt, und ich bin ein Mensch, der gerne Vorsorge trifft. Innerhalb der Bank möchte ich künftig in der Führungsebene mehr Verantwortung übernehmen.