Zur Karriere von Sonja Baldauf
Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Ich absolvierte die Bundeshandelsschule in Bregenz und arbeitete anschließend ab 1980 in der Hypo Bank in Bregenz. Als Sachbearbeiterin der Einkaufsabteilung war ich für die gesamte Auftragsabwicklung zur Beschaffung von Formularen, Prospekten, Werbemitteln und Büromaterial für alle Filialen in Vorarlberg zuständig. In dieser Funktion hatte ich auch sehr viel mit Druckereien, Agenturen und Grafikern, die für die Hypo Bank die diversen Drucksorten produzierten, zu tun. So wuchs mein Interesse am grafischen Bereich enorm, und schließlich warb mich 1988 die Bregenzer Werbeagentur Wiener von der Bank ab. Die Agentur verfügte als eine der ersten Firmen im Ländle über einen Apple-Computer, ich lernte ein Jahr lang Desktop Publishing von Grund auf und absolvierte einige Intensivkurse für die gängigen Apple-Grafikprogramme. Das war hochinteressant, aber auch zeitintensiv - manchmal saß ich bis drei Uhr früh im Büro. Auf Dauer war das mit meiner kleinen Tochter nicht vereinbar, und als ich eine Anzeige der Greiter AG in der Schweiz las, in der ein Grafiker mit Macintosh-Erfahrung gesucht wurde, bewarb ich mich. Zu dieser Zeit gab es kaum jemanden, der diese Computer beherrschte, und ich wurde sofort aufgenommen. Da der Firmensitz in unmittelbarer Nähe der Grenze lag, erhielt ich einen Arbeitsvertrag als Grenzgängerin. Ich blieb dann fast 13 Jahre in diesem Unternehmen, das bekannte Marken wie Piz Buin herstellte und kurz nach meinem Eintritt von Johnson & Johnson übernommen wurde. Ich konnte mich als Grafikerin voll entfalten und war zuletzt als Graphic Design Manager unter anderem für das Verpackungsdesign, für das einheitliche Erscheinungsbild, Fotoshootings sowie die Erstellung der Reinzeichnungen für alle Sprachversionen weltweit verantwortlich. Als ich 2001 40 Jahre alt wurde, wollte ich mich neuen beruflichen Herausforderungen stellen. Schließlich zeigte mir mein Freund ein Inserat der Schweizer Firma Lindt & Sprüngli, die einen Verpackungsspezialisten suchte. Ich fühlte mich sofort angesprochen, bewarb mich und ich erhielt die Stelle. Leider war die Verpackungsentwicklung dort im Einkauf angesiedelt, was zwar eine neue, interessante Erfahrung war, aber nicht meinem grafischen Fokus entsprach. Daher wechselte ich im Juli 2002 als Grafikerin zur Firma Fing'rs AG, die Nagelpflegeprodukte und Kunstfingernägel herstellt. 2004 kam wieder ein Wendepunkt, und ich absolvierte neben meinem Job einen einjährigen Marketinglehrgang, in dem das grundlegende Wissen aus den verschiedenen Marketingbereichen vermittelt wurde. Für die Abschlußprüfung in Rhetorik mußte ich einen Vortrag vorbereiten und sah im Fernsehen einen Bericht über Seifenmacherei, wo unter anderem auch die letzte Seifensiederei Wiens vorgestellt wurde. Ich war von diesem Thema sofort fasziniert und beschloß, meinen Vortrag über Seifenproduktion zu halten. Ich lernte den Betreiber der letzten Seifensiederei in Wien kennen, er half mir mit wertvollen Informationen weiter, und ab diesem Zeitpunkt drehte sich bei mir alles um seine Seifen. Nach erfolgreicher Abschlußprüfung besuchte ich ihn, er spürte mein aufrichtiges Interesse und machte mir das Angebot, seine Produkte in der Schweiz zu verkaufen. Ich sagte natürlich sofort zu, begann Kontakte zu knüpfen und alles für die Firmengründung in die Wege zu leiten. Im März 2006 passierte das Unerwartete: zwei Tage vor Vertragsunterzeichnung starb der Seifensieder. Das war ein großer Schock, es gab keinen Nachfolger, und man sagte mir, daß mit ihm auch die Seifen gestorben seien. Später traf ich an seinem Grab meinen jetzigen Geschäftspartner, der bei ihm gelernt hatte und das Herstellen der kaltgerührten Kokosölseifen verstand. Er fragte nach meiner Telefonnummer und rief mich zwei Monate später an und fragte, ob ich Interesse hätte, mit Ihm zusammen die Seifen zu produzieren und zu verkaufen. Wir lernten uns dann näher kennen, besprachen alle Details und gründeten schließlich die StoBa Seifenmanufaktur. Am 8. Januar 2007 eröffneten wir unser Geschäft im dritten Bezirk - ein Schritt, über den ich sehr glücklich bin.