Zum Erfolg von Güllü Düzgün
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist sehr wichtig. Er ist für mich das Gefühl, mit der richtigen Mode an dem richtigen Ort zu sein.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, sonst hätte ich mir seit 1988 keinen so großen Kundinnenstamm aufbauen können, der mir treu ist und quasi den Kapitalstock meiner Firma bildet.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich habe immer verstanden, die Wünsche meiner Kundinnen umzusetzen. Nicht jede Kundin hat eine Model-Figur, möchte sich aber in ihrer Kleidung nicht nur wohl fühlen, sondern auch schick sein und anziehend wirken. Mit meiner Mode meinen Kundinnen dieses Gefühl zu geben ist letztlich ausschlaggebend für meinen Erfolg. Ich habe immer das Ziel verfolgt, die erfolgreiche deutsche Frau zu kleiden, die modebewußt ist, sich aber nicht über die Mode allein darstellt. Ich habe immer verstanden, wie die zahlungskräftige, intelligente Kundin aussehen möchte, und wollte ihr gerecht werden.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Als Modemacherin und Designerin ist es nicht schwieriger, in meiner Branche zu bestehen, im Gegenteil. Problematisch wurde es für mich, wenn ich Verträge mit Managern oder Händlern abschließen mußte. Da hatte ich oft das Gefühl, daß ich nicht ernst genommen wurde.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Die Verantwortung für meine Mitarbeiter, die von der Arbeit für die Firma existieren, gibt mir viel Kraft. Es sind wunderbare Menschen, die leistungsfähig sind, ihre Arbeit lieben und ihren Teil dazu beitragen, daß die Kunden zufrieden sind. Diese Menschen motivieren mich, daß ich mich den Herausforderungen der Firmenexistenz täglich neu stelle.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Zu meinen Kunden gehören viele Personen des öffentlichen Lebens. Ich habe sie bezüglich ihrer Kleidung im Beruf und bei Festakten beraten und gekleidet. Nachdem ich die ersten Dankschreiben und Komplimente von meinen Kunden dafür bekam, daß sie sehr gut und richtig gekleidet waren und auch Aufsehen erregt haben, hat mich das sehr stolz gemacht. Seit dem wußte ich, daß sich meine Arbeit gelohnt hat und ich auf dem richtigen Weg bin.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich habe dreimal in meinem Leben erfolgreich entschieden. Die erste Entscheidung war, nach dem Studium in München nicht wieder in den kleinen Ort Rüthen zurückzukehren, sondern nach Berlin zu gehen, in eine Stadt, die ich kaum kannte. Die zweite wichtige Entscheidung bestand darin, die Chance zu nutzen, die Firma zu übernehmen. Und die dritte wichtige Entscheidung war es schließlich, den Standort der Firma in die Stadtmitte von Berlin zu verlegen. Neben Gucci, Hermes, Escada u.a. zu existieren und mit solchen bekannten Modeboutiquen um die Kunden zu konkurrieren, war eine richtige Entscheidung.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Das sind der ehemalige Firmeninhaber Herr Knitlitschek und die Modemacherin Frau Jancke, die mir den Einstieg in meine unternehmerische Karriere ermöglichten.Welche Rolle spielen Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg? Eine große Rolle. Ohne zuverlässige und handwerklich gut ausgebildete Mitarbeiter, die bei guter Auftragslage bereit sind, auch Tag und Nacht zu arbeiten, könnte die Firma nicht überleben. Wir sitzen alle in einem Boot, wir können nur gemeinsam existieren. Meine Mitarbeiter müssen sich für die Firma mitverantwortlich fühlen. Ich bin zwar der Steuermann und manövriere das Schiff, letztlich bin ich aber nur ein Teil der Firma.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Bei uns stimmt neben der modischen Linie die Qualität der Stoffe, ihre Verarbeitung und der Preis. Wer bei uns ein Kleidungsstück erwirbt, merkt nach einigen Wochen, daß das Preis-Leistungsverhältnis wirklich stimmt. Die gute Qualität unserer Stoffe garantiert Wohlbefinden und die Paßform der Modelle über das erste Tragen der Kleider hinaus.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Wir sind als Berliner Modefirma eigentlich konkurrenzlos. Hier in der Friedrichstraße haben sich alle internationalen Modedesigner angesiedelt, die ihre Modelle auch in Paris, London, Moskau und Istanbul anbieten. Ich möchte, daß die Touristen, die unsere Stadt besuchen, Berliner Mode mit nach Hause nehmen, ich möchte mit meiner Mode für Berlin werben.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Das ist sehr schwierig. Ich habe viele helfende Hände, und meine zwei Kinder kommen oft zu mir ins Geschäft, so sind wir auch am Tag zusammen. Ohne mein Modegeschäft könnte ich aber nicht leben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich wünsche mir, daß ich jemanden finde, der die Firma weiterführt. Das müssen nicht meine Kinder sein. Ich hoffe, daß es, so wie ich einst die Firma übernommen habe, jemanden geben wird, der mein Lebenswerk fortsetzt.