Zum Erfolg von Alfred Taudes
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich die Freiheit, das tun zu können, was mir Spaß macht.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, im Sinne meiner Definition sehe ich mich als erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Neben Fachwissen, Talent und Fleiß war wohl eine gewisse soziale Intelligenz ausschlaggebend für meinen Erfolg - die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, die richtige Sprache in der richtigen Situation zu finden.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Die größten Herausforderungen sehe ich darin, die Digitalisierung als Megatrend zu verstehen und unserer Wirtschaft bei der Bewältigung dieser Herausforderung wirksam zu unterstützen und angesichts der rasanten Entwicklung am Puls der Zeit zu bleiben. Durch die besseren Kommunikationsmöglichkeiten diffundieren neue Technologien viel schneller, und man muss laufend am Ball sein und mit den richtigen Stakeholdern vernetzt sein um nicht zu veraltern.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Mit der Berufung zum Professor im Jahr 1993, danach immer wieder wenn es mir gelang ein neues Großforschungsprojekt zu etablieren.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Es war eine erfolgreiche Entscheidung, die Universitätslaufbahn einzuschlagen. Ich möchte die Praxis nicht missen, und auch die Firmengründung zeigt ja, dass uns die praktische Anwendung unserer Forschungsergebnisse ein großes Anliegen ist, doch die Universität ist einfach ein Ort, der eine viel fundiertere Auseinandersetzung mit Problemen erlaubt.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Als Angreifer wie etwa ein Start-Up gewinnt man nur mit Originalität, als etablierter Spieler hat man Zeit und Ressourcen um zu imitieren.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein wichtigster Mentor war Prof. Wolfgang Janko, heute noch einer meiner Kollegen am Department. Er förderte mich als junger Assistent, ließ mich forschen und hat mich nicht für andere Dinge verbraten. Er respektierte stets, dass seine Assistenten ihren eigenen Weg gingen, war jedoch bei bedeutenden Entscheidungen auch immer wieder ein wichtiger Ansprechpartner.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung bedeutet die Tatsache, dass sehr viele Leute mit mir zusammenarbeiten möchten, da sie meine Leistungen schätzen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Das Spannungsfeld von Nachhaltigkeit, Performanz und Datenschutz von Blockchains.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Eine außerordentlich wichtige. Die Fluktuation, die an unserem Institut erfolgt, passiert rein durch den Aufstieg unserer Mitarbeiter. Bei den kurzfristigen Verträgen heutzutage ist es zwar eine Herausforderung, aber in der Regel achten wir schon darauf, dass nur hervorragende Mitarbeiter unser Institut verlassen, wenn ihre Verträge ausgelaufen sind.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Letztendlich zählt für mich das, was man wissenschaftliches Denken nennt: Eigenständigkeit, Kritikfähigkeit und Fähigkeit zu analytischem Denken. Wissenschaft entsteht durch das Hinterfragen von bestehendem Wissen. Neben diesen Faktoren ist aber auch soziale Kompetenz unabdingbar. Das gängige Bild vom Wissenschaftler, der still in seinem Kämmerchen vor sich hinforscht, stimmt heutzutage einfach nicht mehr. So habe ich alle Forschungsprojekte stets in Zusammenarbeit mit einem Professorenkollegen akquiriert, mit denen ich gemeinsam den Forschungsantrag verfasste und stellte. Forschungsförderung geht auch immer mehr in Richtung Teamförderung, weniger Förderung von Einzelpersonen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Motivation ist zunächst intrinsisch. Wenn sich jemand für eine Universitätslaufbahn entscheidet, dann ist er gewillt, Gehaltseinbußen auf sich zu nehmen. Für ihn steht das Interesse an der Forschung im Vordergrund, weniger der finanzielle Aspekt. Wer viel verdienen möchte, geht sowieso in die freie Wirtschaft. Die Motivation, die ich meinen Mitarbeitern biete, ist ein großer persönlicher Freiraum. So schreibe ich niemandem vor, welche Lehrveranstaltungen er halten soll, oder welche Literatur er zu verwenden hat. Anders kann es auch gar nicht funktionieren, denn im Hörsaal ist wichtig, dass der Lehrende selbst von dem überzeugt ist, was er lehrt, um wiederum seine Studenten zu überzeugen. In der Wissenschaft funktioniert es nicht anders. Die Integration in der Forschung funktioniert über interessante Themen, was bei den Projekten an unserem Institut auch gegeben ist. Natürlich achte ich auf gute Rahmenbedingungen und ein entsprechendes Klima und bin bei Fragen und Problemen stets für meine Mitarbeiter da.
Wie verhalten Sie sich dem Mitbewerb gegenüber?
In unserem Bereich ist eine Coopetition gegeben, also eine Mischung aus Zusammenarbeit und Wettbewerb. Es gibt ein Netzwerk, das über die Jahre aufgebaut wurde, und wenn Projektmöglichkeiten anstehen, dann sucht man sich die entsprechenden Partner. Konkurrenzdenken herrscht meistens zwischen verschiedenen Richtungen, die dann auch Lehrstühle beanspruchen, bzw. bei der Ausrichtung von neuen Professuren. Der Konkurrenzkampf bei den Forschungsmitteln ist jedoch sehr hart: Von 100 Anträgen werden zehn gefördert, die dann auch wirklich top sein müssen. Welche sind die Stärken Ihres Instituts? Eine Forschungsevaluierung aus dem Jahre 2002 zeigte unsere Stärken auf: Von inhaltlicher Seite ist unser USP die Querschnittsfunktion, das Interface zwischen Marketing und Produktion. Mit dieser Stärke, die auch ausschlaggebend für das WWTF-Projekt war, sind wir im weltweiten Vergleich an der Spitze zu finden. Methodisch gesehen ist es unser Ziel, Mathematik sinnbringend anzuwenden. Wir haben weltweit Kooperationspartner: am MIT, in Japan, und im deutschen Sprachraum arbeiten wir hauptsächlich mit ehemaligen Mitarbeitern zusammen, die nun an anderen Universitäten lehren. Eine weitere Stärke sehe ich in der Interdisziplinarität; das Austrian Blockhain Center und Forschungsinstitut für Kryptoökonomie vereinigen wirtschaftliches, technisches und rechtswissenschaftliches Know How.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Durch Konzentration auf das Wesentliche im Job und größtmögliches Delegieren.
Wie viel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Sehr viel, ich lese andauernd Neues, wenn ich nicht im Hörsaal stehe oder verwalte.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Flexibilität und Mobilität vor allem in jungen Jahren werden immer wichtiger, wenn man erfolgreich werden möchte. Zweitens rate ich jungen Akademikern, gründlich nachzulesen, was schon publiziert wurde. Meines Erachtens ist es die Aufgabe des Doktorvaters, seine Studenten bei der Suche nach dem richtigen Fachgebiet zu unterstützen. Mein Rat lautet hier, sich einen Mentor zu suchen - am besten einen Professor, der selbst noch aktiv ist und noch publiziert. Die Älteren haben den Überblick, während die Jungen über den nötigen Biss verfügen, und hier die richtige Synthese zu finden ist entscheidend. Mit Ende 20 durchlebt man die produktivste Phase, und hier darf man es nicht verabsäumen, sich die richtigen Partner zu suchen, die einen fördern und fordern, die das Beste aus einem herausholen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Meine Ziele sind einerseits das Institut weiterhin gut zu führen und den Aufbau der Prolytic GmbH zu unterstützen und andererseits die dauerhafte Etablierung des Forschungsinstituts für Kryptoökonomie und des Austrian Blockhain Center in der internationalen Forschungslandschaft.
Ihr Lebensmotto?
Wichtig ist, etwas zu tun, das man gerne macht, und sich seine Bewegungsfreiheit zu erhalten - der Erfolg stellt sich dann von selbst ein.