Zum Erfolg von Gerald Götz
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Privat bin ich erfolgreich, wenn es mir rundherum gut geht - wenn die Beziehung mit der Partnerin glücklich ist, wenn ich mein finanzielles Auskommen finde und genügend Freizeit für Hobbys und Familie habe. Erfolg im Geschäftsleben ist etwas schwieriger zu definieren, weil er sehr vielen Kriterien und Einflüssen unterliegt. Bezeichnen mich Geschäftspartner als erfolgreich, nehme ich das nicht ohne zu hinterfragen an.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja - ich bin privat so glücklich wie noch nie zuvor, und auch geschäftlich hat sich alles wunschgemäß entwickelt.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ganz entscheidend ist, wissensmäßig am Ball zu bleiben und sich ständig mit neuen Themen auseinanderzusetzen - man darf niemals glauben, schon genug gelernt zu haben. Der zweite große Erfolgsfaktor ist in meinen Augen Beharrlichkeit. Ich werfe die Flinte nicht ins Korn, denn wenn etwas heute nicht geht, dann morgen oder vielleicht übermorgen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
In dieser Branche muß man hinsichtlich der Kundentermine extreme Flexibilität zeigen. Was die eigentliche Arbeit betrifft, kommt guter Planung, auch innerhalb des Netzwerkes, eine entscheidende Bedeutung zu.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Als ich 1995 zur Firma Integrata kam und dort relativ rasch Verantwortung für große Projekte und Budgets erhielt, fühlte ich mich erfolgreich - auch weil das positive Feedback über das normale Maß für Engagement und Einsatzbereitschaft hinaus ging.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Auch wenn es heute kaum noch Bedeutung hat, war mir meine damalige Entscheidung, Kunstgeschichte zu studieren, extrem wichtig. Das war zu dieser Zeit der Traum meines Lebens, und ich packte ihn an, ohne mich um die Meinung des Umfeldes zu kümmern.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Jugendfreund Andreas Ghafour war mit mir beim Bundesheer und startete dann eine tolle Beraterkarriere. Er ist heute ein höchst erfolgreicher Wirtschaftstrainer. Mit ihm konnte ich mich zwischendurch immer wieder „matchen“, seine Meinung und seine Freundschaft sind mir wahnsinnig wichtig.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Der österreichische Markt ist insofern schwierig, als zwischen der Absichtserklärung eines Kunden und der eigentlichen Auftragserteilung sehr viel Zeit vergeht. Österreicher neigen grundsätzlich dazu, Entscheidungen aufzuschieben. Bei großen Betrieben braucht es manchmal auch sanften politischen Druck.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Sie spielen eine zentrale Rolle, je nach Auftrag sind zwischen drei und sieben Mitarbeiter in ein Projekt involviert. In dieser Zusammenarbeit gibt es regelmäßige Austauschpunkte, die wir als „Denkfix“ - in Anlehnung an jour fixe - bezeichnen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich entscheide mich für jenen Mitarbeiter, der für meine Aufgabenstellung über die besten Referenzen und Erfahrungen verfügt.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich gehe davon aus, daß man niemanden motivieren kann, der nicht schon von sich aus motiviert ist. In diesem Job ist Geld kein echter Motivator, ein paar tausend Euro mehr oder weniger im Jahr spielen keine Rolle. Die wirkliche Motivation kommt über das positive Feedback von außen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Das Alleinstellungsmerkmal, wodurch ich mich als Unternehmensberater und sich die Denkstatt als Firma auszeichnet, ist die Philosophie des begleitenden Beratens.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Sehr gut - in der Freizeit bleibt der Beruf außen vor!
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Die meisten Ressourcen, derer wir uns bedienen, sind endlich - daher rate ich zu einem schonenden Umgang mit Ressourcen. Außerdem finde ich, daß junge Leute nicht schon heute entscheiden müssen, wie ihr Leben verlaufen soll. Schaut euch die nächsten paar Jahre an, und trefft dann weiterführende Entscheidungen. Wir leben ja auch in einer Zeit, in der man mit einem einzigen Beruf gar nicht mehr durchs Leben kommt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Noch zehn fette Jahre - mit Mitte Fünfzig möchte ich mich ins Privatleben zurückziehen.