Zum Erfolg von Andreas S. Grad
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Logistik ist kein Produkt, welches man erzeugt und verkauft, sondern eine Dienstleistung, die mehr oder weniger dort entsteht, wo sie konsumiert wird. Zuerst muss man Vertrauen gewinnen. Ohne dieses Vertrauen gibt es keinen Erfolg. Das Ergebnis zeigt sich einerseits am Kontostand, andererseits in den Auftragsbüchern.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Persönlicher Erfolg misst sich an den bestandenen Prüfungen, die einem das Leben zu teil werden lässt. Ja, ich glaube, dass ich einiges erreicht habe und auf einen Erfahrungsschatz verweisen kann.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich bin in eine Unternehmers Familie hineingeboren, die ihren Lebensunterhalt mit Transporten verdiente, d.h. ich hatte seit frühester Kindheit den Dieselgeruch in meiner Nase und das Verständnis, dass Dienstleistung von „Leisten“ kommt. Somit stand die Optimierung von Prozessen immer im Vordergrund. Problemerkennung Prioritätensetzung und dessen Umsetzung gehören durchaus zu dieser Thematik. Tatsache ist, dass Erfahrung sicherlich ihren Stellenwert hat. Sie sind aber auch trügerisch, weil sie einen scheinbar in Sicherheit wiegen und man sich darauf verlässt, darum muss man die Grenzen immer weiter pushen, quasi sich neu erfinden. In meinem Segment, also in der Kfz-Industrie und dessen Zulieferer gibt es immer wieder Projekte, welche sich ähnlich sind, aber die Lösungsansätze sind unterschiedlich. Dies hängt von verschiedenen Parametern ab. D.h. Erfahrung ja, aber die Konzentration auf die Spezifika der Aufgabenstellung steht eindeutig im Vordergrund. Wir verstehen uns nicht als eine klassische Unternehmensberatung, denn wir beginnen mit unserer Arbeit z.B. im Lager oder in der Produktion, während die Unternehmensberater meistens bei der Geschäftsführung beginnen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Wie bereits erwähnt, bin ich in einer Familie aufgewachsen, wo das Transportwesen zum Alltag gehörte. Mein Großvater begann nach dem Krieg mit Transporten von Oberösterreich nach Salzburg. Er begann mit fünf Lkws. Diese hat mein Vater übernommen. Inzwischen werden bis zu eintausend Einheiten in Europa mit mehreren hunderten Mitarbeiter bewegt (Transdanubia-Gruppe). Eine unglaubliche Leistung und daher sicher ein Vorbild. Ich hatte im Laufe meines bisherigen Berufslebens immer Möglichkeiten vorgefunden, sehr eng mit Mitmenschen zusammen zu arbeiten, welche Profis in ihren Fachgebieten waren und mich an die Hand genommen haben. Speziell bei manchen Persönlichkeiten meiner Kunden, entstanden Mentorenverhältnisse, die uns gegenseitig befruchteten. Ich bin der Überzeugung, dass man immer wieder jemanden benötigt, an dem man sich anlehnen kann. Unabhängig davon, wachse ich auch gern am Mitbewerb. Gerne nehme ich Aufträge an, wo ich noch keine Patentlösung parat habe.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Das Segment der Logistik hat in vielen Unternehmen noch nicht den nötigen Stellenwert. Eine funktionierende Logistik ist die nötige Basis für eine ordentliche Performance. Ich bin in einem Segment tätig, wo die Logistik zum Alltag gehört. Im Kraftfahrzeugbereich stellt dies eine sehr große Herausforderung dar, denn wenn man sich überlegt, dass z.B. ein Autositz aus mehreren Tausend Teilen besteht und jeder Teil prozessgerecht an das Band geliefert werden muss und vielleicht auch noch vorbehandelt werden muss, so stellt dies einen riesigen Ablaufprozess dar. Das Einsparungspotential einer Linienfunktion in der Logistik kann sehr umfangreich sein und stellt eine enorme Herausforderung dar.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Mitarbeiter sind in den jeweiligen Bereichen, operative Profis. Wir sind keine Unternehmensberater im eigentlichen Sinne, sondern sind sehr operativ ausgerichtet, somit sind wir auch an jenen Orten gefragt, wo der Hut brennt. Nachdem Logistik ein interdisziplinäres Segment innerhalb eines Unternehmens darstellt, kann ich in die meisten Bereiche hinein sehen; also Beschaffung, Produktion, Lagerwesen, Personal, Qualität etc. Man könnte sagen, mit einer ordentlichen Logistik kann man ein gutes Unternehmen führen. Die Praxis zeigt, wenn eine Firma kränkelt, dass die Keimzelle der Erkrankung in der Verwaltung zu finden ist. Bei gut funktionierenden Unternehmen ist der Verwaltungsbereich optimal aufgestellt. Dies gilt sicher auch für den Logistikbereich.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Diese Bereiche sind nicht trennbar; Büro und Wohnung sind im selben Haus. Wenn man Prioritäten setzt, lassen sich beide Bereiche gut unter einen Hut bringen und wenn ich das nicht könnte, wäre ich als Logistikfachmann fehl am Platz. Das Verständnis meiner Familie für meine Tätigkeit ist vorhanden und ich bringe so manche Idee meiner Ehefrau vor. Somit ist Sie mein erster und wichtigster „Sparringpartner“, denn bedingt durch die Distanz die sie zu meinem Job hat, kommen auch neue Aspekte zu tragen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Erweitern sie ihren geistigen und geographischen Horizont! Reisen sie und nehmen sie an dem Leben dort teil, arbeiten sie im Ausland. Meine Erfahrung nach hilft es ungemein, wenn man die jeweilige Landessprache beherrscht. Fünfzig Prozent der Wahrheit liegt in der Sprache! Englisch ist als Basis unbedingt notwendig, aber jede weitere Sprache hilft enorm. Es heißt, dass man im Leben nur die Dinge wirklich bereut, die man nicht gemacht hat. Sofern es sich in gesetzlichen Rahmen bewegt, stimme ich dem zu. In meiner Branche sollte man Verständnis für logistische Abläufe mitbringen und in der Lage sein, Prioritäten zu setzen und die Kraft besitzen, diese auch zu realisieren. Eine hochschultechnische Ausbildung für Logistik gibt es, und diese ist sicherlich von Vorteil. Dies bedeutet aber nicht, dass dies eine Voraussetzung ist, um in diesem Metier tätig zu werden. In meinem Mitarbeiterteam gibt es Lagerarbeiter, welche sich schrittweise hochgearbeitet haben und mindestens genauso wertvoll sind wie Mitarbeiter, welche zwei Studien absolvierten. Zukünftig wird unser Metier immer mehr gefragt werden, weil die Globalisierung immer mehr Unternehmen zur Optimierung der Ablaufprozesse zwingt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Unternehmensspezifisch betrachtet bin ich in Österreich tätig, wobei ein Großteil unserer Aufträge nicht aus Österreich kommt. Die meisten Entscheidungsträger mit denen ich zu tun habe, befinden sich im Ausland. Es wird sinnvoll sein, sich dort anzusiedeln, wo dieser Personenkreis seine Wirkungsstätte hat. Ein Traum wäre, in jenem Land, wo historisch betrachtet, die größten Kfz-Hersteller zu Hause sind, also in den USA eine Dependance zu eröffnen.