Zum Erfolg von Wolfgang Rudolf Ferdinand Hartl
Was ist für Sie Erfolg?
Gefragt zu sein, sinnhafte Arbeit für die Allgemeinheit zu leisten.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ich sehe mich als normal erfolgreich an, ich wundere mich nur wie wenig erfolgreich andere sind. Erfolg halte ich für normal, wenn man arbeitet.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich wurde entschieden; bei den Bundestheatern traten die Solisten an mich heran, weil sie mein Organisationstalent nützen wollten, von mir gemanagt und vermittelt werden wollten.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Man sieht mich als eher unscheinbar an und ich wurde lang als Phantom bezeichnet, weil man mich nie sah. Bekannte sehen mich schon als erfolgreich an. Herr Hollander hat mich als einen der letzten Elefanten in dem Beruf bezeichnet.
Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Organisationstalent, musikalische Ausbildung und Interesse an allem, ich habe z.B. juridische Kurse absolviert, weil mich das interessiert. Der Verdienst steht an letzter Stelle, mich interessieren Menschen, ich studiere sie und kann Gedanken lesen. Dadurch kann ich zwischen unterschiedlichen Charakteren einen Konsens finden und beiden Seiten das Gefühl geben, das Beste herausgeholt zu haben, dabei hilft mir meine verbindliche Art. So konnte ich Pavarotti oder Prey an die Staatsoper bringen. Pavarotti traf ich am Flughafen und fragte ihn, warum er denn solange nicht mehr an der Staatsoper auftrat. Weil mich keiner danach fragt war seine Antwort - eine Stunde später war ich in der Staatsoper und wartete solange, bis ich zum Direktor vorgelassen wurde. Ihn fragte ich, was er denn gegen Pavarotti hat, daß er ihn nicht auftreten läßt. Er war ganz verwirrt und sagte, daß er nichts gegen Pavarotti hat, er ihm aber nie angeboten wird. Noch bevor Pavarotti in London in seinem Hotel angekommen war, hatte ich schon alle in Frage kommenden Partien besprochen und das Engagement für ihn in der Tasche. Wesentlich ist auch die menschliche Komponente, ich bin Vertrauens- und Kontaktperson, jemand mit dem man reden kann, der zuhört und Probleme löst. Mirella Freni vertrat ich wegen dieser Gründe. Ich habe mir langfristig Vertrauen aufgebaut. Heute hilft mir auch meine Erfahrung, ich bin ständig aufmerksam und höre immer zu.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Ständige Werbung und Information der Kunden ist die Hälfte des Erfolges. Für die Künstler machen wir sehr viel Werbung, das gehört mit zu meinen Aufgaben und diese Aufgaben machen wir alle gemeinsam. Dafür ist Kreativität erforderlich.
Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt?
Ich wußte nicht einmal, daß es diesen Beruf gibt.
Welche Rolle spielen Familie und Mitarbeiter?
Meine ganze Familie ist mitbeschäftigt, da es keinen Feierabend und kein Wochenende gibt. Um rund um die Uhr dazusein, muß die ganze Familie mitspielen. Vorurteilsfreiheit ist sehr wichtig, auch bei den Mitarbeitern. Hier arbeiten die unterschiedlichsten Nationalitäten mit, eine Slawin hat das Vertrauen der Russen und Ukrainer, die Italiener finden eine italienische Mitarbeiterin, meine Tochter ist für die USA zuständig, usw.
Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein und wie motivieren Sie diese?
Sprachkenntnisse, musikalische Kenntnisse, Auftreten, Benehmen, Niveau und Ausbildung sind die wichtigsten Kriterien. Motivation kommt durch den Erfolg und die Anerkennung durch die Künstler, jeder hat seinen Erfolg und sein Lob, jeder erlebt es selber mit.
Kennen Sie Niederlagen?
Nein, die sind da um überwunden zu werden. Direktor Seefellner sagte mir Beleidigt sein kann man erst, wenn man Hofrat ist, da sie keiner sind, können sie auch noch nicht beleidigt sein.
Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Ich lasse mich nicht aufregen, dadurch ermüde ich nicht. Wenn gestritten wird, gehe ich weg und komme wieder, wenn der Streit beendet ist, dann stifte ich Frieden und ernte dafür den Dank. Wichtiges fällt mir in der Früh oder beim Autofahren auf der Autobahn ein, beim Autobahnfahren kann ich mich entspannen. Ich glaube ich fahre besser, als ich zu Fuß gehen kann.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Professoren-Titel und Arbeit mit den Künstlern, die bei uns bleiben, alle freuen sich, wenn ich komme und ich werde überall gerne gesehen.
Ihr Erfolgsrezept?
Lernen, zuhören, vor allem Ältere haben viel zu sagen und Erfahrungen weiterzugeben. Ich frage nie nach dem Was bringt´s und der Menge an Geld. Alles macht sich irgendwann bezahlt.
Haben Sie Vorbilder?
Leute wie Kreisky, der mir zu meiner Konzession verhalf, Mautner-Markhof, Seefellner, Swarovsky, wegen ihres Allgemeinwissens und ihrer Menschenkenntnis.
Anmerkung zum Erfolg?
Wichtig sind Sprachkenntnisse, um seinen Nachbarn zu verstehen, mit ein paar Worten in seiner Sprache zeigen zu können, daß man ihn achtet, das öffnet die Herzen und schafft die Basis für Erfolg. Immer danach zu trachten der Beste zu sein, bzw. dem Besten so nahe wie möglich zu kommen.