Zum Erfolg von Alois Stacher
Was ist für Sie Erfolg?
Erreichen selbstgesteckter Ziele. Nach meiner Verwundung war ich in einer aussichtslosen Situation, konnte nicht gehen und mir wurde vorhergesagt, daß ich nicht älter als 40 werden würde. Seit meiner Genesung war Medizin für mich faszinierend, und alles, was ich dann tat, war für die Medizin.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, weil ich in allen Bereichen - besonders bei der Patientenbetreuung - Erfolge hatte und vielen Menschen das Leben retten konnte. Auch in der Gesundheitspolitik konnte ich vieles - wenn auch nicht alles - verwirklichen. In der Ganzheitsmedizin konnte ich Bewußtsein bilden.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Die Entscheidung Stadtrat zu werden - das wollte ich mir eigentlich nicht antun, wurde aber von Bürgermeister Leopold Gratz dazu überredet. Letztlich war diese Entscheidung aber richtig, denn ich konnte doch einiges in Bewegung setzen.Wie sieht Sie Ihr Umfeld? Als diskussions- und kampffreudig, überzeugend und entscheidungsstark.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Wenn ich etwas will, kann ich es oder kann ich es lernen. Ich traue mich über fast alles drüber und setze es auch durch. Ich stamme aus einer ganz armen Arbeiterfamilie. Als ich vom Krieg nach Hause zurückkam, verdiente ich mir mein Geld als Nachtwächter, Möbelpacker, etc., nähte mir selbst meine Anzüge und doppelte mir selbst die Schuhe. Immer, wenn ich etwas nicht wußte, habe ich mich auch nicht geniert, zu fragen und habe alles ausprobiert. Um in die Oper gehen zu können, habe ich Schnee geschaufelt - ich habe keine Arbeit gescheut. So wurde der Grundstock zu meinem sozialen Engagement gelegt.
Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt?
Ich hatte die Alternativen Architektur oder Medizin. Gegen Architektur sprach, daß ich mich nicht für Mathematik interessierte - gegen Medizin sprach, daß ich damit ständig mit Krankheiten zu tun hätte. In den zwei Jahren, in denen ich im Lazarett lag, legte sich diese Aversion und ich erkannte, welche Möglichkeiten die Medizin bietet. Mediziner wurde ich dann gegen den Willen des Jugendarbeitsamtes. Eigentlich bin ich zu 70 Prozent arbeitsunfähig und schon damals konnte mir keiner sagen, ob ich in ein paar Jahren noch gehen können würde. Ich wußte, daß ich ein bekannter Mediziner werden mußte, damit die Patienten zu mir kommen würden. So begann ich wissenschaftlich zu arbeiten und hatte das Glück, daß mich mein Chef Prof. Fleischhacker führte und so mein Interesse an der Hämatologie weckte. Für ihn lektorierte ich sein Buch und saß nächtelang über einschlägiger Fachliteratur. So habe ich Hämatologie gelernt wie kaum ein anderer.Welche Rolle spielt die Familie? Meine Frau hielt mir immer den Rücken frei und hatte Verständnis, wenn ich bis spät in die Nacht arbeiten mußte.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Das medizinische Personal suchte sich selbst aus - in diesem Bereich mußte man nicht nur von der Tätigkeit fasziniert sein, sondern auch dem psychischen Druck standhalten. In der Politik suchte ich nach organisatorischen Gesichtspunkten aus. Engstirnig durften sie nicht sein, sondern immer im Einklang mit dem Zeitgeist. Ich hatte auch immer hervorragende Mitarbeiter in der Stadt Wien. So habe ich z.B. mit Prof. Rudas 20 Wochenenden lang diskutiert, wie das Psychiatriewesen in Ordnung zu bringen wäre.
Kennen Sie Niederlagen?
Jede Niederlage bewirkt etwas Positives. Im Zusammenhang mit dem AKH gab es wilde Anschuldigungen - das machte neue Strukturen möglich. Oder die Morde in Lainz, für deren Aufklärung ich mich vehement eingesetzt habe.
Wie gehen Sie mit Niederlagen um?
Ich lasse mich nicht psychisch blockieren, sondern habe z.B. bei den Lainzmorden alles unternommen, um den Spitälern wieder Sicherheit zu geben. Erst wenn alles vorbei ist, zeige ich in stillen Stunden Nerven.
Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Aus der Freude an der Tätigkeit.
Ihre Ziele?
Integration der Komplementärmedizin in die Schulmedizin. Auch die kleinen Wehwehchen und die psychosozialen Symptome müssen ernst genommen werden.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Anerkennung freut mich, darauf ist mein Ehrgeiz aber nicht ausgerichtet. Mich hat es gefreut, daß ich Ehrenmitglied der ungarischen, tschechischen und rumänischen Gesellschaft für Hämatologie wurde. Zur Zeit des eisernen Vorhanges organisierte ich für diese Länder Symposien in Wien, etc.. Damit habe ich erreicht, daß auch in diesen Ländern eine moderne Hämatologie aufgebaut werden konnte.
Ihr Lebensmotto?
Ich bin neugierig, tatkräftig und habe keine Berührungsängste.
Haben Sie Vorbilder?
In der Kommunalpolitik Dr. Tandler, ein Mediziner (wegen seiner zutiefst sozialen Einstellung, der viel für Kinder und Jugendliche tat und so mit der TBC fertig wurde). Ich habe auf derselben sozialen Basis das Altenwesen (Essen auf Rädern, Heimhilfe, etc.) ausgebaut.
Anmerkung zum Erfolg?
Wenn man von etwas überzeugt ist, soll man auch gegen Widerstände ankämpfen und in sich selbst vertrauen.