Zum Erfolg von Gerhard Windischbauer
Was ist für Sie Erfolg? Innerhalb seines Berufsfeldes eine anerkannte Position zu erreichen, wobei die Anerkennung auf Leistungen beruht. Das definiert sich für mich entweder durch Expertentum als Fachwissenschafter oder bei Nebenleistungen wie wissenschaftliche Lehre, Organisation und Personalentwicklung. Ich betrachte Erfolg weniger gewinnorientiert.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, ich habe in jeder meiner Funktionen Anerkennung bekommen, wurde in Führungspositionen bestätigt und hatte nie Probleme in puncto Führungsstil oder Autorität. Auch in meinem engeren Umfeld finde ich reibunslos Kontakte.Wobei haben Sie sich erfolgreich entschieden? An mein Diplomstudium ein Doktoratstudium zu hängen, war richtig. Falsch für meine wissenschaftliche Laufbahn war hingegen an ein kleines, neues Institut zu gehen, das über keine Geräte verfügte. Für meine persönliche Entwicklung war diese Entscheidung aber insofern richtig, als ich frei arbeiten konnte. Die zweite wesentliche Entscheidung war nicht in die Industrie zu gehen, wo das Anfangsgehalt aber ein vielfaches gewesen wäre. Mich damals für dieses Fondsprojekt zu entscheiden, war eine gravierende Entscheidung - damals stand ich an einer Straßengabelung mit zwei Einbahnen. Aus familiären Gründen war ich auch immer nur kurz im Ausland - ich heiratete bereits vor dem Studium, hatte bald zwei, später vier Kinder und älter werdende Eltern, so war die soziale Bindung an Österreich sehr stark.Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Stabilität in der Familie. Man sagt mir auch nach, daß ich ein gutes analytisches Verständnis für die Entwicklung und die Konsequenz, Ziele über mehrere Jahre hinweg zu verfolgen, habe. Ich besitze Kompromißbereitschaft, kann aktive Kompromisse eingehen und Spannungen zwischen Studenten, Assistenten und Professoren lösen.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Mein Bruder war schon zu meinem Studienbeginn Universitätsassistent, die eigentliche Entscheidung fiel aber erst nach 1970 bzw. nach meiner Habilitation.Welche Rolle spielt die Familie? Ich komme aus einem gutbürgerlichen Haus, das ist ein starker Faktor für Stabilität und Kontinuität in meiner Laufbahn - geprägt durch mein Elternhaus. Für mich ist auch wichtig, wie man seinen Kindern Lebenserfahrungen weitergeben kann. Ebenso wie mein Bruder auf mich, hat die Universität auch auf meine Kinder abgefärbt, die alle studierten.Welche Rolle spielen die Mitarbeiter? Mein Führungsstil ist sehr teamorientiert, Besprechungen werden immer in Gruppen geführt, unabhängig von der Funktion sind bei mir alle gleichberechtigt, und jeder kann seine Meinung einbringen. So gingen auch die Spannungen am Institut stark zurück.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Wir haben eine geringe Fluktation, und eigentlich suche ich nur Lehrlinge, die wir zu Physiklaboranten ausbilden, aus - dabei hatten wir zum vierten Mal die besten Lehrlinge bei Berufswettbewerben gestellt. Die Kriterien sind persönlicher Eindruck, Einstellung zum Berufsbild, Erwartung über die Entwicklung und bisherige schulische und außerschulische Leistungen. Ein besonderes Faible habe ich für Personen, die Weiterbildung anstreben.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Für Mitarbeiter, die sich weiterbilden, haben wir Vorbildfunktion, und ich stehe auch persönlich für Probleme zur Verfügung, so gebe ich Hilfestellung und entlaste Mitarbeiter, die vor Prüfungen stehen. Einige meiner Mitarbeiter konnten so schon ihr Studium beenden oder beginnen.
Kennen Sie Niederlagen?
Krisen hatte ich eher im wissenschaftlichen Bereich, in der Entwicklung der Karriere. Es gab Zeiten, da glaubte ich die Habilitation nicht zu schaffen, später stieg dann die Ungeduld, als Professor berufen zu werden. Wird man das nicht, baut sich bei manchen Frust auf. In der Laufbahn sind das die schwierigsten Momente - man möchte mehr Verantwortung, ein eigenes Institut übernehmen.
Wie gehen Sie mit Niederlagen um?
Ich hatte in meiner gewerkschaftlichen Tätigkeit auch schon immer mit Rektoren und Staatssekretären zu tun, als ich noch nicht Institutsvorstand war, deshalb konnte ich hier kompensieren.Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft? Aus dem familiären Rückhalt, ich lasse aber die Sorgen vor der Türe, um Probleme nicht zu überschichten, sondern sie separat zu behandeln. Kraft tanke ich auch aus meinen Hobbies und aus einem stabilen Freundeskreis, in dem es jeder in seinem Beruf zu etwas gebracht hat, jeder für sich interessant und erfolgreich ist.
Ihre Ziele?
Ziele gibt es kaum noch. In der Wissenschaft beginnt immer mehr ein Rennen nach Impact-Punkten (wobei gemessen wird, wie oft jemand in der - meist englischsprachigen - Fachpresse erwähnt wird). Dieses Ranking bringt zunehmend Konkurrenzsituationen in die Wissenschaft. Deshalb ist ein gutes Personalentwicklungsprogramm sehr wichtig, und so arbeite ich an universitären Organisationsstrukturen.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Indirekt sicher. Ich kann von Rektorenkonferenzen bis zur Gewerkschaft zu jeder Organisation gehen, bin dort willkommen, und man beachtet meine Meinung.
Ihr Lebensmotto?
In Stammbücher schreibe ich entweder Wissen ist Macht und Arbeit der Schlüssel dazu oder Jeder lange Weg beginnt mit dem ersten kleinen Schritt. Sonst suche ich jede Möglichkeit, freundschaftlich zusammenzusitzen und nütze jede Gelegenheit,um Feste zu feiern.
Haben Sie Vorbilder?
Meinen Vater wegen seiner konsequenten Haltung und meine Mutter wegen ihrer geistigen Regsamkeit.