Zum Erfolg von Erich Achleitner
Was ist für Sie Erfolg?
In erster Linie Selbstverwirklichung: Mein individuell gestecktes Ziel zu erreichen und auch die Erwartungen anderer, für die ich tätig bin, zu erfüllen.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Durchaus. Mit 24 Jahren konnte ich mir nicht einmal einen Urlaub leisten, und zuletzt hatte ich in der Privatwirtschaft immer ein Jahreseinkommen von 2-3 Millionen. Bei meinen Kindern, die sich nicht immer so entwickeln, wie ich es gerne hätte, sehe ich mich hingegen nicht ganz so erfolgreich.
Wie sieht Sie Ihr Umfeld - als erfolgreich?
Schon; ich habe mich mit dem Erfolg aber auch nicht verändert. Wenn jemand Erfolg braucht, um sich darzustellen, hat er schon ein Persönlichkeitsdefizit.
Wobei haben Sie sich erfolgreich entschieden? Ein Schlüsselerlebnis war sicherlich die Geburt meines ersten Kindes. Verantwortung für die Familie zu übernehmen, war eine starke Triebfeder. Richtig war auch die Entscheidung, zweimal den Geschäftsführerposten großer Versicherungen zu übernehmen.
Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Kreativität, Phantasie und daß ich ein Das geht nicht nicht akzeptiere. Gerade das hat mich immer besonders gereizt - besonders in einem Veränderungswettbewerb ist ja das einzige, das nichts kostet, das Denken. Meine Stärken sind auch Flexibilität, Beharrlichkeit und schneller zu reagieren als andere.
Wie sehen andere Ihren Erfolg? Das Mieseste, das es gibt, ist der Neid. Wer neidig ist, wird nie Erfolg haben. Neider sind Menschen, die ihr Ziel nicht erreicht haben - vielleicht weil es zu hoch gesteckt war, vielleicht auch, weil sie sich überschätzt haben. Am schwierigsten ist es, sich selber einzuschätzen - dazu gehört viel Ehrlichkeit.
Haben Sie Tätigkeiten angestrebt? Die Funktionen in der Privatwirtschaft habe ich angestrebt, die Funktion als Bezirksvorsteher aber nicht. Als mein Vorgänger verstarb und ich mich entschied, diese Funktion anzunehmen, machte ich das aber auch 100-prozentig.
Welche Rolle spielt die Familie? Ich trenne Beruf und Familie, daher spielt sie nicht so eine große Rolle.
Und welche Rolle spielen die Mitarbeiter? Das gesamte persönliche Umfeld spielt eine enorm wichtige Rolle. Ein Manager muß sich sein Umfeld so schaffen, daß er sich freut, in der Früh ins Büro zu kommen. In einem Klima, in dem auch gelacht wird, kommt mehr heraus, als wo gestritten wird und Mißgunst herrscht. Ein Vorgesetzter ist für seine Mitarbeiter auch mehr verantwortlich als umgekehrt.
Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Am wesentlichsten ist es, Raunzer aussortieren zu können. Meine Mitarbeiter müssen vor allem anständig sein, Sozialkompetenz geht vor fachlichen Qualifikationen. Ein Mitarbeiter muß charakterlich in Ordnung sein und sich auch weiterbilden wollen.
Kennen Sie Niederlagen?
Im Erfolg steckt es, auch Niederlagen zur Kenntnis zu nehmen - auch wenn man sie nicht akzeptieren will. Erfolg gibt es nicht ohne Risiko, und im Risiko stecken auch Niederlagen.
Woher kommt Ihre Kraft? Ich kann total abschalten und verkrampfe mich nicht auf den Erfolg. Wir brauchen alle Idealziele, müssen aber auch akzeptieren, daß wir sie nie erreichen werden - hier zeigen sich auch wichtige Parallelen zur Religion. Ein Idealziel zeigt die Richtung. Idealmodelle müssen aber an die Realmodelle angepaßt werden - ein gutes Beispiel ist die Divergenz des Idealziels des Kommunismus von der Realität. Der Kommunismus als ideale Staatsreform vergißt darauf, daß er es mit Menschen zu tun hat.
Ihre Ziele?
Die nächsten Wahlen zu gewinnen. Mein Deckungsbeitrag sind schließlich die Wähler.
Haben Sie Anerkennung von außen erfahren? Ja, durch den beruflichen Aufstieg. Mein Erfolg war zum Teil so gigantisch, daß mich bald jeder kannte.
Haben Sie Vorbilder?
Beruflich nicht. Politisch würde es mich freuen, wenn man mir einmal die Seriosität des Alois Mock nachsagen würde. In puncto Ehrlichkeit und in menschlicher Hinsicht ist er ein Vorbild.
Anmerkung zum Erfolg?
Zum Erfolg gehört es, sich realistische Etappenziele zu setzen. Jeder Erfolg macht einen Menschen stärker. Es sind viele positive Einzelerlebnisse, die die Batterie aufladen. Erfolg heißt, Mißerfolge zu überwinden und sich über viele kleine Dinge zu freuen, um sich immer wieder aufzubauen.