Zum Erfolg von Hilmar Kabas
Was bedeutet für Sie Erfolg? Erfolg ist dann erreicht, wenn man zufrieden ist und innere Harmonie verspürt. Das wiederum ist sicherlich auch abhängig von der Umwelt und von Gegebenheiten. Harmonie ist dann vorhanden, wenn ich spüre, daß ich Menschen gewinnen und vielleicht sogar von etwas überzeugen kann. Ich fühle mich nur dann glücklich, wenn der Druck, den man ja ab einer gewissen Funktion oder Position ausgesetzt ist, nicht übermächtig ist. Erfolg kann man nicht eindimensional definieren, dieser Begriff setzt sich aus einigen Variablen zusammen. Außerdem brauche ich auch Zeit für mich; ich tanke viel Kraft in der Natur.Welche Rolle spielt das Privatleben? Nach 24 Jahren scheiterte meine Ehe und wurde geschieden. Es war gerade die Zeit, als ich Nationalratsabgeordneter und zugleich Bundespressereferent der Partei wurde. Ich investierte sehr viel Zeit in meine Tätigkeit und vergaß auf mein Familienleben. Ich habe aber drei Söhne, die für mich etwas sehr Positives sind und mit denen ich gerne Zeit verbringe.Wie lautet Ihr Schlüssel zum Erfolg? Man muß sich immer wieder neuen Aufgaben stellen. Man sagt mir nach, daß ich eine gewisse Ausdauer und Hartnäckigkeit besitze. Glaubt man an die Astrologie, bin ich sicher ein typischer Steinbock, was ich auch beim Bergsteigen selbst merke. Wie lange man sich in einer politischen Karriere hält, hängt von vielen Faktoren ab, die man gar nicht so präzise definieren kann.Haben Sie an eine politische Karriere geglaubt? Als ich 1961 der Partei beitrat, dachte ich nicht daran, in all diese Funktionen zu kommen. Die Partei war ja damals klein und nur wenige konnten eine Karriere machen. Für meinen Beitrtitt zur FPÖ waren verschieden Gründe maßgeblich: Das Eintreten der Partei für mehr Demokratie, der Einsatz gegen die Auswüchse der damaligen schwarz-roten Koalition, der Kampf um mehr Freiheit und die nationale Komponente der FPÖ. Wichtig waren auch die Persönlichkeiten die damals in der Partei in Wien an der Spitze standen, wie Dr. Broesigke, Dr. Gredler oder Dr. Hirnschall. Letzterer hat mich auch für die FPÖ geworben.Kann man sagen, daß Sie die FPÖ in ihrer jetzigen Form mit aufgebaut haben? Nein, denn dazu bin ich zu spät eingetreten, da die Partei ja 1955/56 gegründet wurde. Aber in einigen Bereichen habe ich selbstverständlich Akzente setzen können, vor allem im kommunalpolitischen Programm für Wien. 1989 konnte ich auch die ausländerpolitische Linie der FPÖ wesentlich mit gestalten. Wir Freiheitlichen waren von Anfang an der Meinung, daß sich Österreich als ein kleines Land nicht als Einwanderungsland verstehen kann. In den Jahren 1989-94 wanderten rund 250.000 Menschen nach Wien ein und blieben hier. So entstanden große kulturelle, ethnische und soziale Spannungen. Wir sind also genau der entgegengesetzten Meinung aller anderen Parteien. Bis heute erklären alle anderen vier Parteien, daß Österreich ein Einwanderungsland ist.Welche Tätigkeiten waren noch maßgeblich? Vor allem bei der justiz- und sicherheitspolitischen Linie der FPÖ konnte ich ebenfalls inhaltliche Akzente einbringen.Wie wichtig ist Ihnen Anerkennung? Wenn Bürger oft bei Straßenkontakten sagen, daß wir die Einzigen sind, die ihre Meinung vertreten und sie ja nicht im Stich lassen sollen, ist das eine besondere Art der Anerkennung. Unser politisches Wollen wird von vielen Bürgern akzeptiert. Die Bürger sind für uns Gradmesser unserer Politik, weil ja in einer Demokratie Staatswillensbildung von unten nach oben zu erfolgen hat. Deshalb streben wir mit unserer Politik die Koalition mit den Bürgern an.