Zum Erfolg von Josef Schmid
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, möglichst vielen Patienten zur Gesundheit zu verhelfen, bzw. so weit zu helfen, daß sie zumindest ein leichteres Leben führen können. Für einen Arzt ist das Streben nach aktiver Hilfestellung und die daraus resultierende Befriedigung von eminenter Bedeutung. Umgekehrt trifft es mich immer wieder schwer, wenn einer meiner Patienten, welcher mir sein Vertrauen geschenkt hat, stirbt.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich hätte noch erfolgreicher werden können, aber zu der Zeit, als ich am leistungsfähigsten war, mußte ich den Militärdienst leisten und in den Krieg ziehen. Hitler hat meinem Vater das Leben und mir seinerzeit sieben Jahre genommen. Die Einführung der Diagnosestraße, also die Computerdiagnose nach Berechnung von Labor- und Anamnesedaten und klinischer Untersuchung, sehe ich auch nicht als herausragenden Erfolg. Ich wurde dazu in den USA animiert - und auch jeder andere Kollege hätte die Möglichkeit gehabt, diese Diagnosestraße, wie ich sie dann nannte, in Österreich einzuführen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich vertrete die Ansicht, daß hierfür die Gene verantwortlich sind. Jeder Mensch besitzt diese Gene, der eine mehr und der andere weniger. Aber auch die Erziehung und das persönliche Umfeld können diese Veranlagung fördern. Die persönliche Kontaktpflege zu den Patienten und die Schaffung einer Vertrauensbasis sind in meinem Beruf sehr wichtig, um eine intensive gegenseitige Bindung zu den Patienten aufbauen zu können. Der menschliche Faktor steht dabei eindeutig im Mittelpunkt.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung erfuhr ich mein Leben lang durch Patienten, die in großer Zahl zu mir kamen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine erste Ehe hat zu Beginn meiner Karriere sehr darunter gelitten, daß ich mich auch wissenschaftlich im Bereich der Computermedizin betätigte. Nach dem Tod meines Sohnes, der ebenfalls Internist war und mit 42 Jahren an Krebs starb, reduzierte ich mein Arbeitspensum. Mein Interesse galt immer der Computermedizin, und ich hatte den Ehrgeiz, in der ganzen Welt bekannt zu werden. Dies war im nachhinein betrachtet der falsche Weg, denn mit zunehmendem Alter merkte ich, daß Kinder im Leben das Wichtigste sind.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ein junger Arzt soll sich die Frage stellen, ob Familie oder Karriere für ihn wichtiger ist, denn wenn er im Beruf Karriere machen möchte, sollte er in jungen Jahren auf Familie verzichten. Darüber hinaus ist Arzt zu sein kein Beruf, sondern eine Berufung. Für jene jungen Kollegen, die sich für Computermedizin interessieren, gibt es riesige Chancen. Dies setzt allerdings voraus, daß der Kollege fast kein Privatleben führen darf, denn dafür gibt es so gut wie keine Zeit, wenn man in diesem Metier weiterkommen möchte.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich bin jetzt 88 Jahre alt und möchte, wenn auch in reduzierter Form, noch zwei Jahre weiterarbeiten. Derzeit beschäftige ich mich sehr intensiv mit medizinischer Literatur. Um mich fit zu halten, gehe ich regelmäßig schwimmen.
Ihr Lebensmotto?
Mens sana in corpore sano - ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper.