Zum Erfolg von Gerd Eichberger
Was ist für Sie Erfolg? Erfolg ist, wenn man seinen inneren Frieden im Leben gefunden hat und in der Gesellschaft eine Position erreicht hat, die einem ein gewisses Ansehen bietet. Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Sicher ist Erfolg ein genetisches Kriterium. Ich bin mit einer hohen Basisintelligenz geboren worden. Für mich boten die zerbombten Straßen Wiens Herausforderungen und ich erkannte, daß ich viele Aufgaben wesentlich schneller lösen konnte als meine Freunde. Ich konnte schon mit vier Jahren schreiben und lesen. Ich habe mich nie vor irgend jemanden gefürchtet und es ist mir trotz großen Widerstand meines vorherigen Chefs gelungen Primar und Direktor zu werden. Ein Geheimnis meines Erfolges ist sicher auch mein Mut mich gegen etablierte Meinungen zu wehren, wenn ich von meinen inneren Wahrheiten überzeugt bin. So bin ich als Jugendlicher wegen meiner inneren Überzeugung der Unsinnigkeiten, dessen, was die katholische Kirche verbreitete aus der Kirche ausgetreten. Ich besitze auch einen hohen Anteil an Basisaggresivität, mit der man auch besser überlebt. Bei aller Härte die das Management verlangt, bin ich ein sehr mitfühlender Mensch und aus Berufung Arzt. Ich leiste mir den Luxus daneben in Einzelbereichen Arzt zu sein und behandle als Psychotherapeut manche Patienten schon seit vielen Jahren in Robin Hood Mentalität unentgeltlich. Es ist sehr wichtig in verschiedenen Rollen überspringend tätig sein zu können. Man muß sich der verschiedenen Rollen, die man ausübt oder spielt, bewußt sein. Die Fähigkeit haben, in einer gewissen Situation zurückzutreten und sich und sich zu fragen, was man eigentlich macht, sich auf eine reflektierende Meta-Ebene zu begeben, wie es in der klassischen Therpaiesprache heißt. Dieser therapeutische Ansatz ist auch eine gewisse Lebenshaltung und hilft einem die Welt ertragbarer zu machen, indem man sie versteht. Ich hatte nie Schwierigkeiten mit Gewalt und Aggressivität.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Wenn ich zu mir fair bin, betrachte ich mich natürlich schon erfolgreich, weil es nicht jedem Gugginger Arzt gelingt, ärztlicher Direktor zu werden. Ich bin mit mir trotzdem unzufrieden, weil mir nicht alles gelingt. Im Schnitt werde ich sagen dürfen, daß ich passabel erfolgreich bin.Ist Anerkennung für Sie wichtig? Glaube ich schon, die Anerkennung von wesentlichen Bezugspersonen ist wichtig. Wenn ich etwas tue, was einen Wert darstellt, dann ruht auch diese Anerkennung in mir, weil ich mir sicher bin, daß ich etwas richtiges getan habe.Spielt die Familie eine Rolle? Ich hatte eine sehr gescheite aber widersprüchliche Mutter und eine sehr bodennahe und erdige Großmutter, die mir durch ihre Naturverbundenheit sehr geholfen hat. Meine erste Ehe wurde geschieden, weil wir uns anders entwickelten. Jetzt habe ich eine Partnerin, die einen sehr guten Hintergrund bildet.Wie gehen Sie mit Schwierigkeiten um? Mit Nachdenklichkeit und der reflektierenden Meta-Ebene.Woraus schöpfen Sie Kraft? Ich tanke beim Hochgebirgsklettern auf und bin überzeugt, daß in einem gesunden Körper ein gesunder Geist haust.
Haben Sie Vorbilder?
Als Jugendlicher hat mich Jean Paul Satre ungemein angesprochen und er hatte eine gewisse Vorbildwirkung. Als ich Mathematik und Physik studierte, hatte ich leider keine geringeren als Albert Einstein und Heisenberg als Vorbilder. Als praktischer Arzt wollte ich eigentlich nur ein guter Arzt sein. In der psychotherapeutischen Ausbildung war es Strotzka, der eine so gescheite und liebenswerte Art hatte. Seine Kombination von sozialer Psychiatrie und einer psychotherapeutischen Grundhaltung in seiner humorvollen und toleranten Art wollte ich für mich auch verwirklichen.
Ihr Erfolgsrezept?
Ehrlichkeit zu sich selbst, Fähigkeit einer reflektierenden Betrachtung seiner Selbst, ein waches Interesse an der Welt und das Engagement diese Welt zu ändern, denn man kann nie mit der Welt die man vorfindet zufrieden sein.Welchen Ratschlag würden Sie gern weitergeben? Sich gelegentlich in die Nachdenklichkeit zurückzuziehen und über den Sinn des Ganzen nachzudenken. Kinder so zu erziehen, daß sie ihre Welt angstfrei sehen, dann kommen Menschen heraus, die mit wachem Interesse neugierig die Welt beobachten. Diese Eigenschaft ist sehr wichtig, denn wenn ich nicht die Fähigkeit besitze, Dinge anzusehen, sie in Frage zu stellen, spielend mit ihnen umzugehen, wie soll ich sie ändern können. Andererseits, wenn ich verwöhnt und mir keine Grenzen gesetzt werden, wo soll ich lernen, daß die Welt Ecken hat. Man sollte sich schon als junger Menschen mit dem eigenen Tod auseinandersetzten und nicht so tun als sei man unsterblich.