Zum Erfolg von Gerhard Bink
Was bedeutet für Sie Erfolg? Es ist sicherlich eine Kombination aus beruflichem und persönlichem. Erfolg auf dem Gebiet, auf dem ich tätig bin, ist nicht das, was man sich vielleicht erwartet -, nämlich ständig Freisprüche zu bekommen - das geht nicht. Erfolg ist hier die durchaus vorhandene Allmacht des Staatsapparates in seine Schranken zu weisen. Der Staatsapparat ist sehr mächtig, die Staatsanwaltschaft hat gewaltige Mittel in der Hand. Eingriffe der Staatsanwaltschaft gegen Privatpersonen können deren Ende sein - deren berufliches, wirtschaftliches und auch persönliches Image-Ende. Da regulierend einzugreifen, die zu bremsen, ist schon einmal ein Teil des beruflichen Erfolges. Dem Mandanten dabei zu helfen, daß er nicht einfach unter die Räder kommt - was ganz schnell gehen kann. Oder ihn zum Beispiel wieder aus der Untersuchungshaft herauszubekommen; das ist ein wesentlicher Teil der Arbeit. Dann natürlich das Ergebnis insgesamt in einem Rahmen zu halten, in dem es für den Mandanten noch erträglich ist. Die andere Seite des Erfolges ist selbstverständlich auch die wirtschaftliche Seite. Je sorgenfreier sie sich in finanzieller Hinsicht bewegen können, desto besser sind sie auch in ihrem Beruf, und zwar in jedem Beruf. Denn wenn man ständig von finanziellen Sorgen geplagt wird, wird man den Kopf nicht frei haben für das was man tut. Natürlich ist klar, daß das in jedem freien Beruf ein Auf und Ab ist. Aber wenn jemand in meinem Beruf etwas werden will, dann muß er es innerhalb von fünf bis acht Jahren geschafft haben, finanziell auf solchen Füßen zu stehen, daß er nicht ständig damit den Kopf voll hat.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Was den persönlichen Erfolg sicher ausmacht, ist das Abwägenkönnen. Auf der einen Seite hart auftreten wo es sein muß, auf der anderen Seite aber auch nachgeben, wo es sein muß. Es hat gerade in dem Bereich, in dem ich arbeite sehr viel mit Diplomatie zu tun. Ich würde sagen, 70 Prozent meiner Fälle sind entschieden, bevor sie vor Gericht kommen. Das liegt daran, daß man Deals aushandelt. Das ist bei großen Strafsachen gang und gäbe und übrigens auch nichts Anrüchiges. Bevor es zu einer Hauptverhandlung kommt, wird mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht über den möglichen Ausgang eines solchen Verfahrens gesprochen - zum Teil auch sehr ausführlich. Weil man sonst bei einem großen Verfahren unter Umständen 30, 40, 50 oder noch mehr Verhandlungstage bräuchte. Das wäre eine große Belastung für alle Beteiligten und bringt meistens ein schlechteres Ergebnis, als wenn ich im Vorfeld dafür sorge, daß die Dinge anders laufen. Für solche Gespräche muß man natürlich sehr gut informiert sein. Das hat sehr viel mit Fleiß zu tun. Man muß sich ständig fortbilden hinsichtlich der Rechtssprechung, um zu wissen was es Neues gibt. Man muß die Akten genau kennen, gelesen haben, um mit einem großen Wissen über den Fall in solche Gespräche zu gehen. Dort muß man versuchen, das Optimale für den Mandanten herauszuholen. Das hat etwas mit Kommunikationsfähigkeit und Menschenkenntnis zu tun. Man braucht viel Menschenkenntnis, Fingerspitzengefühl und große Vermittlungsfähigkeit. Man muß nach allen Seiten vermitteln können und wissen worum es geht. Sowohl dem Mandanten gegenüber als auch dem Staatsanwalt und Richter gegenüber. Man muß kreativ und in jeder Hinsicht auf dem laufenden sein. Gut informiert zu sein spielt eine große Rolle. Man muß in diesem Beruf hohe Konzentrationsfähigkeit besitzen und außerdem muß man in der Lage sein, sein Wissen und Können auch verbal vor Gericht herüberzubringen. Der Staatsanwalt und der Richter müssen einem zuhören.Wie gehen Sie mit Rückschlägen um? Man muß lernen, Niederlagen wegzustecken. Wenn man selbst von etwas wirklich überzeugt ist -, zum Beispiel von der Unschuld eines Mandanten, und man kann dann seine Überzeugung nicht durchsetzen - weil der Mandant trotzdem verurteilt wird, ist das eine fürchterliche Niederlage, die einen nicht nur ärgert, sondern auch an der Substanz zehrt. Man erlebt das immer wieder, aber man muß damit fertig werden, um seinen Beruf weiter ausüben zu können. Natürlich tun solche Niederlagen weh. Wem es allerdings nicht mehr weh tut, der sollte den Job aufgeben, denn dann ist es der reine Broterwerb. Es fehlt ihm das Feuer dahinter, zu sagen, das kämpfe ich durch. Der Beruf ist sehr stressig.Was gibt Ihnen Kraft? Meine Familie, meine Kinder - eine wirklich sehr gut funktionierende Familie. Ich schöpfe auch sehr viel Kraft daraus, daß ich, wann immer ich kann, Urlaub mache. Oft sind es nur Kurz-Urlaube, aber da kann ich dann vollkommen abschalten.Welche Rolle spielt die Familie für den Erfolg? Für mich persönlich spielt die Familie eine sehr große Rolle, weil sie mir die nötige Ruhe und das nötige Abschalten von der Kanzlei verschafft. Meine Kinder verstehen von dem, was ich tue, gar nichts, sodaß ich gar keine Möglichkeit habe, zu Hause das forzusetzen was ich hier mache. Ich muß zu Hause völlig abschalten und mich den Problemen widmen, die die Kinder haben und die völlig anderer Natur sind. Oder denen, die meine Frau hat. Für mich persönlich ist es wichtig, daß ich daheim über berufliche Dinge so gut wie nie spreche, es sei denn, ich habe mich wahnsinnig aufgeregt. Darüber spreche ich selbstverständlich mit meiner Frau, die mich dann wieder aufbaut. Das ist für mich persönlich sehr wichtig.Was sind
Ihre Ziele?
Ich habe eigentlich erreicht, was ich wollte und möchte, natürlich das Erreichte halten. Das was ich tue, mache ich sehr gerne. Ich möchte einfach den erreichten Status halten und mich dann vielleicht mit 60 Jahren nach Italien zurückziehen, Kinderbücher schreiben und Bilder malen; das würde ich gerne. Ob mir das allerdings gelingt, weiß ich nicht. Denn ich brauche den Erfolg, das Feedback, das Erfolgserlebnis, die Bestätigung, etwas geschafft zu haben.Haben Sie einen Ratschlag für den Erfolg? Man braucht in meinem Beruf großen Fleiß und muß im Leben stehen. Wichtig sind Menschenkenntnis und wirtschaftliches Verständnis. Es nützt einem nichts, ein guter Rechtsanwalt zu sein, wenn man nicht weiß, wie eine Kanzlei funktioniert. Außerdem - so glaube ich - spielt es für den Erfolg eine Rolle, mit welchen Leuten man sich umgibt, in welchem Umfeld man sitzt, mit wem man täglich zusammenarbeitet. Wenn man gute Leute um sich hat, will man mithalten, schlechte Leute ziehen einen hinunter. Ferner braucht man für den Erfolg auch Durchsetzungsvermögen, ein gewisses Auftreten und Persönlichkeit.