Zur Karriere von Gunther Placheta
Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Lernen war für mich eine Selbstverständlichkeit, da ich wußte, daß ich für mich selbst lerne und durch das Anhäufen von Wissen Vorteile haben würde. Matura 1937, Medizinstudium (Promotion 1944), in den letzten Semestern inskribierte ich auch Psychologie (Grenzdisziplinen). Sieben gültige Semester Philosophie, Psychologie, Anthropologie, Theaterwissenschaften (Professor Kindermann). Während des Krieges Ausbildung in innerer Medizin, Schwerpunkt Kardiologie (bei Professor Karl Fellinger), parallel dazu Studium am Rainhard-Seminar (1942-43). 1932 Beginn der Laufbahn als Schwimmsportler, 1935 Österreichischer Rekord über 100 m Brust, Mitglied der Nationalmannschaft, 1937 mehrere Rekorde in 100 m Brust, Europabester, Erster in der Europa-Jahresliste, 1939 neuer Österreichischer Rekord, Zweiter der Weltrangliste. 1957 verschiedene Rennfahrer-Kurse. Ab 1960 GT-Rennfahrer, Werksfahrer bei Mercedes, bis 1963 Staatsmeisterschaften auf Ferrari, vierfacher Sieger im Großen Preis von Österreich. Bereits während des Krieges war ich als Mediziner in Rußland, 1943/1944 Stationsarzt in der Abteilung innere Medizin, Herzambulanz am Krankenhaus Rudolfsstiftung, kam bei Kriegsende in US-Gefangenschaft, hatte als Nicht-Parteimitglied bei den Amerikanern gute Karten und bekam 1945 eine ärztliche Landpraxis als Distriktsarzt in Eberstallzell/Oberösterreich zugewiesen. 1946 bis 1949 war ich Stationsarzt an der Neurologisch-Psychiatrischen Universitätsklinik Wien, ehe ich den Arztberuf (wie ich damals meinte, vorübergehend) aufgab. Schon während des Studiums war ich Solo-Entertainer, Conférencier und Parodist, war ab 1946 als Kabarett-Autor und Interpret für den Sender Rot-Weiß-Rot (104 halbstündige Unterhaltungssendungen), als Conférencier beim Sender RAWAG und Moderator einer Jazz-Konzert-Serie der Austrophon im Großen Konzerthaussaal tätig. In dieser Zeit schrieb ich vier Revuen für die Revue-Bühne Casanova, bei denen ich als komischer Hauptdarsteller agierte. Meine erste Filmrolle hatte ich im Märchen vom Glück als Partner von O.W. Fischer, Hans Holt und Nadja Tiller. Meine Filmkarriere begann so richtig 1949 mit der Hauptrolle im Antel-Film Kleiner Schwindel am Wolfgangsee, für den ich auch das Drehbuch schrieb. Anschließend gab ich den Arzt-Beruf auf, übersiedelte 1950 nach München, war Kabarettist in der Österreichischen Gruppe Die kleinen Vier und widmete mich meiner Karriere als Drehbuchautor und Filmdarsteller. Bis heute schrieb ich 21 Film-Drehbücher (darunter die ganze Serie der Kaiserfilme und Tantenfilme) und wirkte bis 1965 an über 130 Filmen als Hauptdarsteller mit, wo ich 16mal Partner von Peter Alexander war. Nach 1965 bis 1970 verlagerte ich mich als Schauspieler auf das Boulevardtheater, wirkte in weiteren 17 Filmen als Hauptdarsteller mit und gab Bühnen-Gastspiele im gesamten deutschsprachigen Raum. Ab 1970 moderierte ich vier Jahre lang die monatliche ORF-Sendung Motorama und war bis 1974 Motor-Journalist und Feuilletonist der Kronenzeitung. 1983 schrieb ich mein erstes Boulevardstück Wer mit Wem (das bereits weit über 1000 mal aufgeführt wurde), 1988 das zweite Damenroulette, und 1998 Da wird Daddy staunen. Weiters moderierte ich zahlreiche Shows und wirkte in verschiedenen TV-Produktionen und Serien mit, darunter Forsthaus Falkenau. Es kommt darauf an, daß man Leistung bringt und die Erwartungen erfüllt. Das Dasein eines Schauspielers wird langlebiger, wenn er keine Liebhaber-Rollen spielt, da diese zeitlich begrenzt sind. An schönen Menschen sieht man sich schnell satt. Ich war als Autor immer gut zu mir und schrieb mir die Rollen so auf den Leib, daß ich in der Liebe stets der Verlierer war. Dadurch wurde ich von den männlichen Zusehern nie als Rivale gesehen und bekam durch die Schadenfreude auch mehr Fans von der männlichen Seite. Das Drehbuchschreiben war für mich Lernprozeß, bei dem ich merkte, daß man in der Durchsetzung seiner kreativen Ideen sehr beharrlich sein muß. Ich bin solange kompromißlos, bis man mich aufgrund eines logischen Denkvorganges von einer Alternative überzeugt. Damit zog ich mir das Attribut, schwierig zu sein, zu. Manchmal ließ ich auch Geschäfte an einer Lappalie scheitern, wie zum Beispiel an fünf Schilling bei Gagenverhandlungen oder an einem falschen Wort beim Casanova. Das war aber letztlich gut so, weil ich damit für den Film frei wurde.