Zum Erfolg von Werner Fasslabend
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Dazu gibt es keine allgemein gültige Definition, sie änderte sich auch im Laufe meines Lebens. Ich verstehe darunter die größtmögliche Übereinstimmung von realisierten Positionen, seinen Zielen und dem sich daraus ergebenden Glücksgefühl.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Im Beruf führt kein bestimmtes Modell zum Erfolg, sowohl der autoritäre als auch der teamorientierte Typ kann erfolgreich sein. Die wichtigsten Voraussetzungen sind - neben der Fähigkeit zur Problemlösung - Zielstrebigkeit , Hartnäckigkeit und die Fähigkeit, sich von Rückschlägen nicht beirren zu lassen. Überdurchschnittlich oft spielt auch Sympathie eine große Rolle, um ein positives menschliches Verhältnis herstellen zu können. Wesentlich war sicherlich auch mein besonderes Vermögen im analytischen Bereich; speziell in der Politik, wo man es häufig mit sehr komplexen, sachlichen und personellen Konstellationen zu tun hat. Es ist entscheidend, die wichtigsten Prioritäten schnell zu erkennen und daraus resultierende klare Konzepte zu erstellen, die man auch hartnäckig verfolgt und umsetzt. In der Politik sind auch Kommunikationsfähigkeit und die Sympathiedimension wesentliche Faktoren des Erfolges.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Ich habe mich schon seit meiner frühesten Jugend mit Politik beschäftigt, und es war mir klar, daß ich Politiker werden würde.Wann und wie erkannten Sie Ihre Fähigkeiten? Durch die Summe meiner Interessen. Mein Onkel nahm sich die Zeit, sich mit mir über politische Vorgänge, z.B. Wahlen, zu unterhalten und weckte so mein Interesse.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Es gab keine Einzelentscheidung, ich gehe aber davon aus, daß man nur dort leistungsfähig ist, wo ein relativ großes Interesse gegeben ist.Was ist für Erfolg hinderlich? Fehlende Einsatzbereitschaft, nicht an Problemen dranzubleiben und unklare Zieldefinition.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die Art der Anerkennung verändert sich. Je höher aber die Funktion ist, umso mehr muß man sich Anerkennung aus Indizien holen. Dabei ist auch die Frage des richtigen Filters, welche Anerkennung echt ist, wichtig.Was bedeuten für Sie Niederlagen? Unter Niederlage verstehe ich die Nicht-Zielerreichung gegen den eigenen Willen in einem als wesentlich erkannten Bereich. Alles andere sind Fehler oder falsche Arbeitsschritte. Eine Niederlage beinhaltet auch immer einen starken emotionellen Teil und wird von einem negativen Gefühl begleitet.
Wie gehen Sie damit um?
Der erste Schritt zur Bewältigung einer Niederlage ist die Ursachenfeststellung bzw. Analyse, ob das Ziel auf Dauer unerreichbar ist, oder ob es nur eine temporäre Phase ist. Daraus muß man die entsprechenden Konsequenzen ableiten. Das reicht vom Versuch, das Ziel mit anderen Mitteln zu erreichen, eine zeitliche Verschiebung der Zielerreichung über die Abänderung des Zieles bis hin zur Aufgabe des Zieles und dem Setzen eines neuen Zieles.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Die Tatsache, daß ich zehn Jahre lang Minister sowie dritter Nationalratspräsident war, wird von den meisten als erfolgreiche Karriere angesehen.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld für Ihren Erfolg? Sicher hat das Umfeld Einfluß, aber gerade die Fähigkeit zu erhöhter Selbstmotivation führt zum Erfolg. Ich bezweifle, daß nur Fremdmotivation (durch Eltern, Partner, etc.) für den Erfolg ausreichend ist.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Anhand des bisherigen Lebenslaufes und eines Hearings versuche ich mir ein möglichst umfassendes Bild der Vorstellungen und Identifikation mit der Position zu machen und Einblick in die Persönlichkeit des Bewerbers zu bekommen. Neben den menschlichen Fähigkeiten lege ich Wert auf die Fähigkeit, Probleme zu lösen und auf Unvorhergesehenes richtig zu reagieren.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wesentlich ist es, Mitarbeitern die Bedeutung der Aufgabe zu vermitteln und ihnen Feedback zu geben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich habe sowohl im politischen als auch im privaten Bereich Lebensziele sowie Ziele in den einzelnen Funktionen und Lebensabschnitten. Mein allgemeines Ziel ist es, einen wesentlichen Beitrag im Vorbereiten der Gesellschaft auf die Zukunft zu leisten und somit humanen Fortschritt zu ermöglichen. Darunter subsumieren sich ganz konkrete Ziele bis hin zu einzelnen sozialpolitischen Maßnahmen, z.B. die neue Abfertigungsregelung und ein neuer Einstieg in die Pensionsvorsorge. Das sind die wesentlichsten Standbeine des Arbeitslebens und der Zeit danach.Eine
Anmerkung zum Erfolg?
Es gibt nicht nur Ziele, sondern auch Vorsätze zum eigenen Verhalten. Diese halte ich zum Aufrechterhalten der Persönlichkeit für ebenso wichtig. So hatte ich mir bei der Ernennung zum Minister vorgenommen, mich durch die verstärkte Öffentlichkeit nicht verändern zu lassen. Da man mir bescheinigt, daß ich mich im Wesen nicht verändert habe, scheint mir das auch gelungen zu sein. Weitere Vorsätze waren, mich nicht korrumpieren zu lassen (auch in kleinen Dingen war ich hier nie anfällig) und der gefälligen Selbstbetrachtung bewußt auszuweichen. Ich halte auch eminente persönliche Disziplin für wesentlich. Ohne Disziplin kann man nur durch Zufall erfolgreich werden.