Zum Erfolg von Manfred Jahn
Was bedeutet für Sie Erfolg? Sich berufliche oder private Ziele zu setzen und diese zu erreichen. Ziele können qualitativer oder quantitativer Natur sein und von Anerkennung über Sozialkontakte bis zur Umsatzsteigerung reichen. Ich wollte bis 30 in eine übergeordnete Führungsposition aufsteigen, Mitarbeiter führen und in allen Bereichen eines Unternehmens tätig gewesen sein. Mit 30 Jahren setzte ich mir schließlich die Selbständigkeit als Ziel.Was war für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Ich bin ein visionärer Mensch, der nach vorne blickt und Szenarien der Vergangenheit in die Zukunft transferieren kann. Durch mein analytisches Vorgehen und situatives Handeln kann ich Prozesse rasch in eine andere Richtung lenken. Da ich selbst hochmotiviert bin, kann mit meinen Mitarbeitern gut umgehen. Auch gehe ich gerne Risken ein: ich brauche den Thrill, etwas von Null weg aufzubauen. Da ich gerne Verantwortung übernehme, ist mein Beruf kein Muß sondern Hobby. Durch mein Selbstvertrauen lasse ich mich von Niederlagen nicht unterkriegen. Bildung spielte in meiner Karriere eine wichtige Rolle, weil ich sie in der Praxis richtig einsetzen konnte und nicht in der Theorie steckenblieb.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja. Ich konnte meine beruflichen und privaten Ziele erreichen und werde auch von meinem Umfeld als erfolgreich wahrgenommen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Wesentlich war der Wechsel zu Ericsson/Schrack. Bei Aral hätte ich Marketingleiter werden können, nahm aber lieber den Job bei Schrackl an, da es mein Ziel war, in den Handy-Bereich zu wechseln. Dieses Ziel erreichte ich binnen eines Jahres.Wieviel Zeit nehmen Sie sich für Entscheidungen? Im Tagesgeschäft entscheide ich innerhalb einer Woche, für elementare Entscheidungen lasse ich mir bis zu einem Monat Zeit. Wie erkennen Sie Chancen? Ich betreibe intensive Markt- und Gesellschaftsforschung, lese täglich zehn Zeitungen und versuche stets, Chancen zu ergreifen. Ein Handy herzustellen trauen sich ja nur einige, ich analysiere sehr genau, welche Chancen sich am internationalen Markt eröffnen. Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein? Ich würde beides in Betracht ziehen. Es muß nicht immer reine Originalität sein, man kann auch Bestehendes analysieren und neue Ideen einbringen, durch die ein Produkt besser wird. In meiner Branche zählt die first mover advantage: Unser erstes Handy ist ein GPRS-Handy mit doppelter Datenübertragungsgeschwindigkeit als andere, unser MP3-Player hat erstmals kabellose Kopfhörer. Bei diesen Geräten zählt heute immer mehr das Design und weniger die Technik, auf die es ohnehin keine Patente gibt.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Fortbildung?
Je höher die Position um so weniger Zeit bleibt für Fortbildung. Als Frühaufsteher lese ich bereits ab fünf Uhr früh Zeitungen um mich zu informieren; ich schätze, daß ich in den letzten Jahren durchschnittlich fünf bis sechs Wochen pro Jahr in Weiterbildung (Seminare, Fachliteratur) investiert habe.Was ist für Erfolg hinderlich? Sich keine eigene Meinung zu bilden, einfach nur mitzuschwimmen, fehlende Eigenständigkeit und sich nicht trauen, Entscheidungen zu treffen. All das läuft auf Selbstvertrauen hinaus. Man muß auch Feinde haben können, kritisieren können sowie Kritik akzeptieren.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld für Ihren Erfolg? Das private Umfeld spielt ab der Geburt eine wichtige Rolle, es ist das Netz der Sicherheit und die Basis für das spätere Selbstvertrauen. Wichtig sind auch Freunde, mit denen man Erfolg teilen kann. Im beruflichen Umfeld ist es wichtig, Anerkennung und Bestätigung seines Erfolges zu finden und Aufstiegschancen zu bekommen. Von Mitarbeitern muß man auch dann anerkannt werden, wenn man kritisiert. Ganz wichtig finde ich es auch, sich schon in jungen Jahren ein Netzwerk von Förderern aufzubauen, Lobbying und persönliche PR zu betreiben.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich lege bei meinen Mitarbeitern mehr Wert auf den bisherigen Werdegang als auf die Ausbildung. Wesentlich ist der emotionelle Funke, der bei manchen Menschen sofort überspringt.Wie motivieren Sie Mitarbeiter? Die meiste Motivation ergibt sich durch das Übertragen von Verantwortung.Was bedeuten für Sie Niederlagen? Im Zuge einer Niederlage darf man das Endziel nicht aus den Augen verlieren, sonst hat man wirklich verloren. Niederlagen bedeuten für mich auch Chancen. Ein Ziel sollte immer klar definiert werden, der Weg dorthin sollte aber offen sein, man muß flexibel in der Zielerreichung sein um Niederlagen zu vermeiden.Woraus schöpfen Sie Kraft? Ich kann gut abschalten, weil ich Beruf und Privatleben strikt trenne. Meine Kraft schöpfe ich vor allem aus meinem familiären Umfeld und aus meinen sportlichen Aktivitäten.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel besteht darin, Tel.Me in den nächsten beiden Jahren in die Gewinnzone zu führen und den Betrieb mittelfristig zu einem gesunden, selbständigen Unternehmen auszubauen, das auch ohne mich funktioniert.
Haben Sie Vorbilder?
Dieter Mateschitz (Red Bull) und Frank Stronach.