Zum Erfolg von Barbara Hammerschmid-Kovar
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, gemeinsam mit den Mitarbeitern dieselben Ziele zu verfolgen. Ich arbeite und führe nach der 3 H-Methode, also mit Hirn, Herz und Humor. Besonders im Tourismus muß man vieles mit Humor sehen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich habe meine Visionen, die ich umsetze und an meine Mitarbeiter weitergebe. Wenn ich sehe, daß auch die Mitarbeiter ihre Ziele verfolgen und wir somit das Gesamtziel erreichen, sehe ich dies als Erfolg. Der Tourismus ist eine Dienstleistung, die gelebt werden muß.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Meine Auslandserfahrung war sehr wichtig, um in dieser Branche erfolgreich tätig zu sein. Ich bin immer offen für neue Herausforderungen und zeichne mich durch hohe Flexibilität aus. Im Laufe der Jahre habe ich mir auch die für den Beruf nötige Menschenkenntnis angeeignet, um auf mein Gegenüber eingehen und Situationen richtig einschätzen zu können.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Wenn zum Beispiel Umbauten anstehen, sind die geordneten Dienstabläufe trotzdem einzuhalten, da muß man ganz einfach Optimismus ausstrahlen. Speziell bei Neueröffnungen gibt es viele Hürden und Herausforderungen, vor allem im technischen Bereich. Da muß man sehr flexibel, sehr kreativ und spontan sein.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Ich denke nicht, daß es für eine Frau in der Branche schwieriger ist. Als Frau kann man vielleicht sogar sensibler auf den Gast eingehen, und Frauen haben auch eher ein Auge für Details. In den letzten Jahren konnte man feststellen, daß immer mehr und mehr Frauen die Leitung von Hotels übernommen haben.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich dachte weniger an meine Karriere, sondern verfolgte mein Ziel, das zu tun, was ich gerne mache. Ich konnte die Stufen der Karriereleiter sehr rasch erklimmen und steckte mir immer weitere Ziele, ohne mich selbst unter Erfolgszwang zu stellen. So gesehen empfand ich mich immer schon als erfolgreich.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich habe im Privatleben eine sehr gute Entscheidung getroffen, die mir genauso wichtig ist wie meine Entscheidungen, die meinen beruflichen Werdegang betreffen. Sehr wichtig ist natürlich auch die Entscheidungsfindung bei der Auswahl der Mitarbeiter, die zum Unternehmen passen müssen.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Imitation sollte nicht unterschätzt werden, aber jedes Unternehmen, das einen echten Erfolgsweg beschreitet, sollte sich auf Originalität verlassen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein ehemaliger Chef, Hans Fritz, der General Manager des Hilton Orly (Paris), der mich seinerzeit aus London ins Hilton Vienna Plaza holte, prägte mich am meisten. Er half mir, das Auge für Details zu entwickeln, und lehrte mich, die Serviceleistung am Gast an oberster Stelle zu positionieren.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung findet man am meisten bei den Kunden sowie Mitarbeitern und auch durch die Ergebnisse, insbesondere wenn man die Vorgaben übertrifft, selbst merkt, daß der eingeschlagene Weg der richtige ist, und seinen Prinzipien treu bleibt. Die Loyalität und Zufriedenheit der Mitarbeiter ist auch Anerkennung und Ansporn für die Zukunft.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
In dieser Branche werden Fachleute benötigt; es ist jedoch sehr schwierig, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Es mangelt vor allem an der zweiten Ebene, Restaurantleitern und Mitarbeitern im Servicebereich. Vor allem weibliche Mitarbeiter wandern stark in Branchen mit geregelter Arbeitszeit ab.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Die Hauptrolle. In jedem Fall sind loyale Mitarbeiter und die Qualität ihrer Arbeit das Um und Auf der wirtschaftlichen Basis eines Spitzenhauses im Hotelgewerbe. Ich halte auch Vorträge über Fragen in der Hotellerie und sehe mit Bedauern, daß die fertig ausgebildeten Hotelfachschüler sehr oft die Branche schon nach dem Abschluß wechseln. Daran sieht man, daß noch viel zu tun ist, um das Image des gesamten Gewerbes aus der Sicht der Bediensteten zu verbessern. Wir bieten ehrgeizigen und talentierten Menschen hervorragende Karrierechancen, besonders Absolventen der Hotelfachschulen und auch Angestellten in der Administration.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Der erste Eindruck zählt! Ein ausgezeichnetes Zeugnis ist für mich nicht entscheidend. Neben der fachlichen Kompetenz muß der Bewerber auch in das bestehende Team passen und die soziale Kompetenz ist ein ganz wichtiger Faktor.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich führe einen sehr offenen Managementstil gegenüber meinen Mitarbeitern und lege meine Ziele und Erwartungen von Beginn an klar fest. Wichtig ist, daß die Mitarbeiter verstehen, daß man nur gemeinsam erfolgreich sein kann. Motivation heißt für mich herausfordern und fördern, aber nicht nur durch finanzielle Anreize. Viel wesentlicher ist es, daß jeder Mitarbeiter seine Funktion gerne ausübt und sich mit dieser und mit dem Unternehmen identifiziert. Ich gebe meinen Mitarbeitern die Möglichkeit, sich einzubringen, sich weiterzubilden und das neu gewonnene Wissen auch umzusetzen. Leadership ist das Zauberwort.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Ich gebe mir Mühe zu zeigen, daß wir ein Team sind. Ich möchte zwar als Chef respektiert werden, nicht aber als jemand, der von oben herab agiert.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Hotelgruppe hat ein einzigartiges Restaurantkonzept entwickelt. Kulinarisches wird geboten im Fleming´s Fine Dining Restaurant mit Grill und Sea-Food-Spezialitäten, sowie in der Fleming´s Brasserie & Winebar mit Klassikern der französischen Küche. Das reichhaltige Angebot an erlesenen Weinen, frischen Feinkostspeisen und erstklassiger Patisserie wird an der Take-Away-Theke ebenso gereicht, wie reichhaltiges Frühstück, leichte schnelle Mittagsgerichte und die qualitativ hochwertigen Black-Angus-Rindersteaks. Auch die gesamte Tischkultur der Fleming´s Brasserie kann für den Glanz der "eigenen vier Wände" erworben werden. Dazu gehören edles Porzellan, stilvolle Gläser, hochwertiges Besteck sowie raffinierte Accessoires und Dekorationsartikel. Im Zimmerbereich stechen in erster Linie die Bäder hervor, welche in die Zimmer integriert sind. Dieses "offene Bad-System", ist ein Teil des Zimmers und wird von unseren Gästen geschätzt.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Das ist ein wichtiges Thema für mich. Ich behaupte, wir müssen unsere Mitbewerber kennen, denn sie haben dieselben Probleme wie wir. Ausschlaggebend ist die Serviceleistung - damit können wir uns von unseren Mitbewerbern abheben.
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Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich liebe mein Privatleben ebenso wie meinen Beruf, und alles, was man liebt, vernachlässigt man auch nicht.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich besuche sehr viele - insbesondere branchenspezifische - Kurse und bilde mich ununterbrochen weiter. Ich interessiere mich für sehr viel und schöpfe auch viel Kraft aus der ständigen Erweiterung meines Wissens.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Als Führungskraft sollte man die Arbeit kennen, welche der Mitarbeiter ausübt. Gute Menschenkenntnis und zielorientiertes Verhalten sollten vorhanden sein. Soziale Kompetenz wird immer wichtiger. Die Kenntnisse der bereits genannten Eigenschaften kann man durch spezielle Fachseminare vertiefen. Führungskräfte sollten den jeweiligen Mitarbeitern eine Ansprechperson darstellen, welche Kompetenz und auch Rückhalt bietet. So gewinnt man das Vertrauen der Mitarbeiter. Speziell in der Hotellerie zählt: Je früher man Erfahrungen sammelt, desto schneller erfolgt die Entwicklung der eigenen Karriere.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Zur Zeit haben wir einen hohen Teil an Privatgästen in unserem Haus. Zukünftig wollen wir auch den Business-Kunden gewinnen. Ich versuche weiterhin das machen zu können, was mir Spaß macht, mit tollen Mitarbeitern das Haus so zu führen, daß wir unseren Gästen in positiver Erinnerung bleiben und somit den Stammkundenanteil erhöhen können.
Ihr Lebensmotto?
Wenn man zurückblickt, muß jeder Tag ein schöner Tag gewesen sein, weil man das machen konnte, was einem Freude bereitet.