Zum Erfolg von Christoph Huber
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg verspürte ich am Tag der Eröffnung, als Albert Mangelsdorff, eine Koryphäe des europäischen Jazz, der an diesem Abend hier gastierte, auf mich zukam und mir zum tollsten Club, den er jemals gesehen hat gratulierte. Erfolg hat für mich überhaupt nicht mit Zahlen und Fakten zu tun, er liegt für mich beispielsweise in einer solchen Aussage einer Zentralfigur des Metiers. Erfolg hat auch mit dem regen Publikumszuspruch zu tun, weil es für mich der Beweis ist, meine Sache richtig zu machen , wenn viele Menschen sich mit dieser Musik auseinandersetzen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich muß unsere Arbeit heute nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, daß wir immer mehr Zuhörer verzeichnen, als erfolgreich bezeichnen. Unsere optimistische Prognose ging von 5.000 Besuchern pro Monat aus - tatsächlich hat die Zahl der Besucher mittlerweile mehr als 30.000 pro Saison erreicht. Ich bin allerdings kein Mensch, der sich mit solchen Erfolgen zufrieden gibt; ich denke, daß sich der Erfolg dieses Hauses erst rückblickend messen lassen wird, etwa im Rahmen des demnächst zu feiernden zehnjährigen Bestehens. Außerdem stecke ich mir immer wieder neue Ziele.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ausschlaggebend für den Erfolg dieses Clubs war die Tatsache, daß wir uns unser Publikum trotz nicht gerade optimaler Voraussetzungen in der Fledermaus erarbeiteten, indem wir Risken eingingen und inhaltlich interessant blieben. Wir schafften es, täglich eine andere Band zu präsentieren, setzten unterschiedliche Projekte um und banden zahlreiche zeitgenössische Künstler in unsere Programm ein, auch wenn sie nicht unbedingt mit Jazz im herkömmlichen Sinn zu tun hatten. Ich glaube, daß es enorm wichtig ist, auch zuzulassen, daß man auf unserer Bühne scheitern darf; hätten wir die Möglichkeit des Scheiterns von vorn herein ausgeschlossen, wären wir nicht in der Lage gewesen, Highlights zu kreieren, weil wir immer nur auf sicherem und altbewährtem Terrain geblieben wären und uns nicht hinaus gewagt hätten. Für diesen Versuch, Grenzen zu überschreiten und Strukturen zu brechen wurden wir von unserem Publikum sehr rasch geschätzt. Einen wesentlichen Beitrag zu unserem Erfolg leistete auch die Einführung der Member Card, die den Besitzer berechtigt, alle Konzerte zu besuchen - und uns ein treues Stammpublikum einbrachte bzw. die Garantie, daß nie weniger als 30 Zuhörer im Publikum sitzen würden, obwohl wir ein Minoritätenprogramm boten. Nicht zuletzt begründet sich der Erfolg dieses Hauses auf unserem Umgang mit den Musikern, die sich hier wohlfühlen und das gegenseitige Vertrauensverhältnis schätzen. Wir müssen kaum Verträge abschließen, weil Vereinbarungen von jeder Seite eingehalten werden.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Mein größtes Erfolgsgefühl hatte ich , als wir das Porgy & Bess in der Riemergasse eröffneten. Wenige Stunden zuvor hatte der letzte Handwerker das Haus verlassen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Sosehr ich die Atmosphäre in der Fledermaus schätzte, wurde mir sehr bald klar, daß dieses Lokal als Veranstaltungsraum zu klein war und nach einer Lösung gesucht werden mußte.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Die österreichische Medienlandschaft hat für Kultur - noch dazu, wenn es nicht um Hochkultur geht - nur den Platz der Rezension übrig, und in Bezug auf Kulturberichterstattung selbst sieht es hierzulande generell recht düster aus. Da kein Feuilleton existiert, fehlt es auch an der Auseinandersetzung mit Musik und Kultur im allgemeinen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Wir haben die Gastronomie ausgelagert und führen den Club als Verein mit freien Mitarbeitern.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ich schätze meine Kollegen in den anderen Jazzclubs sehr und natürlich kennen wir uns alle, da wir gewissermaßen an einem Strang ziehen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich kann mir meine Arbeits- und Freizeit grundsätzlich einteilen, der Abend gehört aber meinen Musikern und den Gästen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein größter Wunsch ist es, daß das Porgy & Bess finanziell hundertprozentig auf eigenen Beinen steht.