Zum Erfolg von Ina Henkel-Graneist
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet natürlich auch Anerkennung. Wenn man eine Leistung bringt, die von anderen bemerkt wird, hat man Erfolg. Wenn ich jedoch zum Beispiel etwas mache, das ich und der Kunde gut finden, dafür aber kein Geld erhalte, bzw. meine Leistung nicht gebührend honoriert sehe, fühle ich mich - trotz hoher Anerkennung - nicht richtig erfolgreich. Anerkennung ist wichtig, aber davon allein kann ich meine Familie nicht ernähren. Es muß also alles zusammenpassen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ausschlaggebend war meine gute Ausbildung. Wir haben noch mit Druckern und Buchbindern zusammen gearbeitet, das war sehr hilfreich. Heutzutage arbeitet man viel mit fertigen Programmen, es wird einem suggeriert, daß das reicht. Ein Kenner sieht jedoch den Unterschied. Dann ist es wichtig, wie man mit Menschen umgeht. Meistens wurden die Kundenbeziehungen zu Freundschaften.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Man sollte das Gefühl des Erfolges immer haben. Es gibt jedoch Zeiten, da ist man nicht so inspiriert. Wenn ich mich neu aufladen muß, besuche ich eine Freundin in Amerika, die erfolgreich ist und Familie hat. In den USA managen die Menschen alles anders, sie zerfließen nicht in Selbstmitleid, dort sieht es anders aus mit der Problembewältigung. Das inspiriert mich und ich komme jeweils voller Tatendrang zurück.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Vater hat auch Design studiert, ich bin also in diese Tätigkeit schon ein bißchen hineingeboren. Nach der Wende ist mein Vater nach Leipzig zurückgekehrt und wir sind nach zwei Jahren nachgekommen. Ich habe mein Wirtschaftsstudium in München abgebrochen und in Leipzig meine Ausbildung gemacht. Das war schon eine Prägung seitens der Familie und der Umstände.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Wir müssen heute flexibel sein und daher sind die Mitarbeiter natürlich sehr wichtig. Ich muß mich auf sie verlassen können, ich kann nicht hinter jedem stehen und jeden Schritt kontrollieren. Grundsätzlich wird in meinem Unternehmen alles im Team umgesetzt.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Bei uns muß jeder eigentlich alles machen, man hat zwar seine besonderen Stärken, aber grundsätzlich erwarte ich Können und die Beherrschung der Computerprogramme. Kreativität ist in diesem Beruf ebenfalls äußerst wichtig. Wir geben als Test zwei Aufgaben zur Auswahl, für die man eine Idee entwickeln soll, wobei wir aber nicht erwarten, daß jemand auf Befehl kreativ ist.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich motiviere vor allem durch ein angenehmes Klima. Mein Mann arbeitet im selben Gebäude, die Kinder sind oft da, es ist also sehr familiär. Wenn jemand etwas auf dem Herzen hat, kann er es mir sagen. Zum Teil entstehen große Probleme auf diese Art und Weise gar nicht erst. Die Arbeit an sich ist auch eine Motivation: wenn man das Endprodukt vor sich liegen hat und sich sagt: das haben wir gemacht, ist man stolz.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Natürlich wäre es manchmal schön, mehr Zeit für die Familie oder Freunde zu haben, aber das geht nicht so einfach. Mir war von Anfang an klar, daß mein Privatleben unter meiner selbständigen Tätigkeit leiden würde. Ich habe geschafft, was ich wollte: Eine Familie und einen kreativen Job zu haben. Mein Mann hilft mir, die beiden Bereiche miteinander zu vereinbaren, wir sind ein gutes Team.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich lese die einschlägigen Fachmagazine, bilde mich aber ansonsten durch die tägliche Arbeit weiter. Natürlich muß man auch für die Mitarbeiter da sein. Wenn es Probleme oder Fragen gibt, da setzt man sich zum Beispiel nach Feierabend noch zusammen und tauscht sich im Internet mit anderen in verschiedenen Foren aus.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Kreativität ist eines der wesentlichsten Kriterien des Erfolges. Man muß Flexibel sein, darf nicht nur in eine Richtung denken, da man nur so seine Chancen erkennen und nutzen kann. Generell ist es wesentlich, immer aufmerksam zu sein.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, noch erfolgreicher zu werden. Durch die Kinder ist für mich aber momentan die Sicht auf Erfolg etwas eingeschränkt, die Familie ist für mich derzeit der Reiz, bis die Kinder etwas größer werden. Danach kann ich mich wieder in neue Projekte stürzen und etwas riskieren. In beruflicher Hinsicht möchte ich mich vermehrt auf Projekte, wie die Zusammenstellung von Magazinen, konzentrieren.
Ihr Lebensmotto?
Die Welt dreht sich weiter und morgen geht die Sonne wieder auf.