Zum Erfolg von Hans Christian Jakesz
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Ob ich erfolgreich bin oder nicht, entscheide ich letzten Endes selbst. Es ist mir daher egal, ob jemand mich für erfolgreich oder nicht erfolgreich hält. Entscheidend für meine Definition des Erfolges ist die Akzeptanz jener Menschen, die mir nahestehen. Erfolg habe ich nur dann, wenn ich ihn nicht auf Kosten anderer erringe. Die Quintessenz des Erfolges ist für mich, mir im stillen sagen zu können, daß ich meine Aufgaben erledigt habe, ruhig schlafen und mich in den Spiegel blicken zu können.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Rückblickend kann ich sagen, daß ich heute sehr wenige Dinge in meinem Leben anders machen würde. Aus diesem Grund und im Sinne meiner Definition sehe ich mich als erfolgreich. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Meine Stärke liegt darin, mich rasch auf verschiedene Situationen einstellen zu können. Ich kann zuhören und bin fähig, mich zu artikulieren. Eines der wesentlichsten Elemente meines Erfolges ist die Tatsache, daß ich Menschen mag und ihnen gegenüber offen bin. Alle meine Tätigkeiten machen mir große Freude, und meine Erfolge motivieren mich immer noch.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich suche im Rahmen der Entscheidungsfindung immer die Teamarbeit, die jedoch schließlich mit meiner Entscheidung endet, weil ich schließlich auch die Verantwortung trage. Wesentlich an der Einbindung in den Entscheidungsfindungsprozeß ist, daß jeder gern bereit ist, eine Entscheidung auch mitzutragen, wenn er am Zustandekommen beteiligt war. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Das österreichische Gesundheitswesen ist immer noch das beste der Welt. Meines Erachtens müssen wir Lösungen für die Zukunft suchen, die wesentlich mehr an Kreativität und Phantasie beinhalten, um diesen gewaltigen Level zu halten. Ich denke daher, daß eine große Portion Originalität bei den wesentlichen Fragen des Gesundheitswesens noch am ehesten geeignet ist, den Österreichern eine tiefe Krise zu ersparen.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Die von den multinationalen Unternehmen angestrebte Öffnung des europäischen Arzneimittelmarktes steht für mich im Gegensatz zum Wohl des Patienten.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Apotheken sind auch wichtige gesellschaftliche Institutionen. Meine Aufgabe ist es, all jene Impulse zu vermitteln, die ein sehr gut eingespieltes Team für die gemeinsame Arbeit benötigt. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Abgesehen von der fachlichen Qualifikation setze ich bei meinen Mitarbeitern Menschlichkeit voraus. In erster Linie erwarte ich von ihnen, daß sie mitdenken, teamfähig sind und sich mit meinem Unternehmen bzw. mit der Unternehmensphilosophie identifizieren. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Ich glaube, daß der Apotheker heute eine psycho-soziale Funktion innerhalb der Gesellschaft einnimmt wie kaum eine andere Berufsgruppe, womit er den Hausarzt weitgehend abgelöst hat. Wir leben in einer technokratischen Zeit, in der das Miteinander auf der Strecke bleibt, daher ist es mir in erster Linie wichtig, das kommunikative Element in meinem Unternehmen besonders hervorzuheben, das sich obendrein auf einer “Demarkationslinie” zwischen Wohlstand und dem “Ghetto” des Substandards befindet. Ich richtete beispielsweise einen Dienst zur Versorgung bzw. Belieferung bettlägeriger Patienten ein, den ich selbst durchführe.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich kann diese beiden Bereiche - sehr zum Leidwesen meiner Frau - unmöglich trennen, weil mir selbst zu unpassendsten Gelegenheiten etwas einfällt, das mit meinem Beruf zu tun hat. Es gibt lediglich einen Bereich in meinem Leben, in dem das Handy ausgeschaltet bleibt; das ist die Jagd, der ich mich an Wochenenden widme. In dieser Zeit schöpfe ich Energie, weil ich dann in der Natur allein und völlig ungestört bin. Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Fortbildung ist in dieser Branche mit dem Berufsalltag ganz eng verknüpft. Zudem bin ich auch Herausgeber von wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Einem jungen Menschen im Alter von 16 Jahren würde ich raten, in den folgenden vier Jahren möglichst viele verschiedene Dinge zu tun. Ich kann diesen Rat heute aussprechen, weil ich selbst in den Ferien unzählige Tätigkeiten - im Paketdienst und als Gärtner und Maurer - ausübte und über jede einzelne froh bin. Ich kann mir heute nicht nur in vielen Bereichen selbst helfen, sondern lernte so in jungen Jahren (als Gymnasiast und Sohn aus gutem Hause) die unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten kennen, was mich in meiner Persönlichkeitsbildung nachhaltig geprägt hat. Wenngleich es altmodisch klingen mag - ich bin überzeugt, daß man letzten Endes ausschließlich durch die persönliche Leistung reüssieren kann, und dazu zählt eine fundierte Ausbildung. Meinen eigenen Söhnen rate ich aus diesem Grund immer wieder, auf jeden Fall ihr Studium zu absolvieren, bevor sie daran denken, viel Geld zu verdienen. Wesentlich ist, ein realistisches Ziel auf einem möglichst hohen Level zu wählen, das man hartnäckig und ausdauernd verfolgt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Für langfristige Ziele bin ich zu alt. Mein Ziel ist heute, die fünf Jahre bis zu meinem 65. Geburtstag weiterhin so zu gestalten wie bisher und danach meinen wohlverdienten Ruhestand anzutreten, mich meiner Frau und meinen zahlreichen Interessen zu widmen.
Ihr Lebensmotto?
Die Schnellen sind im Vorteil gegenüber den Langsamen, das gilt für sehr viele Lebensbereiche.