Zum Erfolg von Juliana Pierer-Kliment
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Musik soll Freude bereiten und so ist es für mich die größte Freude, wenn unsere Kompositionen gerne gespielt und gehört werden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich glaube, es gelingt mir recht gut, die übernommene Aufgabe zu erfüllen. Der Verlag ist zu meinem Lebensinhalt geworden. Gelingt etwas, ist es für mich persönliche Freude und Zufriedenheit. Aber ich sehe mich nicht als Karrieremensch, der auf sich und andere keine Rücksichten nimmt.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Komponisten unseres Verlages sollen sich zufrieden fühlen und ich glaube, daß wir sie gut und umfassend betreuen. Aus rein geschäftlichen Kontakten haben sich wertvolle private Beziehungen entwickelt. Das ist bereits Tradition, seit mein Vater mit dem Verlag begonnen hat.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger zu reüssieren? Gerade im Bereich der Blasmusik hatte man früher und hat auch teilweise heute noch das Gefühl, als Frau nicht ganz ernst genommen zu werden. Bei Fachausstellungen kommen die Interessenten eher zu meinem Schwager, eben weil er ein Mann ist, als zu mir. Ich denke manchmal, Angriff ist die beste Verteidigung und kann durch meine Initiativen manchen eines besseren belehren. Allgemein glaube ich, daß es Frauen auch deswegen in der Wirtschaft schwieriger haben, weil sie ja auch Mütter sind und sein wollen.
Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein?
Selbstverständlich steht für einen Musikverlag die Originalität im Vordergrund, der ich den unbedingten Vorzug gebe. Das scheint auch ein Erfolgsgeheimnis unseres Verlages zu sein. Unsere großen Konkurrenten in den USA und den Niederlanden, die auch den deutschsprachigen Raum mit ihren Noten zu überschwemmen drohen, bringen vielfach Fließbandprodukte. Sie legen auf Originalität weniger Wert und man kommt bald darauf, daß alles ziemlich ähnlich klingt. Und das durchschauen dann auch die Musiker und greifen wieder zu unseren Kompositionen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich sehe es als persönliche Anerkennung, wenn die Verbindung über das rein Geschäftliche hinaus geht. Oft bekomme ich Einladungen zu Musikfestivals, Veranstaltungen und Konzerten, aber auch privaten Anlässen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Noten sind viel rascher verfügbar, als früher, man kopiert sie oder lädt sie aus dem Internet. Damit verlieren wir als Musikverlag die notwendigen Umsätze, weil wir ganz einfach umgangen werden, man vielfach Noten nicht über uns, sondern auf den verbotenen, vorhin angeführten Umwegen bezieht.Welche Rolle spielen Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg? Jede gute Idee ist bei uns willkommen und unseren freiberuflichen wissenschaftlichen Mitarbeitern verdanken wir manche wertvolle Anregung.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Leider gibt es immer weniger gute Musikalienhandlungen, so daß fachlich geschultes Personal eher Mangelware geworden ist und nicht mehr so fluktuiert, wir früher. Wichtig ist es uns aber auf jeden Fall, daß eine musikalische Ausbildung vorhanden ist.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wie schon erwähnt, sind wir ein Familienbetrieb und da es um unseren Verlag geht, ist die Motivation stark vorhanden.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Ich denke, die Art, wie wir mit Komponisten und Musikern umgehen und die Kontakte pflegen, ist unsere größte Stärke. Sie arbeiten gerne und konstant mit uns zusammen, weil sie sich einfach gut betreut fühlen.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Wir versuchen primär über die Suche nach markanten und beständigen Titeln zu einem beliebten Programm zu kommen und denken, dafür mittlerweile ein gutes Gespür entwickelt zu haben.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Viele Personen, die ich beruflich kennenlernte, sind zu Freunden geworden, so daß Berufsleben und Privatleben einander oft überschneiden. Und wenn ich einmal ein Wochenende durcharbeiten muß, dann kann das nicht nur sehr produktiv sein, sondern auch Freude bereiten.