Zum Erfolg von Klaus Michel
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, gesteckte Ziele zu erreichen und mit ihnen zufrieden zu sein.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Meine eigene Person steht für mich nicht so im Vordergrund. Andere sehen mich eher als erfolgreich als ich mich selbst, da ich beruflich das Maximum erreicht habe. Dahinter steht aber vor allem die Tatsache, daß ich Krisen überwinden konnte.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ein Test bei Maersk zeigte, daß ich Managementtalent habe. Entscheidend ist es, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen und zuzugeben. Neben Teamwork, offener Kommunikation mit den Mitarbeitern und einer menschlichen Vorbildfunktion Innerhalb eines Konzerns ist es auch wichtig, sich selbst verkaufen zu können und Mitarbeiter für seine Sache zu gewinnen.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Als EACBEN, mit der ich mich sehr stark identifizierte, überraschend verkauft wurde, war ich junger Alleinverdiener, hatte drei kleine Kinder und stand plötzlich vor dem Nichts. Binnen einer Woche fand ich einen neuen, besseren Job und seither ging es ständig bergauf.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Daß ich das Risiko einging, von Maersk, der weltgrößten Reederei wegzugehen, um APL von Null weg aufzubauen, war die richtige Entscheidung. Damals arbeitete ich in Goldgräber-Stimmung rund um die Uhr, seither ist APL mein Baby. Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Eigentlich wollte ich Flugzeugbauer werden und habe das auch zwei Jahre studiert, da aber in Deutschland keine Flugzeugindustrie existierte, sattelte ich auf Schiffsmakler um. Auch diese Entscheidung war richtig. Es ist ein internationaler Job in, dem man sich selbst verwirklichen kann und ich stieg schnell auf. Ich brauche immer neue Herausforderungen. Stillstand bedeutet für mich Rückschritt.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Entscheidend ist es Persönlichkeit, Ausstrahlung und Esprit zu besitzen, im Geschäftlichen neige ich eher zum Kopieren erfolgreicher Modelle.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ich war der Protegé des Geschäftsführers von EACBEN, von dem ich alles, was ich über die Schiffahrt weiß, gelernt habe. Er war ein Hasardeur, der Glück hatte, war sehr belesen und gebildet und trotz seiner Härte wegen seiner Ausstrahlung bei allen beliebt. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Derzeit schreibt die gesamte Branche rote Zahlen. Durch die Überkapazität an Schiffen wird die Leistung schlecht bezahlt und ein kostendeckendes Arbeiten ist nicht mehr möglich. 150 Millionen US-Dollar Anschaffungskosten für ein Schiff und Betriebskosten von täglich rund 50.000 US-Dollar zwingen viele Reedereien zur Aufgabe. Wir haben ebenfalls einige Schiffe frühzeitig außer Dienst gesetzt, Mitarbeiter entlassen und müssen nun unsere Aufgaben konzentrieren. Mit der Logistik haben wir uns bereits ein zweites Standbein geschaffen, das wir nun weiter ausbauen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Mitarbeiter sind für mich sehr wichtig. Individualisten und Einzelgänger haben in dieser Branche keine Chance. Nur ein Team, aus dem sich auch der Boß heraus entwickelt, kann bestehen. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Die Befähigung steht erst an zweiter Stelle. Viel wichtiger sind Intelligenz und positive persönliche Ausstrahlung: eine eigene Persönlichkeit, Offenheit, Aufgeschlossenheit, Kommunikationsfähigkeit und das Konkurrieren im Team - mit offenem Visier - sind mir wichtig.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich kümmere mich um sie, ohne sie zu bemuttern und sorge dafür, daß sie keine Angst haben, etwas offen auszusprechen, auch wenn es Kritik ist. Jasager brauche ich nicht. Wir führen persönliche Gespräche, ich lobe, es gibt Einladungen, Incentives und ein Bonussystem.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? APL ist in der Schiffahrt führend im Bereich E-commerce, wir entwickeln eigene Verkehre in Zusammenarbeit mit der Bahn und fokussieren uns stark auf die gesamte Logistik, mit der wir die Ware vom Hersteller zum gewünschten Termin bis direkt in den einzelnen Verkaufsraum bringen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mein Beruf hat sicherlich Einfluß auf mein Privatleben, in dem ich nicht 100 Prozent abschalten kann – das ist eine Frage der Erfahrung und der Anpassung. Wichtig ist, daß man seine Ziele klar vor Augen hat, wobei weniger oft mehr ist.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Unser Unternehmen beschäftigt eigene Trainer (z.B. für Verkaufsschulungen, etc.) und ich besuche ca. eine Woche pro Jahr solche firmeninterne Seminare. Früher hatte ich nur strategische Aufgaben zu erfüllen, in meiner neuen Position muß ich mich um alles kümmern und die Zeit ist daher etwas knapper geworden. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Sich erreichbare Ziele zu setzen, sie zu steigern aber nicht verbissen daran festzuhalten, ist ebenso wichtig wie Risikofreude. Man muß zu sich selbst stehen, sich seiner Schwächen bewußt sein, seine Fähigkeiten erkennen und sich auf sie besinnen. Vor der Berufswahl sollte man sich genau umhören und sich darüber informieren, welche Möglichkeiten es gibt. Entscheidend ist es daß man motiviert ist und hinter seinem Job steht. Arbeit, Familie und Freunde sind die drei wichtigsten Dinge im Leben. Zumindest in zwei dieser Punkte sollte man positive Ergebnisse erzielen, sonst wird man allgemein keinen Erfolg haben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte mir gerne eine eigene Segeljacht kaufen und im Mittelmeerraum arbeiten.
Ihr Lebensmotto?
Carpe diem.