Zum Erfolg von Jürgen Bauer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg hat mehrere Aspekte: erstens, was man aus betriebswirtschaftlicher Sicht im Unternehmen erreicht, das man führt, und zweitens, was man durch persönlichen Einsatz im Bereich der Mitarbeiterentwicklung bewirkt. Den betriebswirtschaftlichen Erfolg kann man quartalsweise messen. Die Mitarbeiter zu fördern, zu entwickeln und sie auch am richtigen Platz einzusetzen, benötigt mehr Zeit. Bereits während meiner Studienzeit nutzte ich die Chance, alle Abteilungen dieses Unternehmens kennenzulernen. Dieses Trainee-Programm kommt mir in meiner jetzigen Funktion sehr zugute.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, weil ich meiner Ansicht nach eine sehr schnelle Karriere gemacht habe.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Für mich war wichtig, das zu tun, was ich wollte. Man kann nicht erfolgreich sein, wenn man eine Tätigkeit ausübt, die einem keinen Spaß macht. Sicherlich gehört auch Glück, vor allem aber ein eiserner Wille dazu.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Seit ich am Aufbau der Niederlassung in der Tschechischen Republik mitwirkte. Trotz Sprachschwierigkeiten konnte ich etwas bewegen, und innerhalb eines Jahres wurde ein Verkaufsbüro zur Vollspedition ausgebaut und der Mitarbeiterstand von drei auf 50 erweitert.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Speziell für HAK-Maturanten und -Abbrecher, aber in der jüngsten Zeit auch für Uni-Absolventen (auf einem höheren Level) installierten wir ein spezielles Trainee-Programm, denn wir vertreten die Ansicht, daß neben unseren aktiven Mitarbeitern der Nachwuchs ein nicht unbedeutendes Kapital für uns darstellt. Unsere Überlegung geht dahin, daß es unbedingt notwendig ist, neben der klassischen Speditionslehre, die sehr technisch orientiert ist, jungen Mitarbeitern auch den praktischen, kaufmännischen Teil näherzubringen. Neue Mitarbeiter lernen sechs Abteilungen kennen und besuchen außerdem noch externe Seminare. Mit dieser Methode machten wir bisher sehr gute Erfahrungen, unsere Erfolgsquote liegt dabei über 80 Prozent.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Was zählt, ist Authentizität. Es macht keinen Sinn, über Arten eines Führungsstiles zu konferieren. Wesentlich ist, daß man hinter dem steht, was man sagt. Langfristig betrachtet kann man nichts verkaufen, an das man persönlich nicht glaubt. Ebenso zählt die Vorbildwirkung. Zum Führen gehört auch, daß man eine Art Pufferfunktion ausübt: sowohl zwischen Vorstand und Mitarbeitern als auch vice versa.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir verfügen über die Möglichkeiten eines Großkonzerns. Die Mitarbeiter in unserer Zentrale sind in der Lage, sämtliche Supportarbeiten abzudecken. Eine weitere Stärke ist unsere Flexibilität. Ein Beispiel: Wir haben in der jüngsten Vergangenheit Kundenprojekte binnen vier Tagen umgesetzt. Dies funktioniert auch nur deshalb, weil wir eine sehr flache Hierarchie haben und jeder Mitarbeiter im Rahmen seiner Aufgaben persönliche Verantwortung zu tragen hat. In unserem geographischen Einzugsgebiet, das von Basel bis Bukarest und von Prag bis an die südliche Landesgrenze von Kroatien reicht, sind wir an der Spitze der namhaften Speditionen angesiedelt. Somit zeigen wir auch keine Tendenzen, in den heiß umkämpften deutschen Markt einzudringen. Wir haben in jeder größeren deutschen Stadt einen Partner, somit ist eine Expansion nicht notwendig. Die geschichtliche Entwicklung dieses Unternehmens geht in das Jahr 1492 zurück. Unter anderem hat Goethe Vorfahren unseres Hauses für einen Transport von Deutschland nach Italien beauftragt.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ausschlaggebend ist, wo ein Mitbewerber plaziert ist.Unser Unternehmen ist sicherlich im Spitzenfeld zu finden. Trotzdem werden auch mit dem Mitbewerb gemeinsame Projekte abgewickelt. Man sollte sich auf sich selbst und die eigenen Stärken konzentrieren und auch eine eigene Strategie verfolgen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Schwierig, denn wenn Beruf Freude macht, vermischen sich die Grenzen zwischen beruflicher Tätigkeit und Privatleben. Osteuropa ist nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Thema, das mich beschäftigt. Tatsächlich ist es nicht möglich, innerhalb eines Achtstundentages eine Region erfolgreich zu führen - man muß auch einige Stunden für sich selbst reservieren, um über manche Dinge nachzudenken. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Wenn man die Absicht hat, in diesem Gewerbe erfolgreich tätig zu sein, sollte man sich grundsätzlich vor Augen führen, daß in dieser Branche Generalisten gefragt sind. Man benötigt Mitarbeiter im Bereich Operatives Controlling & Logistik, denn dieser wurde im Transportgewerbe in den letzten Jahren vernachlässigt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Weiterhin den Akzent auf die Erweiterung des Dienstleistungsangebotes im Logistik- und Speditionsbereich zu setzen, hat oberste Priorität.