Zum Erfolg von Vera Gregor
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg zeigt sich für mich darin, gesteckte Ziele zu erreichen. Zur Zeit hat dies mit dem Management des Hotels zu tun, das ich so führen möchte, daß der Fortbestand des Unternehmens gesichert ist, die nötigen Investitionen durchgeführt und den Gästen der höchstmögliche Komfort geboten werden kann. Unser Haus wurde vor mehr als 100 Jahren gegründet, und ich sehe meine Aufgabe darin, die Infrastruktur und die Führungsstruktur zu verbessern, um den Standortvorteil voll zu nutzen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Wenn ich meinen Werdegang betrachte, sehe ich mich als erfolgreich, weil ich meine Ziele größtenteils erreicht habe.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Mein ausgeprägter Wille, zielorientiertes Verhalten, gute analytische Fähigkeiten, die Bereitschaft zu lernen und multikulturelle Impulse aufzunehmen, Durchhaltevermögen und Multilingualität waren ausschlaggebend für meinen Erfolg.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Durch die familiäre Situation und die Krankheit meines Vaters mußte ich mich schon früh als Frau behaupten und die Familie nach außen vertreten. Das erforderte Durchsetzungsvermögen. Meine Mutter war der Überzeugung, daß man mit mehr Wissen mehr Geld verdienen kann, und so wurde versucht, mir die damals bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Ich arbeitete immer schon sehr zielorientiert und strebte nach mehr Wissen. In meinem Studium für Welthandel waren Frauen noch in der Minderheit, und ich erinnere mich noch an den Schock der Herren, als ich meine ersten Männer-Jeans trug. Das war für damalige Zeiten ungeheuerlich. Mein Ratschlag an Frauen, die erfolgreich sein wollen, ist, daß sie den Mut aufbringen sollen, nach Erfolg zu streben. Man benötigt dafür unbedingt die richtige Bildung und die tägliche Orientierung am Weltgeschehen. Arbeit am persönlichen Auftreten und am Führungsstil ist ebenso wichtig wie die schulische Bildung. Schwierig ist sicherlich der Mangel an guten tragbaren Netzwerken, denn da Frauen weniger gute Positionen innehaben, sind Männer hier im Vorteil, und die Hilfestellung von weiblicher Seite ist eher rar. Unsere Stärken sind die Fähigkeit zu beraten, auf jemanden einzugehen und Diplomatie.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Seit meiner frühen Jugend faszinierten mich Künstler, besonders die beiden Sängerinnen Irmgard Seefried und Teresa Stich-Randall. Durch den jahrelangen Kontakt, beginnend als glühende Verehrerin beim Bühnenausgang bis hin zu einer Lebensfreundschaft, durfte ich an ihrem Leben teilhaben. Besonders faszinierte mich die Disziplin, mit welcher Künstler an ihre Aufgaben herangehen, und die Fähigkeit, zu einem bestimmten Zeitpunkt die beste Leistung zu geben. Der Auftritt auf der Bühne war für mich vergleichbar mit meinen Präsentationen vor wichtigem Publikum während meiner Tätigkeit bei der UNIDO.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich bin Anhängerin von Teamarbeit. In der derzeitigen Funktion setzt dies voraus, daß ich die interne Kommunikation und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit verbessern muß. Darüber hinaus wird auch die Aus- und Weiterbildung einzelner Mitarbeiter gefördert, um den täglichen Herausforderungen besser gerecht zu werden. Ich halte auch viel von Rollenvorbildern. Über all diesen Aktivitäten versuche ich, jedem Mitarbeiter den Teamgedanken vor Augen zu halten. Wir können nur dann erfolgreich sein, wenn jeder der 35 Mitarbeiter, nicht nur sein eigenes Aufgabengebiet beherrscht, sondern auch bereit ist, über den Tellerrand zu schauen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Neben der zentralen Lage unseres Hauses zeichnen wir uns vor allem aus, indem wir auf die individuellen Wünsche unserer Gäste eingehen. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Im Prinzip kooperativ, durch Anbot eines Nischenproduktes. Aufbauend auf unserem großen Standortvorteil sprechen wir eine Gästeschicht an, die es vorzieht, familiär behandelt zu werden. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir, das Beste zu bieten, und das schätzen auch unsere Kunden. Das positive Feedback zeigt, daß wir auf der richtigen Linie sind.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
In Zusammenarbeit mit meinem Mann, durch Kooperation und Toleranz.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wißbegier und Lernbereitschaft niemals aufgeben, Bildung und Weiterbildung permanent pflegen und sich an neue Aufgabenstellungen wagen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Nachdem wir unser Haus in den letzten Jahren durch Neuadaptierung der Zimmer auf den neuesten Stand brachten und dadurch den Komfort der teilweise historischen Räumlichkeiten verbesserten, ist die nächste Aufgabe, die Impulse des Eventmanagements in die Planung einzubinden.