Zum Erfolg von Adelheid Tischler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Mein Beruf und mein Geschäft sind mir sehr wichtig. Ich fühle mich erfolgreich, wenn es dem Gast gefallen und geschmeckt hat und ich abends mit einem guten Gefühl heimgehe.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, denn ich habe jetzt zehn Jahre lang fast Tag und Nacht gearbeitet, und mein Erfolg ist meßbar. Leider fühle ich mich jetzt nicht mehr so vital wie vor zehn Jahren, der Körper macht diesen Dauerstreß nicht unbegrenzt mit, wie man leider bei meinem Mann sehen konnte. Ich bin aber auch sehr stolz auf meine Kinder, die trotz der vielen Arbeit und der wenigen Freizeit wohlerzogene junge Menschen geworden sind.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich hatte das Glück, 15 Jahre lang mit meinem Mann zusammenzuleben, und in dieser Zeit hat er mir viel mitgegeben. Ich hatte keine Ahnung vom Gastgewerbe, und er hat mir den Umgang mit Menschen vermittelt, den Zugang zu Gästen aufgezeigt. Er war weltoffen, hat jahrelang auf Schiffen gearbeitet und besaß ein unheimliches Wissen, von dem ich viel profitiert habe.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Man muß ein selbstsicheres Auftreten haben. Wenn man sich ordentlich auf die Füße stellt und sich von den Männern nichts gefallen läßt, hat man es sicher auch nicht schwieriger.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Daß ich imstande bin, erfolgreich zu arbeiten, habe ich schon im Gasthaus in Hockstraß gemerkt. Dieses Lokal war wirtschaftlich total am Boden, und ich habe es wieder aufgebaut.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Die Gaststätte auf ein Minimum zu reduzieren und mich voll in der Burgtaverne zu engagieren, war eine gute Entscheidung.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Mann. Ich war damals 16 Jahre alt, arbeiten konnte ich schon vorher, denn ich war die Älteste von fünf Kindern und mußte Zuhause immer schon kräftig mit anpacken. Aber alles, was für das Gastgewerbe wichtig ist und das ich heute beherrsche, habe ich von meinem verstorbenen Ehemann gelernt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Viele Menschen erachten Leute aus dem Gastgewerbe als Gauner. Wir werden oft als unsolide abgestempelt, und das ärgert mich persönlich sehr. Niemand hat eine Ahnung, wieviel wir wirklich arbeiten in unseren Betrieben, damit die Lokale gut gehen. Ich bin jeden Tag bis spät in die Nacht im Betrieb und am nächsten Tag in der Früh wieder da. Auch von der Gesetzgebung werden einem laufend Prügel zwischen die Füße geworfen. Beschäftigt man einen Lehrling, hat man laufend den Arbeitsinspektor da und steht dauernd unter Druck.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ohne meine Leute, die zum Teil schon 15 bis 20 Jahre bei mir arbeiten, könnte ich diesen Betrieb nicht aufrechterhalten. Wir halten einfach zusammen, sind Freunde, da wird nicht leichtfertig in Krankenstand gegangen. Aber auch ich bin mir für keine Arbeit zu schade, und das wissen meine Leute.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Das Burgambiente ist wunderschön und einzigartig. Auch unsere Küche ist ebenso lobenswert wie die Freundlichkeit meiner Mitarbeiter.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Für mich gibt es nur den Beruf und meine Kinder, die inzwischen schon 16 und 20 Jahre sind.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich würde gerne Weiterbildungskurse besuchen, denn sonst besteht auch die Gefahr, betriebsblind zu werden. Mir bleibt aber leider keine Zeit dafür.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Als Wirtin muß man ein Menschenfreund sein und wissen, daß man für den Beruf fast all seine Zeit geben muß.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Bis meine Tochter die Schule abgeschlossen hat, halte ich noch durch. Meine Füße und mein Kreuz sind bereits kaputt. Ich warte noch fünf Jahre auf ihre Entscheidung, entweder sie kommt dann zu mir und entlastet mich, oder ich werde den Betrieb anderweitig abgeben.