Zum Erfolg von Eike Haug
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg liegt für mich darin, realistische Ziele anzupeilen, diese zu erreichen und mich dabei wohlzufühlen. Erfolg bedeutet auch, weitreichende Visionen zu entwickeln, auf die ich hinarbeiten kann und dabei Alternativen zu kennen, die ich anwenden kann, wenn ich auf dem ursprünglichen Weg nicht weiterkomme; dies setzt auch voraus, über die Position meines Gegenübers schon im Vorfeld informiert zu sein. Erfolg bedeutet, jenen das Gegenteil zu beweisen, die von etwas behaupten, daß es ganz unmöglich sei. Erfolg setzt Phantasie voraus, die Fähigkeit, Ideen - und dabei muß es sich nicht um Geschäftsideen handeln - zu verfolgen, visionäres Denken und den Willen wie den Mut, diese Ideen umzusetzen. Selbstverständlich spielt wirtschaftlicher Erfolg eine Rolle, und zwar sowohl für mich als Person als auch für das Unternehmen. Erfolg ist für mich insbesondere auch mit Freiheit verbunden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich fühle mich erfolgreich, weil ich meine Tätigkeit seit jungen Jahren selbst gestalten kann und bisher vieles erreicht habe - unter anderem gelang es mir, eine ursprünglich chaotische Abteilung, den Einkauf, an die Weltspitze zu bringen.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ausschlaggebend für meinen Erfolg war mein Interesse an vielen Bereichen. Ich halte es für sehr erstrebenswert, mir einen gewissen Weitblick erworben zu haben und mich nicht nur für eine Sache zu erwärmen, sondern Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Ich bin fähig, verschiedene Aufgaben zu delegieren, da ich mich nur auf die Leitung dieses Unternehmens konzentrieren kann, wenn ich Bereiche abgebe, mit denen ich mich im Grunde nicht gern beschäftige.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Als Chef kann ich nicht mein bester Sachbearbeiter sein. Es ist mir wichtig, Verantwortung an meine Mitarbeiter zu übertragen und mich darauf verlassen zu können, daß sie ihre Aufgaben erledigen. Aus diesem Grund suche ich Mitarbeiter, die dazu fähig sind, eigenverantwortlich zu agieren und mit Freiheiten umzugehen wissen. Es ist mir egal, ob jemand um zehn Uhr kommt und bis 18 Uhr arbeitet oder erst später, wichtig ist mir einzig und allein, daß Ziele erfüllt werden. Vor allem lege ich großen Wert auf die Bereitschaft, für das Unternehmen da zu sein, wenn Not am Mann ist, anstatt unter fadenscheinigen Gründen um Punkt 17 Uhr den Bleistift fallenzulassen und nach Hause zu gehen.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Unser Produkt wird aus rein ökonomischen Gründen gekauft: während der Konsument, der selbst Zigaretten dreht, in der Öffentlichkeit als Individualist gelten will, handelt der Käufer von Zigarettenhüllen aus Sparsamkeit und will dabei nicht gesehen werden. Wesentlich ist für uns die Distribution durch engagierte Partner, die mit eigenem Kapital und daher umso effektiver arbeiten.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich halte wenig von einer strikten Trennung von Beruf und Privatleben, weil ich glaube, daß jeder, der zwischen den beiden Bereichen eine exakte Grenze zieht, ein Zerrissener wird, der um Punkt 16 Uhr mit seiner Arbeit fertig sein muß, um in seiner Freizeit zu leben. Wer sich diesem Streß unterwirft, leidet zwangsläufig und kann seine Freizeit gar nicht richtig genießen. Ich persönlich lasse mir lieber zwei Stunden länger Zeit und gehe zwischendurch einmal eine halbe Stunde spazieren, als verbissen daran zu arbeiten, zu einem festgelegten Zeitpunkt fertig zu sein und unter Druck eine schlechtere Leistung zu erbringen.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Wesentlich ist es, Interesse und Neugier zu entwickeln und den Willen zu haben, der Sache, an der man arbeitet, auf den Grund zu gehen. Wichtig ist aber auch, sich nicht zu sehr zu spezialisieren, sondern eine gewisse Breite an Fertigkeiten und Fähigkeiten zu entwickeln. Wer sich als Einkäufer nicht für die Abläufe in der Produktion interessiert, wird keinen Erfolg haben - wenn er auch innerhalb der Firma gut leben kann und ohne Konflikte über die Runden kommt. Auch Menschen, die niemandem ihr Wissen preisgeben, haben langfristig keinen Erfolg.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Das Unternehmen ist derzeit einem starken Wandel unterworfen, da es aus dem starken Verband innerhalb der Austria Tabak gelöst wurde und sich nunmehr selbständig am Markt behaupten muß. Im Vordergrund standen bisher die Übernahme durch einen neuen Eigentümer, die Umstellung vom Einschicht- auf einen Dreischichtbetrieb, der Aufbau neuer Geschäftsbereiche wie Marketing und Sales sowie die Konsolidierung von Altesse am Markt. Eine große Herausforderung ist letztendlich der physische Auszug aus den Produktionsräumlichkeiten der Austria Tabak: Für die nahe Zukunft ist der Bau eines Fabriksgebäudes geplant, das 2004 in Betrieb gehen soll. Meine Ziele liegen derzeit vor allem darin, die getätigten Investitionen zu decken, bestehende Märkte zu konsolidieren und völlig neue Märkte zu entdecken und zu erschließen.