Zum Erfolg von Hans Wiesinger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich Unabhängigkeit.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich fühle mich erfolgreich, weil ich die Ziele, die ich mir gesetzt habe, auch erreichen konnte.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich bin ehrgeizig und beharrlich und habe alle Höhen und Tiefen der Branche erlebt. Ich war mir auch nie zu schade, alle möglichen Arbeiten zu machen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich bin mit der Zeit etwas reifer geworden und sehe Probleme mittlerweile als Herausforderung.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich habe zwölf Jahre anberaumt, um meine Schulden zurückzuzahlen. Bereits nach acht Jahren war ich damit fertig. Damit wuchs meine Unabhängigkeit.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Originalität. Wenn man sich verstellt, kaufen einem die Kunden das auf Dauer nicht ab.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Als ich in der Küche arbeitete, hatte ich einen strengen Sous-Chef. Er mochte mich nicht, aber ich habe mir damals geschworen, mein Ziel durchzuziehen. Dabei lernte ich, daß ich mich nicht weiter unter Druck gesetzt fühlen möchte.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Es ehrt mich, wenn meine Kunden mit meinen Leistungen zufrieden sind, ich muß nicht unbedingt in der Zeitung erwähnt werden.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Das Image der Wirte ist nicht gut, daran sind sie aber selbst schuld. Als Wirt muß man ein guter Psychologe sein, aber auch hinter der Bar und am Schreibtisch gute Arbeit leisten. Viele nehmen die Arbeit zu leicht, obwohl es ein beinharter Job ist. Viele Wirte haben auch ein Alkoholproblem und trinken, damit sie gut drauf sind.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Mitarbeiter sind kein unwichtiger Teil, weil sie mein verlängerter Arm sind. Die Kunden würden sich nicht wohlfühlen, wenn meine Mitarbeiter sich mit meiner Idee nicht identifizieren könnten und mit Widerwillen arbeiten würden. Schlechte Stimmung des Personals überträgt sich auf die Gäste.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Neue Mitarbeiter müssen nicht unbedingt den Beruf gelernt haben, sie müssen nur Spaß am Arbeiten haben und den Job mit Begeisterung machen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Sie sind freiwillig bei mir und sollen Spaß an der Arbeit haben. Ich lasse ihnen viel Entscheidungsfreiheit und kritisiere sie nicht vor Gästen. Ich höre mir auch ihre Meinung zu Problemen an.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Sie sehen mich als einen Chef mit Handschlagqualität, der alle Versprechungen immer einhält.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Die Kunden stehen immer im Mittelpunkt. Alle Gäste werden mit Sie angesprochen und von mir vom Eingang weg an freie Plätze geführt. Ebenfalls wichtig ist es, immer gleichbleibende Qualität anzubieten. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ich verhalte mich äußerst kollegial, die Betriebe in der Straße helfen einander gegenseitig aus. Man lebt auch von den Kunden des Mitbewerbs.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich kann beides gut vereinbaren, ich gehe um vier Uhr schlafen und stehe um zehn Uhr auf. Den Nachmittag kann ich mit meiner Familie verbringen, das können nicht viele Familienväter.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich arbeite nur vier Tage im Geschäft, ansonsten erledige ich Büro und Einkauf. Wenn ich mit meinen Mitarbeitern einen Betriebsausflug nach Wien mache, besuchen wir auch andere Bars, das ist für mich ebenfalls Weiterbildung.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Die Leute sollten sich mehr Zeit für ihre Kinder nehmen, denn was man als Elternteil einmal versäumt, kann man nie wieder nachholen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte kein zweites Geschäft eröffnen, wenn alles so bleibt wie jetzt, wäre ich glücklich.
Ihr Lebensmotto?
Man soll Sachen nicht so lange machen, bis man sich quält, man soll auch loslassen können.