Zum Erfolg von Gerhard Kienast
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Vor einigen Jahren hätte ich Erfolg noch mit einem sehr guten Verdienst gleichgesetzt, aber die Wertigkeiten haben sich verschoben. Für mich persönlich bedeutet Erfolg heute, mit meiner Arbeit zufrieden zu sein und Spaß an meinem Beruf zu haben. Aus diesem Grund ist für mich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben wichtig. Erfolgreich bin ich dann, wenn mein Beruf nicht zu Lasten meiner Freizeit geht. Der finanzielle Erfolg stellt sich bei entsprechendem Engagement von selbst ein.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition sehe ich mich durchaus als erfolgreich.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich bin ein genauer und gewissenhafter Mensch - es gibt keinen Schriftsatz, für den ich verantwortlich bin, der die Kanzlei in schlampiger Form verläßt. Mein Perfektionismus wurde sicher in meiner Zeit an der Wirtschaftsuniversität geprägt; ich bin davon überzeugt, daß er sich in meinem Beruf bezahlt macht, wenngleich so hohe Qualität natürlich ihren Preis hat. Die Anwälte, für die ich als Substitut arbeite, schätzen meine Verläßlichkeit. Ehrlichkeit spielt für mich eine sehr große Rolle.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Wenn eine berufliche Herausforderung an mich herankommt, analysiere ich sie zunächst einmal für mich selbst, ehe ich mich an jemanden wende; ich zähle nicht zu den Menschen, die angesichts eines Problems sofort zum Telefon greifen. Ich entscheide immer erst nach reiflicher Überlegung, weil es mir sinnlos erscheint, Entschlüsse zu fällen, die ich im nachhinein wieder revidieren muß.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Die Stärken dieser Kanzlei liegen in ihrer relativ kleinen Struktur. Abgesehen von hoher fachlicher Kompetenz bieten wir unseren Klienten sehr persönliche und individuelle Betreuung, die sie in einer Großkanzlei nicht finden.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mein Privatleben ist mir sehr wichtig. Natürlich arbeite ich fallweise am Wochenende, aber dies sollte nicht zur Gewohnheit werden. Ich trenne Beruf und Privatleben nicht und kann mir meine Zeit sehr gut einteilen, arbeite also nicht verbissen von Montag bis Freitag, sondern nutze die Gunst der Stunde – das kann bedeuten, mich an einem sehr schönen Tag, an dem weniger zu tun ist, in die Sonne zu setzen und abends zu arbeiten, oder an einem verregneten Samstag Arbeiten zu erledigen. Meine Frau teilt mit mir diese Ansicht.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Wichtig ist, seinen Talenten entsprechend zu agieren. Ich würde einem jungen Menschen raten, einen Berufsweg einzuschlagen, der ihm wirklich Freude bereitet, der finanzielle Erfolg kommt dann quasi von selbst. Erfolg basiert darauf, seine Stärken zu leben, nicht etwa darauf, seine Schwächen auszumerzen. Ich war beispielsweise stets ein schlechter Schüler; erst das Jusstudium faszinierte mich, ich konnte es rasch abschließen, weil es mir leichter fiel als die Schule. Mein Rat ergeht daher auch an die Elterngeneration: wenn man an seinen Kindern Stärken und Talente erkennt, muß man sie fördern.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, mich als Anwalt zu etablieren und (im öffentlichem Recht) einen Ruf zu erlangen, der so gut ist, daß Klienten mit ihren Anliegen an mich herantreten. Ich möchte selbständig, eventuell mit einigen wenigen Partnern, in einer kleinen Kanzlei arbeiten, in der ich meine Bereiche zur Gänze abdecken kann.