Zum Erfolg von Hans Sallmutter
Was verstehen Sie unter Erfolg? Sich (nicht, privat, sondern vor allem im Beruf) wohlfühlen und gute Arbeit leisten
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Überhaupt nicht. In meinem Leben traf ich noch keinen wichtigen Menschen und sehe auch mich nicht als wichtig an. Alles was ich anstrebe ist die GPA durch Kreativität zu einer modernen Gewerkschaftsorganisation zu führen.Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen - als erfolgreich? Natürlich werde ich als hoher Gewerkschaftsfunktionär gesehen und meine Positionen (z.B. in der Sozialversicherung) werden entsprechend gewertet, für mich sind allerdings Positionen nicht wichtig.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Nein, ich habe nie aufgezeigt. Menschen, die das tun sind für mich schon im höchsten Grad verdächtig. Ich strebte nie eine Karriere an, sondern Zufälle (eventuell auch Glück) waren wesentliche Punkte. Man mußte mich tagelang beknien, ehe ich 1982 nach Wien ging. Erst als man mich bei meiner Parteiehre nahm (da sonst ein ÖVP-Funktionär die Sektion geleitet hätte) nahm ich an. Ich wäre auch nie freiwillig Zentralsekretär geworden, da ich eigentlich Basisarbeit leisten wollte. Grund dafür war der tragische Flugzeugabsturz, bei dem auch Zentralsekretär Dallinger ums Leben kam. Zufällig nahm ich damals (obwohl nicht ranghöchster Funktionär) die Information in die Hand und da ich das Haus mit allen Sektionen und Abteilungen gut kannte, bestand Lore Hostasch darauf, daß ich Zentralsekretär wurde. Da eine solche große Organisation wie die GPA keinen Tag führerlos sein durfte, blieb mir auch nicht viel Zeit zum Überlegen.Was war für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Obwohl ich das Image eines harten Menschen habe, stimmt das im praktischen Leben nicht. Ich helfe jedem und gebe jedem mehrere Chancen, dulde es aber nicht, daß sich Fehler ständig wiederholen. Dadurch habe ich mir ein gutes Team geschaffen und genieße wegen meiner Hilfsbereitschaft auch die Unterstützung der Betriebsräte. Dabei denke ich vor allem in die Richtung, wie ich jemandem für den Rest seinen Berufsleben helfen kann und baue nicht auf kurzfristige Erfolge, da die Betroffenen auch weiterhin arbeiten müssen. Ich versuch Schicksale emotionsfrei zu analysieren und Wege zu finden, Mißstände zu beseitigen, ohne daß jemand dadurch sein Gesicht verliert. Obwohl ich polarisiere genieße ich Rückendeckung und genieße eine gewisse Grundsympathie. Ich bringe die Dinge, bei aller Diplomatie, auf den Punkt und traue mich auch Unangenehmes auszusprechen. Dabei formuliere ich so, daß jeder die Idee versteht. Man kann meine Argumente nachvollziehen und das kommt bei den Menschen an. Vor allem bin ich aber immer ehrlich, niemand kann mir Unaufrichtigkeit unterstellen.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Die GPA besteht aus sechs Sektionen. Diese Organisation als Ganzes auf Kurs zu halten, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Daß ich den (ungestütze) Bekanntheitsgrad von lediglich sieben Prozent auf beachtliche 22 Prozent innerhalb nur eines Jahres (von 1994-95) steigern konnte, betrachte nicht nur ich als enormen Erfolg.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld? Persönlich werde ich nur dann wahrgenommen, wenn auch das Team hinter mir gut ist. Ein Chef profitiert immer von den Leistungen und Ideen seiner Mitarbeiter.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Die Aufzeiger fallen mir nicht auf, die Guten, Tüchtigen werden aber nie übersehen.Was halten Sie vom Thema Motivation? Ich gehöre zu jenen Gewerkschaftern, die von allen zu Diskussionen und Vorträgen eingeladen werden und drücke mich auch nie davor, die Gewerkschaft darzustellen. Motivation ist das Maß aller Dinge, daher muß ich auch meine Sichtweise jedem begreiflich machen. Motivation ist nicht wie ein Licht, das man ganz nach Belieben einschaltet, sondern erfordert eine ganze Reihe von Dingen, wie Auftreten, Arbeitsklima, usw..Was bedeuten für Sie Niederlagen? Persönliche Niederlagen sind mir nicht geläufig, es gibt aber natürlich Enttäuschungen, wenn man etwas nicht wie gewünscht durchsetzen kann. In meiner Position ist man zwangsläufig mit Anfeindungen ebenso wie mit der Gerüchteküche konfrontiert.
Ihre Ziele?
Mein erstes Ziel ist das Organisationsentwicklungsprojekt gemeinsam mit meinem Team so auf die Reihe zu bringen, daß jeder (bzw. eine Mehrzahl) in der Gewerkschaft dahintersteht. Dieses Projekt ist ein ständiger Prozeß, der nicht von einem Tag auf den anderen erledigt werden kann. Die Wirtschaft entwickelt sich unaufhörlich und wir müssen als Gewerkschaft diesem Prozeß Rechnung tragen. Diese Aufgabe sehe ich als eine gewaltige Herausforderung an. Ich habe den Ehrgeiz die Gewerkschaft so umzubauen, daß sie den Wirtschaftsstrukturen gerecht wird. Dabei gilt es die interne Organisation so umzubauen, daß sie einerseits den Wirtschaftsstrukturen angepaßt wird, aber andererseits auch innerhalb der Gewerkschaft akzeptiert wird. Die bisherige Unterteilung in die sechs Sektionen (Handel, Industrie, Versicherungen, Geldwesen, ....) bringt ungeklärte Zuständigkeiten. Überschneidungen und Doppelarbeit. Die einzelnen Sektionen aufzulösen und als einheitliches Ganzes zu etablieren ist ein , langfristig gesehen notwendiger, Prozeß, der behutsam angegangen werden muß und meine ganze Aufmerksamkeit fordert.Bekommen Sie ausreichend Anerkennung? Ja, mehr als Kritik. In den letzten Wochen (politische Turbulenzen der Regierung Anfang 2000) bekam ich allein 500 persönliche Briefe. Trotz zum Teil kritischer Inhalte, betrachte ich jeden Brief als Anerkennung. Ich lese auch jedes Schreiben und versuche es so schnell wie möglich zu beantworten.
Ihr Lebensmotto?
Jede Tätigkeit gewissenhaft, mit Umsicht und Begeisterung auszuüben.
Anmerkung zum Erfolg?
Zu hierarchischen Funktionen führen viele Wege, fraglich ist, ob das auch Erfolg ist. Viele zahlen dafür einen sehr hohen Preis.Ein Ratschlag für Erfolg? Man sollte immer neugierig und lernbereit bleiben und alles als interessant empfinden. Ich persönlich gewinne jeder Gegend etwas faszinierendes ab und begeistere mich für alles. Ich bin unglücklich, daß ich nicht die ganze Weisheit aller Menschen, die sich in Büchern, Artikeln und Briefen findet aufnehmen kann. Ich finde an allem und in jeder Situation etwas Lebenswertes und es gab keinen Tag, an dem ich nicht gern gelebt habe.