Zum Erfolg von Renate Stigler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Wenn ich abends mit dem guten Gefühl, alles bestens erledigt zu haben, nach Hause gehen kann, sehe ich das als Erfolg. Erfolg ist aber auch, wenn die Reiseteilnehmer auf einen schönen Tag zurückblicken können. Ich freue mich immer, wenn ich dazu beitragen kann, Menschen glücklich zu machen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin stolz darauf, mein gewünschtes Ziel erreicht zu haben, seit 2003 auch den Busführerschein zu besitzen und nun mein eigenes Unternehmen zu leiten. Wenn ich mich in der Branche so umhöre, bin ich eine der wenigen Firmen, die ihre laufenden Rechnungen pünktlich bezahlen kann. Ich habe nirgendwo Zahlungsrückstände, und das ist in der heutigen Zeit für ein Busunternehmen nicht alltäglich. Also sehe ich mich unterm Strich als durchaus erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich verfolge eine ehrliche, geradlinige Geschäftspolitik, und die Zufriedenheit der Auftraggeber und Reiseteilnehmer steht für mich an erster Stelle. Für ihre Anliegen stehe ich praktisch rund um die Uhr zur Verfügung. Mein offener Zugang zu den Menschen und die soziale Kompetenz sind sicherlich wichtige Erfolgsfaktoren. Damit habe ich mir ihr Vertrauen erworben, wie die zahlreichen Stammkunden beweisen. Die Selbständigkeit war immer mein Ziel, mit Chefs komme ich nicht gut zurecht - ich will meine eigenen Ideen umsetzen und brauche keine Leute über mir, die mich bremsen. Natürlich treffe ich wie jeder Mensch auch einmal eine falsche Entscheidung, aber deswegen lasse ich mich nicht von meinem Weg abbringen. Aus negativen Erfahrungen lerne ich, sowohl aus eigenen als auch von den anderer Kollegen.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Auf alle Fälle, das Geschäft ist nach wie vor eine Männerdomäne. Als Frau ist man vor allem in der Tourismusbranche sehr oft benachteiligt, da uns oft nicht viel zugetraut wird. Obwohl ich eine sehr gute Fahrerin bin, werde ich als Frau am Bussteuer häufig äußerst skeptisch betrachtet. Umso mehr freut es mich, wenn ich das Gegenteil beweisen kann - als Fahrerin, die mittlerweile vier Mal die Welt ohne einen einzigen Kratzer umrundet hat, und als erfolgreiche Unternehmerin.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
In der Bank hatte ich noch keine Chance, mich richtig emporzuarbeiten, ich war Befehlsempfängerin. Erst in der Selbständigkeit konnte ich mich verwirklichen und mein Arbeitstempo selbst bestimmen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Es war absolut richtig, mich von meinem früheren Geschäftspartner zu trennen und alleine neu durchzustarten. Der Erfolg gibt mir Recht. Inzwischen mache ich fast keine Werbung mehr, sondern lebe sehr gut von Stammkunden und Mundpropaganda.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Meine Mutter stand immer hinter mir und ist mir heute noch eine große Hilfe. Auch in ihrer Familie gab es viele Selbständige, möglicherweise bekam ich von dort das Unternehmer-Gen mit.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Wir haben mittlerweile rund 360 Stammkunden, von denen etwa die Hälfte jedes Jahr mit uns fährt. Ohne überheblich klingen zu wollen, aber viele Kunden buchen wegen meiner Person bei Cäsar - egal welcher Bus, Hauptsache ich bin dabei. Eine Frau am Steuer eines Reisebusses ist ja noch immer nicht üblich, trotzdem bringen mir meine Stammkunden so viel Vertrauen entgegen, daß sie während der Fahrt oft ganz beruhigt schlafen. All das empfinde ich als tolle Anerkennung.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich habe einen Lebensgefährten, der als LKW-Fahrer selbst viel unterwegs ist und natürlich vollstes Verständnis hat, wenn ich nur selten zu Hause bin. Außerhalb der Hauptsaison bleibt auch ein wenig mehr Freizeit, die wir dann gemeinsam genießen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Mein Rat lautet: Wagt den Sprung ins kalte Wasser, wenn ihr an eure Idee glaubt. Geht es gut - wunderbar, wenn nicht, muß etwas anderes ausprobiert werden. Jedenfalls darf keine Arbeit gescheut werden. Freundlichkeit und Fairneß gegenüber den Kunden und Mitarbeitern spielt eine große Rolle.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich werde am Boden bleiben und keinesfalls unüberlegt expandieren. Die Anschaffung eines zweiten, etwas kleineren Busses, der eventuell behindertengerecht ausgestattet ist, ziehe ich aber durchaus in Betracht. Es wäre wirtschaftlich unvernünftig, mehrere große Busse anzuschaffen, die in der Hauptsaison zwar ausgelastet sind, aber die übrige Zeit nur herumstehen und Kosten verursachen.
Ihr Lebensmotto?
Wenn man hinfällt, muß man aufstehen und weitermachen!