Zum Erfolg von Kathrin Höfer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich nicht verbunden mit einer bestimmten Position und determiniert sich auch nicht durch Geld. Erfolg bedeutet für mich aufgrund meiner Ideen aus eigener Kraft etwas bewegt zu haben.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Eine Karriere im klassischen Sinne habe ich nie angestrebt. Ich habe gern und schnell studiert und zunächst nur das Ziel gehabt, mit dem Abschluß eine gewisse Unabhängigkeit zu erreichen. Eine Tätigkeit bei Gericht und bei der Staatsanwaltschaft war für mich nicht erstrebenswert; ich wollte Rechtsanwältin werden, weil mich die Vielfalt der Betätigungsfelder gereizt hat. Das habe ich geschafft.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich bin natürlich, versuche von anderen zu lernen, zu wachsen, besser zu werden, aber trotzdem authentisch zu bleiben. Ich habe Ideen und Visionen, über die ich mich gern auseinandersetze. Es ist mir wichtig, einen Standpunkt zu haben, Chancen zu erkennen und Möglichkeiten zu nutzen. Ich habe die Fähigkeit, mich selbst und andere zu begeistern, gehe an Probleme konstruktiv heran und lasse mich von Niederlagen nicht entmutigen.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Der Rechtsanwaltsberuf ist immer noch eine Männerdomäne, die Frauen holen zwar auf, aber es ist ein langsamer Prozeß. Als Frau muß man mehr leisten als die männlichen Kollegen, um die gleiche Anerkennung zu erhalten.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Als Rechtsanwältin in Wien dauerte es sicher zwei Jahre, bis ich erfolgreich war und mich auch so empfand. Am Anfang bekam ich noch keine Gelegenheit, meinen eigenen Weg zu gehen. Mit größerer Routine kam aber auch das Gefühl, wie ich selbständig agieren und unter eigener Verantwortung erfolgreich sein kann.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Vater, Jochen Höfer, der selbst in einer Führungsposition tätig ist, hat mir in vielen Situationen geholfen, den Blick auf das Wesentliche zu richten und strategische Entscheidungen zu treffen. Ratschläge der Eltern sind ja besonders wertvoll, weil man davon ausgehen kann, daß sie uneigennützig sind.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Ich finde, daß die Anwaltschaft nach wie vor nicht die Anerkennung in der Gesellschaft hat, die sie verdient. Das Image ist geprägt von Berührungsängsten und Mißtrauen. Ein solches Pauschalurteil ist sicherlich nicht gerechtfertigt; schwarze Schafe gibt es überall.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Das ist in Stunden oder Tagen nicht meßbar. In unserem Beruf ist die Fortbildung ein laufender Prozeß.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Es ist wichtig, sich umfassend zu bilden, vielseitig interessiert zu sein und auch außerhalb des Berufs Engagement zu zeigen. Fachliche und soziale Kompetenz sind heute gleichermaßen gefragt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte mich in Österreich etablieren und mir in absehbarer Zeit einen eigenen Klientenstock aufzubauen. Strukturell plane ich in absehbarer Zeit keine Veränderungen. Ich bin kein Einzelkämpfer und schätze sehr das konstruktive, kommunikative Verhältnis zu meinen Kanzleikollegen.