Zum Erfolg von Manfred Winkler
Was verstehen Sie unter Erfolg? Freude an der Arbeit zu haben.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Nein, meine Ziele habe ich noch nicht erreicht. Von Wien aus betreuen wir einen Markt von ca. 200 Mio. Personen, mein Ziel sind 250 Mio., aber das habe ich auch bald erreicht.
Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Daß ich früh verselbständigt war, meine Sprachkenntnisse und das Nützen meiner österreichischen Mentalität; mit allen Nationen gut umzugehen, zuzuhören und zuverstehen, sowie Geduld und Beharrlichkeit. Ich denke in weiträumigen Größenordnungen, in Grenzen der K&K Monarchie und darüber hinaus scheue ich kein Risiko und trage mit Freude die Verantwortung.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Durch mein weiträumiges Denken konnte ich die Zukunft der Knauf-Gruppe langfristig absichern. Wenn mir etwas gelingt, werde ich aber bescheidener und asketisch, ich münze Erfolg nicht sofort ins Finanzielle, auf Prestige oder Statussymbole um. Ich interessiere mich für den Erfolg anderer und lese jährlich 100.000 Seiten um up-to-date zu bleiben.Welche Rolle spielen Familie, Freunde und Mitarbeiter? Ich trenne Privates und Beruf strikt. Freunde habe ich nur wenige, da mich nur echte Persönlichkeiten interessieren. Ich suche besonders die Nähe zu anderen Kulturen und Lebensauffassungen. Freunde aus anderen Kulturkreisen führen mich zu neuen Denkweisen, das entspricht meinem kosmopolitischen Weltbild. Meine Mitarbeiter sind sehr selbstbewußt, weil ich ihnen viel Freiraum gestatte. Ich klone mich sozusagen in sie hinein und tausche auch einmal den Job mit ihnen, um die Nähe zur Basis nicht zu verlieren. Generell halte ich viel von Job-Rotation, um die Arbeit abwechslungsreich zu gestalten. Auch die Familien der Mitarbeiter binde ich mit ein, sie sollen auch stolz auf den Job des Partners sein, auch ein Mitglieder der Knauf-Familie zu sein. Das wirkt sich positiv aus und hat schon so manchen Mitarbeiter, der gehen wollte, gehalten. Bekommen Sie Anerkennung von außen? Mit meinem Wechsel zu Knauf konnte ich 1981, Gott sei Dank, auch alle Ehrenämter ablegen. Ich bin stolz darauf, trotz 40%iger Preiseinbrüche infolge des EU-Beitritts Österreichs höhere Gewinne einzufahren - ein Erfolg, der durch frühzeitige Einführung einer schlanken Organisation erzielt wurde. Daß das Lobeshymnen des Eigentümers nach sich zieht, freut mich natürlich und ich bin stolz darauf der erste Generaldirektor bei Knauf zu sein, noch vor einem General im Mutterhaus.Gibt es auch Niederlagen? Eine negative Bilanz wäre meine Schuld und eine Niederlage, dann würde ich gehen, aber solange 70% positiv erledigt werden ist das Erfolg. 30% Negatives sind Lehrgeld, das ich zu minimieren versuche. In einem Land haben wir im Bereich der Verputze versagt, das spornt mich aber nur an, um dort die Nummer 1 zu werden. Ich führe aber auch nur Kriege, die ich gewinnen kann. Starke Gegner mache ich mir zu Verbündeten, wenn es geht, sonst gehe ich ihnen aus dem Weg.
Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
In Thailand habe ich mit dem Taoismus gelernt mich zu disziplinieren, zu konzentrieren und mit meinen Schwächen umzugehen.
Ihr Lebensmotto?
Ich habe mein Leben gelebt und will zufrieden sterben. Meine Kunden sollen reich sterben.Ihr persönliches Erfolgsrezept? Sich rasch in andere hineindenken, Probleme aus der Sicht der Anderen zu sehen und zu lösen.Ihr Ratschlag zum Erfolg? Mehr arbeiten, als von einem verlangt wird.