Zum Erfolg von Elisabeth Stadler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich, wenn ich am Ende des Tages zufrieden auf die geleistete Arbeit zurückblicken kann.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Zufrieden bin ich erst, wenn ich im Haus eine 95-prozentige Belegung erreicht habe. Obwohl es mir bereits gelang, die Auslastung von ursprünglich 50 auf bereits über 80 Prozent in nur einem Jahr zu steigern, bin ich eher bescheiden.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich habe die Gabe zuzuhören und gegebenenfalls zu hinterfragen, um die Wünsche meines Gegenübers zu verstehen. Dazu gehört auch Diplomatie.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
In unserer Branche ist es als Frau vermutlich leichter, erfolgreich zu sein, weil es hier vor allem auf Gefühl ankommt. In anderen Betrieben, wo es weniger um Menschen, sondern mehr um eine Sache geht, haben es Männer vielleicht einfacher.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Das ist eher ein momentanes Gefühl; wenn unserem Team etwas gut gelingt, dann bin ich auf meine Mitarbeiter stolz. Die Schlüsselerlebnisse sind jeweils der Zusammenhalt meines Teams, wenn es darum geht Probleme zu lösen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Prägend war die offene, ehrliche Erziehung zu meinen Eltern und der Zusammenhalt innerhalb meiner Familie.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich bekam immer positives Feedback und Anerkennung, sowohl von den Patienten, den Angehörigen als auch von meinen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Mit ein Grund ist vermutlich, daß für mich das Wort unmöglich nicht existiert. Anerkennung gebe ich auch immer gerne an mein Team weiter.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Die Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg. Ohne den Zusammenhalt im Team und die Unterstützung meiner Mitarbeiter wäre diese Arbeit gar nicht möglich.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Zu Beginn mußte ich zum Wohl der Bewohner zahlreiche Veränderungen einführen. Das führte natürlich anfangs zu Widerständen beim Personal, und es war nötig, auch hier Maßnahmen zu ergreifen und auch mit Leihpersonal zu arbeiten. Inzwischen habe ich mir ein Team zusammengestellt, das mir zusagt.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Von meiner Seite gibt es viel Wertschätzung und Lob, meine Mitarbeiter schätzen an mir Ehrlichkeit, Korrektheit und eine immer offene Tür. Es gibt kaum ein anderes Haus, in dem die Bindung zwischen Leitung, Verwaltung und den Pflegeteams so eng ist.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Ich trete sehr autoritär auf. Das ist in diesem Beruf unerläßlich, da meiner Ansicht nach die Mitarbeiter im Pflegepersonal auch Künstler sein müssen, und Künstler benötigen einen roten Faden, an dem sie sich orientieren können. Sie haben dafür alle Freiheiten, die für die Bewohner positiv sind. Besonders in der Altenpflege muß es viel Freiraum geben.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Philosophie ist Leistungsorientierung im Dienste der Bewohner. Das bedingt nicht nur ausgezeichnete körperliche Pflege sondern auch die seelische Pflege, die auch die Angehörigen mit einbindet. Ich selbst kenne nicht nur jeden Bewohner mit Namen, sondern auch seine Angehörigen sowie alle Schwierigkeiten. Diese Obhut und Fürsorge macht die Stärke unseres Hauses aus.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Der Beruf ist derzeit natürlich der Mittelpunkt meines Lebens, und ich verbringe sehr viel Zeit im Betrieb, auch an den Wochenenden. Mein Mann ist selbständig und weiß daher, welcher Zeitaufwand dafür nötig ist. Meine ältere Tochter ist bereits aus dem Haus, und meine jüngere arbeitet im Haus als Kochlehrling. So kann ich Privatleben und Beruf ganz gut verbinden. Ich kann auch sehr gut abschalten.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Fortbildung ist für mich sehr wichtig, meine persönliche Weiterbildung mußte ich aber etwas zurückstellen, da es hier noch viel zu tun gibt. Um den Faden nicht zu verlieren, beschäftige ich mich sehr viel mit Fachliteratur. Die nächste Pflichtausbildung, die jetzt auf mich wartet, ist die zum Brandschutzwart.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
In diesem Beruf sind vor allem Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit gefragt. Mit einem offenen, ehrlichen Weg wird man sich vielleicht nicht immer nur Freunde machen, damit fährt man aber immer gut. Entscheidend ist, daß man sich nie unterkriegen läßt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln und mit dem Einsatz meiner Person ist es mein Hauptziel, die 95-prozentige Belegung zu schaffen. Ich habe ein starkes Selbstbewußtsein und bekomme auch viel Kraft durch die Gespräche mit den Bewohnern.
Ihr Lebensmotto?
Du sollst die Welt von oben sehen und über allen Dingen stehen! Dieser Spruch, den mir eine Freundin sagte, als es mir psychisch schlecht ging, begleitet mich nunmehr seit vielen Jahren. Ein weiterer Psalm-Spruch, den ich von Pfarrer Hildebrand bekam, einem Menschen, der sehr viel positive Energie ausstrahlt, ist: Mit seinen Flügeln schirmt Dich der Herr, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht!