Zur Karriere von Erika Navas
Was war für Ihren Werdegang ausschlaggebend? Ich komme aus einer sehr strukturierten Beamtenfamilie und wußte schon als Kind, daß ich nicht von 8-17 Uhr arbeiten möchte. Es war sozusagen eine Kontrastentscheidung, einen freien Beruf zu erlernen. Ich wuchs in Mexico auf und das prägte mich. Die Verwandten väterlicherseits waren Rechtsanwälte und Lehrer, sie waren alle sehr kreativ und vererbten mir wahrscheinlich meine kreative Ader. Als ich 5 war, übersiedelten wir nach Wien, aus reichen in arme Verhältnisse. Ich ging zuerst in ein Sportgymnasium, mußte es aber wegen ungeeigneter Physiologie frühzeitig verlassen und wechselte an ein Wirtschaftsgymnasium. Meine erste Begegnung mit der war ein Nachthemd, für welches ich eine 5 bekam. Das war für mich ein Anreiz, ich dachte mir, daß muß ich doch schaffen können. Seit meinem 12. Lebensjahr nähte ich mir meine Kleider selber, weil wir uns keine leisten konnten. Gegen den Willen meiner Eltern (ich was das schwarze Schaf der Familie) entschloß ich mich für die HTL für Bekleidungsgewerbe in der Herbststraße, wo ich die Abteilung Mode im Jahre 1980 mit Matura abschloß. Diese Ausbildung war für mich insofern wichtig, weil wir dort auch kaufmännische Kenntnisse erwarben. Ich betrachte das als einen Hauptteil meines Erfolges. Nach der Matura machte ich die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für angewandte Kunst, weil mich die Geschichte der Kleider auf der ganzen Welt und deren Hintergründe interessierte. Leider löste man die Fakultät Bühnenkostüm auf, und ich entschloß mich statt des Studiums mir praktische Erfahrung anzueignen. 1978, noch während der HTL fertigte ich schon Kostüme für zwei kleine Fernsehspiele an und der ORF war bereit, mich zu engagieren. Für mich war aber die Ausbildung das Wichtigste und ich wollte die Schule unbedingt fertig machen. In den 80er Jahren beschäftigte ich mich mit Medizin, im Besonderen mit Psychiatrie (eigentlich wollte ich immer Medizin studieren und las schon als Kind Freud). Ich sammelte nicht nur in Österreich, sondern auch in Schweden, Deutschland und Spanien Erfahrungen in dieser Branche, . In dieser Zeit (1982-85) knüpfte ich viele Kontakte und arbeitete auch viel ohne Lohn, da ich es als Art Studium sah.Und wie war der Übergang zu bezahlten Tätigkeiten? Da ich mir eine Frist setzte, hielt ich mich auch daran und es bot sich dann schließlich auch die Gelegenheit. Ich bin anstelle einer Kostümbildnerin beim erfolgreichen Film Schmutz von Paulus Manker eingesprungen. Im gleichen Jahr (1985) arbeitete ich beim Film Das Diarium des Dr. Döblinger, wo Helmut Qualtinger seine letzte Rolle spielte. Diesen Film machte Michael Schottenberg, der dann eine wichtige Rolle in meiner Karriere spielte, weil ich mit ihm viel zusammenarbeitete. Damals ist es mir zum ersten Mal gelungen, mich als Kostümbildnerin zu behaupten. Ich mußte über meinen Schatten springen, aber ich überwand diese Schwelle und nach einer Besprechung wurde ich als Kostümbildnerin engagiert. Das war mein Durchbruch und seit 1985 arbeite ich sowohl für den Film, als auch für das Theater. Die Filme, bei denen ich mitwirkte, sind Festivalfilme, manche sind preisgekrönt, unter anderem Caracas (Regie Michael Schottenberg), Die Rebellion ( Regie M. Haneke), der letzte große österreichische Filmerfolg Hinterholz 8 (Regie H. Sicheritz), die neue Fernsehserie mit Christine Hörbiger Die Bezirksrichterin. Durch Kontakte, die ich während meiner Praxis sammelte, lernte ich viele Produzenten kennen und konnte somit leichter die Unternehmen wechseln. Ich habe nie bei einer Produktion mitgearbeitet, von deren künstlerischen Qualität ich nicht überzeugt gewesen wäre. Ich arbeitete auch für das Volktheater (Cyranno Regie M. Schottenberg, Mirandolina Regie M. Schottenberg) und fertigte die Kostüme für Liliom im Burgtheater Regie Paulus Manker.Was bedeutet für Sie Kostüm? Kostüm ist für mich die Möglichkeit, den Typ und die Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Für mich ist es das größte Kompliment wenn jemand sagt: Hat jemand Kostüme gemacht?. Die Kostüme müssen in das Gesamtkonzept passen und die künstlerische Wirkung des Werkes unterstützen.