Zum Erfolg von Ulrich Götschmann
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg heißt für mich, eine gewisse Unabhängigkeit zu haben sowie Freude an dem, was ich mache. Schon vor meiner Selbständigkeit fertigte ich gerne Skizzen und Zeichnungen für andere Wahnsinnige, die an kniffliger Technik interessiert waren. Ich schätze mich glücklich, meine Frau an meiner Seite zu wissen und meine Faszination für Präzision professionell umsetzen zu können.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich vereine handwerkliche Fähigkeiten mit fundierten theoretischen Kenntnissen und lege Wert auf Detailgenauigkeit und Innovation. Ich weiß, was wir als Unternehmen leisten können und was nicht, und nehme nur entsprechende Aufträge an.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich konzentriere mich auf Wesentliches: Entwicklungsprozesse erfordern Zeit und Konzentration, Hektik ist dabei fehl am Platz.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Seit der Präsentation meines ersten Prototypen vor Fachpublikum empfinde ich mich als erfolgreich: Kein Mensch - und ich am allerwenigsten - hatte mit der damit einhergehenden positiven Resonanz aus Fachkreisen gerechnet.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Nach einem sehr guten Start brach das Kaufinteresse an meinen automatischen Projektoren abrupt ab, und ich stand vor einem großen Fragezeichen, wie es weitergehen sollte. Gegen meinen ursprünglichen Entschluß machte ich mich an die Konstruktion eines wesentlich günstiger herzustellenden manuellen Gerätes zum Schieben.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Für Erfindungen ist Originalität bahnbrechender als Imitation. Allerdings ist es durchaus sinnvoll, Bewährtes umzufunktionieren. Ich nutzte beispielsweise die optischen Komponenten des Automaten, die Beleuchtungselektrik, ließ den Antrieb weg und erzeugte damit unser erstes manuelles Gerät. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Praktische Starthilfe bekam ich 1976 auf der Photokina von Herrn Dokter, bekannt für seine Auto-Scheinwerfer. Dank seiner praktischen Ratschläge gelang mir später die Entwicklung eines effizienten Kondensorsystems für die 400-Watt-Lampe.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Götschmann®-Geräte sind in aller Welt im Einsatz, im Guggenheim-Museum, bei General Motors, von Zentraleuropa über die arabischen und asiatischen Länder bis nach Argentinien: der Erfolg der Geräte und die hohe Reputation als Top-Geräte spricht für sich und freut mich sehr.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Das Marktinteresse verlagert sich zunehmend hin zur digitalen Technik. Dieser Trend ist nicht umkehrbar, aber es ist sinnvoll, sich darauf einzustellen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Mitarbeiter spielen eine wichtige Rolle. Dank der Kompetenz unseres ersten Mitarbeiters konnten meine Frau und ich nach Jahren des Dauereinsatzes erstmals wieder freie Wochenenden genießen. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Die fachliche Qualifikation ist entscheidend, wobei auch der persönliche Eindruck und Sympathie wichtige Faktoren sind.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir pflegen einen familiären Umgang und tauschen Informationen aus, auch auf persönlicher Ebene. Meine Mitarbeiter können sich auf mich verlassen, und ich mich umgekehrt auf sie.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Als kleines Unternehmen verfügen wir über die nötige Flexibilität zur Herstellung von Sondergeräten. Wir investieren in technische Ausgefeiltheit, nicht in Design. Unsere Schrägkante ist mittlerweile jenseits von Moden und Trends zum Markenzeichen geworden.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ich halte mich schon aus persönlichem Interesse auf dem aktuellen Stand der Technik. Unsere Technik ist gewissermaßen archaisch, unsere Projektoren sind für das bewegte Bild geschaffen. Nur durch stetige Verbesserung unserer Nischenprodukte im Mittelformat bleibt ihre Attraktivität für den immer kleiner werdenden Markt erhalten: Die Auflösung von 50 Mio. Pixel bei 6.000 ANSI Lumen spricht für sich, auch im Vergleich mit den besten digitalen Beamern.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Im Gegensatz zu unseren Anfangsjahren als Geschäftsleute gelingt es meiner Frau und mir heute bestens, auch abzuschalten. Dank unseres versierten Mitarbeiters können wir uns Auszeiten nehmen, von denen wir schon gar nicht mehr zu träumen wagten.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Weiterbildung betreibe ich laufend, ich halte sie für enorm wichtig, auch im Hinblick auf ein gesundes Weiterbestehen. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Meine Frau vergleicht unsere Anfangszeit gerne mit einem Tunnel, der endlos schien, bis sich endlich ein Lichtblick zeigte. Ich kann nur empfehlen, an sich zu glauben, sich für seine Ideen einzusetzen und positiv zu denken.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ein Ziel ist, Götschmann®-Diaprojektoren eines Tages gesund in geeignete Hände zu übergeben. Wenn das Unternehmen weiter prosperiert, während meine Frau und ich dann ausgedehnte Fernreisen genießen, ist das eine schöne Zukunftsmusik.