Zum Erfolg von Susanne Ebner-Gösweiner
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet, etwas zu tun, das man gern tut, und davon leben zu können.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Man darf sich nicht beeinflussen lassen, sondern muß seine Sache durchziehen und dabei flexibel sein. Die Tierarztpraxis mußte in kürzester Zeit ins Laufen kommen, und es wird von Jahr zu Jahr besser.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Probleme entstehen nur durch mangelnde Kommunikation. Wenn sich ein Kunde ärgert, etwa wegen einer Wartefrist bis zur Schlachtung nach einer Behandlung, möchte ich das sofort ausdiskutieren. 99 Prozent der Gesprächspartner lenken dann schnell wieder ein.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Ich glaube schon, daß es Männer in diesem Beruf deutlich leichter haben, sie haben eine Frau, die ihnen den Rücken freihält und die Hausarbeit erledigt.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ab dem zweiten Jahr nach der Praxiseröffnung sah ich, daß es aufwärts geht.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Die beste Entscheidung war, daß ich, weil ich keine Assistentenstelle bekommen hatte, keine Abstriche machte, sondern mein Berufsziel anstrebte und die Praxis sofort eröffnete. Natürlich steht man dann oft vor einem Problem, das man allein lösen muß, ohne einen Chef fragen zu können. Aber da muß man durch, und man lernt viel dabei. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Originalität. Weil jeder Tierarzt einen anderen Charakter hat, kann sich jeder das Arbeitsgebiet suchen, das am besten zu ihm paßt. Einige spezialisieren sich zum Beispiel eher auf Pferde, andere auf Kleintiere oder auf landwirtschaftliche Nutztiere. Landwirte müssen absolutes Vertrauen in den Tierarzt haben, weil ihre Existenz von den Tieren abhängt. Man muß sich auf der menschlichen Basis gut verstehen und wird von den Landwirten beurteilt und eingestuft.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung erfahre ich jeden Tag aufs Neue, wenn kranke Tiere wieder gesund werden oder wenn sich dann doch der lang ersehnte Nachwuchs einstellt.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Landwirtschaftskammer- und Tierärztekammerfunktionäre bewegen sich ziemlich weit entfernt von der Basis, wenn es beispielsweise bei Tarifverhandlungen heißt: da werden wir schon junge Tierärzte finden, die für weniger Geld arbeiten. Außerdem sollten laut Gesetz die Tierärzte Betriebe kontrollieren und Mängel bei der Tierhaltung beim Land anzeigen. Wenn man jemand anzeigt, verliert man aber logischerweise einen Kunden.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Freundschaftliche Kontakte leiden schon sehr unter der unregelmäßigen Arbeitszeit mit Wochenenddiensten.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine Mutter hilft mir sehr bei der Kinderbeaufsichtigung.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Für Fortbildung verwende ich rund fünf Wochenenden im Jahr.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Junge Leute sollen das machen, was ihnen am Herzen liegt. Für gute Leute, die eine Sache mit dem Herzen machen, ist immer Platz in der Arbeitswelt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte mein Arbeitspensum etwas zurückschrauben.
Ihr Lebensmotto?
Keep smiling.