Zum Erfolg von Csaba Székely
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich das Erreichen eines Zieles in Kombination mit Anerkennung und Wohlbefinden. Erfolg ist auch dann gegeben, wenn man die Umsetzung einer Idee sozusagen mit Händen greifen kann.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin sehr selbstkritisch und spüre in Phasen, in denen bestimmte Bemühungen nicht das gewünschte Ergebnis bringen, ein gewisse innere Unruhe und Unzufriedenheit. Ich bin mir selbst gegenüber sehr anspruchsvoll, und diesen Ansprüchen kann ich nicht immer genügen, auch wenn meine Freunde zuweilen meinen, daß ich der einzige sei, der mich unter Druck setzt. Das mag auch daher rühren, daß mir mein Vater stets sagte, wir seien Gäste in diesem Land und ich müsse mich daher besonders anstrengen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Die Faktoren meines Erfolges sind Zielstrebigkeit, Ausdauer, vielleicht auch eine mit Witz und Charme verbrämte Hartnäckigkeit. Man sagt mir auch einiges Kommunikationstalent nach, obwohl es natürlich auch Momente gibt, in denen ich die Ruhe schätze. Es genügt nicht, nur ein gutes Produkt zu haben, man muß es auch vermitteln können. Schließlich darf man nicht vergessen, die Fortüne zu erwähnen, die auf jedem erfolgreichen Weg zweifellos wesentlichen Anteil hat.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Seltsamerweise hatte ich niemals Idole. Es gab allerdings in meinem Leben einen entscheidenden Förderer, den damaligen und auch heutigen Chef der Wirtschaftsredaktion der Kronen Zeitung, Georg Wailand. Ich arbeitete dort während meines Studiums als freier Mitarbeiter. Eines Tages bot er mir einen fixen Redakteursposten an, fragte mich aber, wie lange ich noch zu studieren hätte. Als ich ihm erklärte, etwa zwei Jahre, meinte er, es gäbe genügend verkrachte Existenzen unter den Journalisten, ich möge doch unbedingt fertigstudieren. Ich bin ihm heute noch dafür dankbar, obwohl er sich vielleicht gar nicht bewußt ist, wie wesentlich sein Rat für mich war. Einen zweiten wesentlichen Impuls erhielt ich indirekt vom ehemaligen Staatssekretär und jetzigen Generaldirektor der OMV, Dr. Wolfgang Ruttenstorfer, von dem ich lernte, daß man Akten nicht liegen lassen darf, sondern sie entweder sofort erledigen oder gleich weiterleiten oder delegieren soll. Ein leerer Schreibtisch ist ein Indikator für konsequentes Entscheiden.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die Tatsache, daß ein Österreicher innerhalb der Raaber Bahn auch weitgehende operative Agenden für den ungarischen Unternehmensteil übertragen erhält, war bisher undenkbar. Im Zusammenhang mit der anstehenden Nachbesetzung des Generaldirektors gibt es - im übrigen vollkommen unrealistische - Spekulationen, daß ich dessen Nachfolger werden könnte. Allein die Tatsache, daß solche Gedanken zirkulieren, obwohl sie wie gesagt ziemlich unwahrscheinlich sind, ist für mich natürlich eine große Ehre.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Zunächst fällt mir die Konkurrenzsituation in Bezug auf die Straße ein, die kostenmäßig eindeutig zu Lasten der Schiene geht, woran die Wettbewerbspolitik der EU auch nicht ganz unbeteiligt ist. Weiters gibt es auch leider eine Art Eisenbahn-Kannibalismus anstatt einer sinnvollen Konzertation und Kooperation, die allen etwas brächte. Es geht ja nicht darum die Straße umzubringen, was ja unmöglich wäre, man sollte sie nur entlasten und davon profitieren. Schließlich glaubt man insbesondere in der Politik, daß man die Probleme der Bahn primär nur durch Personalabbau lösen könnte, was natürlich nicht stimmt.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
In erster Linie ist da die Beweglichkeit als mit Abstand kleinerer zwischen zwei relativen Riesen (ÖBB und MAV) zu nennen, zweitens die Tätigkeit in zwei Staaten. Obwohl es natürlich auch mit Problemen verbunden ist, hat es große Vorteile, in beiden Mentalitäten zu Hause zu sein. Schließlich befinden wir uns immer noch an der Schnittlinie zwischen der alten und der neuen EU, was für uns ebenfalls einen gewissen Vorteil bedeutet.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Das Geschäft ist zweifellos härter geworden, da es zunehmend Konkurrenz gibt. Es gehört nun auch dazu, daß man manchmal den Großen mit Genuß auf die Zehen steigen kann.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Relativ gut. Sicher litt meine erste Ehe unter meinen langen Bürozeiten. Derzeit gelingt es mir aber mit relativ großer Konsequenz, die Balance zu halten. Ich gehöre nicht zu jenen Managern, die sich damit brüsten, daß sie auch Samstag und Sonntag arbeiten. Ich achte darauf, daß mein Wochenende meiner Frau und mir gehört.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Einerseits rate ich zur Demut, die heute vielleicht ein bißchen fehlt, und andererseits zu einer fundierten und umfassenden Bildung, die es einem erlauben sollte, die Zusammenhänge besser zu erfassen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist, daß wir die Westpannonische Eisenbahn werden, wozu wir die bestehenden Verbindungen einerseits verbessern und andererseits ausbauen müssen. Wenn es mir gelingt, bis zu meiner Pensionierung hier die wesentlichen Weichen zu stellen, hätte ich ein entscheidendes Ziel erreicht.
Ihr Lebensmotto?
Nil petere, nil recusare. (Nichts fordern, nichts zurückweisen).