Zum Erfolg von Cordula Frieser
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich bedeutet Erfolg eine innere Harmonie, meine seelische Balance, also eine Ausgewogenheit zwischen allen Bedürfnissen und Umständen. Erfolg bedeutet für mich, gesund zu sein, familiäres Glück und Freude am Beruf zu haben und in diesem Kontext meine persönliche Freiheit zu bewahren, also von niemandes Gunst oder Gnaden abhängig zu sein.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition sehe ich mich als erfolgreich. Ich bewahrte mir stets meine persönliche Freiheit und war daher nie korrumpierbar. Alles, was ich tat, tat ich aus innerer Überzeugung und mit gutem Gewissen.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ausschlaggebend waren sicherlich Situationen, in denen ich Entscheidungen treffen mußte, die nicht die bequemsten waren. Als ich heiratete, war ich noch keine 20, im dritten Semester meines Studiums und bereits Mutter. Ich hatte einen gut verdienenden Mann, und es wäre bequem gewesen, für den Rest meiner Tage als Hausfrau und Mutter ausgesorgt zu haben, und trotzdem entschied ich mich dafür, das Studium fortzusetzen. Eine weitere Entscheidung und damit Erweiterung meines Lebenshorizontes war jene, das Angebot des Mandates anzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich, daß ich mit dem Mandat auf sehr viel Materielles verzichtete, doch es bedeutete für mich damals im Jahre 1986 eine Ehre und Auszeichnung, von Josef Krainer jun. am Zenit seiner politischen Karriere gefragt zu werden, als Frau diese Funktion zu übernehmen. Ich sehe mich nicht als extrem ehrgeizig, bin aber sehr zielstrebig, und um meine Ziele zu erreichen, arbeite ich effizient. Zu meinen strategischen Überlegungen zählte stets die Frage, wieviel Zeit ich für etwas habe, und wie ich sie optimal und effizient einsetze. Einer meiner Erfolgsfaktoren ist, daß ich mich nie verbissen auf nur eine Sache konzentriere, sondern immer auch eine Alternative parat halte. Wer nämlich keine Alternativen hat, wird bei der Verfolgung seines Zieles schwach. Stößt man dann auf Widerstände, kann man nicht mehr gelassen agieren, doch cool zu bleiben ist unbedingte Voraussetzung für den Erfolg. Sobald man dem Gegenüber Abhängigkeit signalisiert, ist man schon verloren. Dies ist auch der Grund, warum ich in den Jahren meiner Tätigkeit als Abgeordnete diese Kanzlei nie aufgegeben habe, obwohl es manchmal sehr schwierig war, alle meine Aktivitäten organisatorisch unter einen Hut zu bringen. Ich unterziehe alle meine Handlungen einer Nachbetrachtung, denn ich habe es mir zum Prinzip gemacht, aus Fehlern zu lernen. Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Ich persönlich hatte nie das Gefühl, es schwerer zu haben als ein Mann. Ich bin sogar der Meinung, daß Frauen in gewisser Weise privilegiert sind. Wenn man als Frau die Möglichkeit hat, einen Beruf zu wählen, den auch ein Mann ausübt, und wenn man dann noch die Fähigkeiten, die Frauen verstärkt mitbringen, wie zum Beispiel Einfühlungsvermögen, einbringen kann, möchte man sich sogar überlegen fühlen.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Als ich 1978 die Steuerberaterprüfung ablegte, empfand ich mich als erfolgreich. Es gab damals in Graz nur drei geprüfte Steuerberaterinnen von 50 Steuerberatern insgesamt. Ein weiteres Erfolgserlebnis ist mir im Zusammenhang mit der Abschaffung der Werkverträge in Erinnerung. Diese Maßnahme war grundsätzlich zur Vermeidung des Mißbrauchs schon sinnvoll. Bei der Reform schoß man allerdings weit über das Ziel hinaus, und ich stimmte dem nicht zu. Ich konnte diese Bestimmung leider nicht verhindern, mit Zustimmung eines Drittels der Abgeordneten konnte aber eine Verfassungsklage eingebracht werden, um den Verfassungsgerichtshof zu verpflichten, sich nochmals mit der Thematik zu befassen. Als Schlüsselabgeordnete unterstützte ich die Grünen, die Liberalen und die FPÖ, und so wurde diese Verfassungsklage möglich, was tatsächlich dazu führte, daß die Bestimmungen in wesentlichen Teilen aufgehoben wurden.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ich wurde sicherlich von meiner Mutter geprägt. Meine Mutter kam aus dem Milieu der Großgrundbesitzer und war recht pragmatisch und erdverbunden. Ich wurde sehr streng erzogen. Obwohl wir keine materielle Not litten, bekamen wir von Anfang an eine wertschätzende Haltung gegenüber materiellen Dingen mit. Von meiner Mutter lernte ich, effizient zu arbeiten. Meine Mutter brachte mir schließlich auch die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Unabhängigkeit für eine Frau nahe.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Meine Mitarbeiter verfügen über sehr viel Eigenverantwortung und einen großen Entscheidungsspielraum. Zugleich wissen sie, daß sie mich jederzeit fragen können. Wenn mir eine Mitarbeiterin im Zuge einer Nachbesprechung sagt, was ich hätte besser machen können, bin ich ihr dafür dankbar.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Mit Bildung fängt alles an. Unter Bildung verstehe ich auch eine gewisse Herzensbildung und soziale Kompetenz. Wer dies mitbringt, kann auch gut mit Mitarbeitern und Klienten umgehen. Wenn ich mir eine Strategie zur Verfolgung eines Zieles ausdenke und weiß, welche handelnden Personen mich auf diesem Weg begleiten werden, muß ich mich in diese hineindenken und wissen, wie ich auch diese Personen für meine Idee begeistern und gewinnen kann.
Ihr Lebensmotto?
Authentisch sein, einem gewissen Humanismus und einem gewissen Liberalismus verpflichtet.