Zum Erfolg von Ulrich Weber
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, in seinem Beruf erreichen zu können, was man sich zum Ziel gesetzt hatte. Dabei ist es auch wichtig, daß man seine Grenzen erkennt und weiß, wohin man gehört.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich denke, daß mir dies im Sinne meiner Definition ganz gut gelungen ist. Mitentscheidend für mein Erfolgserleben waren die beiden Möglichkeiten, im Theaterbereich etwas ganz anderes zu machen als die Tätigkeit als Wirtschaftstreuhänder.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich hatte das Glück, von einer Frau begleitet zu werden, die alles mir mit aufbaute und es auf sich nahm, wenn der Beruf mich über Gebühr beanspruchte. Ohne sie wäre mir mein Erfolg nicht möglich gewesen. Darüber hinaus führte ich ein vernünftiges und maßvolles Leben, wodurch ich auch eine gewisse Stabilität erreichte, die für den Erfolg sehr wesentlich war. Ich darf auch sagen, daß ich viele und gute - auch junge - Freunde habe, was ich auch als persönlichen Erfolg erlebe.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Der entscheidende Punkt war das Bestehen der Wirtschaftsprüferprüfung. Ich hatte ja keine Zeit, Kurse zu besuchen und erarbeitete mir neben meiner beruflichen Tätigkeit alles mehr oder weniger allein.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Prof. Dr. Max Stadler, ein hervorragender Wirtschaftsprüfer und Hochschulprofessor, war der Geschäftsführer der ersten Kanzlei, in der ich arbeitete und u.a. auch Berater von Bundeskanzler Kreisky. Er war ein Mensch, der auf seine Mitarbeiter Rücksicht nahm, der uns großzügig führte, aber gleichzeitig auch anspruchsvoll war. Er begleitete mich in den Jahren bis zur Prüfung, war mir Vorbild und auch Förderer. Wir haben uns bis zu seinem Tod nicht aus den Augen verloren.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Als ich das Burgtheater wegen des Direktionswechsels verlassen wollte, bot mir der damalige Generalsekretär der Bundestheater, Robert Jungbluth, die Verwaltungsdirektion der Staatsoper an. Ich verzichtete allerdings darauf, weil ich im Musiktheater nicht ganz so sattelfest war. Ich bereue diesen Schritt nicht, denn sonst wäre ich heute schon längst in Pension.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Als Problem erscheint mir die Entwicklung in Richtung der großen internationalen Kanzleien, die den Mittelkanzleien wie der unseren vielleicht nicht mehr so viel Platz lassen, obwohl diese auch ganz spezifische Vorteile haben. Außerdem tendieren die meisten großen Betriebe zu einer immer größeren Konzentration, und so bekommen auch die großen Kanzleien die Aufträge für die Gesamtheit der jeweils neu entstehenden Konzerne.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir können aufgrund unserer überschaubaren Größe auf unsere Klienten sehr persönlich eingehen und bieten Leistungen als Prüfer, Berater und Gutachter.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ich würde sagen offen und fair. Wir kennen etliche Kollegen und pflegen ein gutes Verhältnis miteinander.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Jetzt ist es doch leichter. Meine Kinder, die nun schon erwachsen sind, lassen es aber durchaus anklingen, daß ich früher nicht genügend Zeit für sie hatte. Ich versuche das heute dadurch wettzumachen, daß ich mir Zeit für meine vier Enkel nehme.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? In unserem Beruf ist natürlich eine gute Berufsausbildung absolute Voraussetzung. Ich würde den jungen Berufsangehörigen raten, die ersten Jahre in einer mittleren oder kleinen Kanzlei zu arbeiten und so schnell wie möglich die Fachprüfungen abzulegen. Ganz allgemein würde ich der Jugend raten, im Leben nicht alles dem Beruf unterzuordnen, sondern der Familie und dem Freundeskreis entsprechenden Raum zu lassen und sich Zeit für Menschen zu nehmen, denen es nicht so gut geht wie einem selbst.