Zur Karriere von Gerhard Bedus
Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Ursprünglich wollte ich den Beruf des Radio- und Fernsehmechanikers erlernen. Da zu dieser Zeit aber keine geeignete Lehrstelle frei war, absolvierte ich bei der Firma Benedikt & Jäger eine Elektromechanikerlehre. Eigentlich wäre Fernmeldemonteur meinem Wunschberuf näher gewesen, aber ich war falsch informiert worden. Nach dem Bundesheer arbeitete ich bei den E-Werken in der Funkabteilung. Diese Sparte hätte ziemlich genau meinen Vorstellungen entsprochen, leider fehlte mir das entsprechende Fachwissen in der Halbleitertechnik. Ehe man mich in eine andere Abteilung versetzen konnte, kündigte ich nach einigen Monaten und begann bei der Firma Wertheim als Prüfer für die Steuerung von Aufzügen und Rolltreppen. Da das Verdienstschema im Vergleich zu anderen Kollegen aus meiner Sicht nicht wirklich gerecht war und sich nach neun Jahren eine gewisse Routine eingestellt hatte, wollte ich mich beruflich verändern. Während dieser Zeit erwachte auch mein Interesse an Computern, und ich erlernte in einer zweijährigen Abendschule die Cobol-Programmiersprache. Da kam von der Firma Wertheim das Angebot an die Mitarbeiter, bei vollem Abfertigungsanspruch zu kündigen. Ich ergriff diese Gelegenheit beim Schöpf und stieg 1985 bei der Interunfall in die Versicherungsbranche ein. Bei diesem Quereinstieg unterstützen mich meine damalige Frau und ihr Großvater, die ebenfalls in diesem Unternehmen tätig waren. So war ich bis 1990 im Außendienst bei der Interunfall-Versicherung tätig. Meine Programmierkenntnisse kamen mir sehr entgegen, da wir zur Vereinfachung der Berechnung von Lebensversicherungen einen Texas-lnstruments-Rechner erhielten, den ich in meiner Freizeit mit der Kraftfahrzeugversicherung programmierte. Das klappte sehr gut, und mein Geschäftsstellenleiter schickte mich in die Generaldirektion, wo ich die Funktionsweise demonstrierte. Leider verfügten die TI-Rechner über zu wenig Speicherplatz, und die ganze Sache wäre zu aufwendig gewesen. Ein Kollege, der auf seinem Arbeitsplatz einen Commodore-Computer mit DOS-Zusatzkarte hatte, fragte mich, ob ich dieses Programm auf seinem Rechner schreiben könnte. Ich sagte ja. Mein damaliger Kollege Adolf Bleich, der schon sehr lange im Außendienst tätig war, hatte ganz andere Erfahrungen und Probleme als ich mit kurzer Außendiensterfahrung. Daher konnten Anwenderwünsche von allen Altersgruppen berücksichtigt werden. Kunden und Mitarbeiter die zufällig anwesend waren, mußten zeitweise als Versuchskaninchen herhalten - sie taten es gerne. So erarbeiteten wir in knapp einem Jahr ein Programm für diverse Versicherungssparten: Eigenheim, Haushalt, Kranken, Kfz und 1 Tarif Ab- und Erleben. Gleichzeitig entwickelten Kollegen in Tirol eine Datenbank. Da dies im Hause Interunfall nicht unbemerkt blieb, wurden wir beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Interunfall-Rechenzentrum diese beiden Applikationen miteinander zu verbinden. Im Rahmen eines Versuchsprojektes erhielten je zehn Mitarbeiter in Tirol und Wien einen Laptop, auf dem die Datenbank und unser Berechnungsprogramm liefen. Nachdem alles bestens funktionierte, erhielt ich das Angebot, vom Außendienst in den Innendienst zum Rechenzentrum zu wechseln. Dort sollte ich in einem Team mitarbeiten und die Software in eine andere Programmiersprache umsetzen und unter Mitarbeit der Fachabteilung und des Vertriebes weiterentwickeln. Das war die Geburt des ADI-Programmes. ADI stand für AußenDienst Informations Programm und war gleichzeitig der Spitzname meines Außendienstkollegen Adolf Bleich. Diese Herausforderung nahm ich gerne an und war zwei Jahre im Rechenzentrum tätig. 1991 wechselte die Interunfall in den Besitz der Ersten Allgemeinen Generali, und wie häufig in solchen Fällen wurde Personal abgebaut, wovon auch ich betroffen war. Über ein Vermittlungsbüro kam ich dann zur Firma Taylorix, wo ich ein Warenwirtschaftsprogramm betreute. Nach einem Jahr sperrte die Muttergesellschaft Porsche dieses Unternehmen aber zu. Ein ehemaliger Arbeitskollege der Interunfall Versicherung sagte mir eines Tages, daß das Versicherungsmaklerbüro Schwinghammer Renate jemanden zum Aufbau eines Datenbankprogrammes sucht. Diese Aufgabe war ideal für mich, da meine Erfahrungen und Kenntnisse als Außendienstmitarbeiter, Kundenbetreuer und Programmierer gebraucht wurden. Zusätzlich konnte ich nebenbei noch meine früheren Interunfall-Kunden mit den Vorteilen eines Versicherungsmaklers betreuen. Mit der Zeit kümmerte ich mich nicht nur um die Aktualisierung und Verbesserung der Datenbank, sondern unterstützte Frau Schwinghammer auch bei der Kundenbetreuung. Als sie 1998 verstarb, löste ich den Gewerbeschein für Versicherungsagenten und bin seither auf diesem Gebiet selbständig tätig. Meine wahre Leidenschaft gehört aber nach wie vor den Computern und der Programmierung.