Zum Erfolg von Anna Wierländner
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Es ist ein gutes Gefühl wenn ich merke, daß ich mit meinem Geschäft bei den Kunden gut ankomme. Ich bemühe mich, mein Sortiment nach den Wünschen der Kunden auszurichten. Wenn dieses Konzept angenommen wird, ist das eine Genugtuung und letztlich auch mein persönlicher Erfolg.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im großen und ganzen schon, es gab aber auch wirtschaftlich schwierigere Zeiten. Als ich Anfang der achtziger Jahre das Geschäft übernahm, war ich der einzige Anbieter von exklusiver Schuhmode in meiner Umgebung. Im Laufe der Zeit eröffnete eine ganze Reihe ähnlicher Geschäfte, was eine gewisse Umstellung erforderte. Aber heute läuft es sehr gut und ich fühle mich erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich bin ein Mensch, der positiv denkt und nicht aufgibt. Als das Geschäft nicht so wunschgemäß florierte, habe ich auch diese Phase mit Geduld überwunden. Leute, die ständig jammern, daß etwas nicht geht, verstehe ich nicht. Ich glaube, daß alles möglich ist, der Wille kann Berge versetzen. Geht nicht gibt's nicht bei mir. Auch ich habe natürlich Tage, an denen ich mich nicht so gut fühle. Dann lese ich ein wenig in Büchern über Positives Denken - und schon geht es wieder besser.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Frauen, die in großen Firmen und Konzernen angestellt sind, haben sicher mit Benachteiligungen gegenüber Männern zu kämpfen. Für sie ist es wahrscheinlich schwieriger, Karriere zu machen. Ich als selbständige Unternehmerin habe diese Probleme Gott sei Dank nicht. Ich finde, eine Frau kann genauso erfolgreich sein wie ein Mann.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Bei meiner Ware achte ich sehr auf Originalität, auf das Außergewöhnliche. Schließlich will ich mich ja von üblichen Schuhgeschäften und Handelsketten abheben. Ich führe zum Beispiel Schuhe von Rosetti, eine exklusive italienische Marke, die sonst nur schwer zu bekommen ist. Alleine deswegen kommen viele Kunden zu mir.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ich besuchte schon als kleines Kind meinen Vater im Geschäft und brachte ihm nach der Schule das Essen. Dieser Geruch nach Leder und Schusterleim faszinierte mich. Das waren prägende Erlebnisse, die wahrscheinlich auch meinen Berufsweg beeinflußten. Als mein Vater in Pension ging, war für mich ganz klar, daß ich das Geschäft übernehmen werde.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich erfahre täglich Anerkennung von meinen zufriedenen Kunden. Außerdem habe ich einen großen Kreis an Stammkunden, die immer wieder bei mir einkaufen. Auch dadurch wird meine Arbeit anerkannt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Früher waren die Abverkaufszeiten geregelt, heute hängen schon Anfang Juni Plakate mit Sommerschlußverkauf in den Auslagen. Diese Politik ruiniert die Preise, und am Ende jammern alle über zu niedrige Umsätze. Das kann ich nicht nachvollziehen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Die Stärke des Unternehmens liegt in der Exklusivität der Produkte. Speziell die Edelschuhmarke Rosetti ist fast ausschließlich in meinem Geschäft erhältlich. Das persönliche Eingehen auf die Wünsche der Kunden sowie meine Betreuung und Beratung sind ebenfalls gefragt und zeichnen das Geschäft aus.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Das klappt wunderbar. Mein Sohn ist längst erwachsen, und ich kann mein Privatleben und meine Freizeit herrlich genießen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Es ist wichtig, sich ein Ziel zu setzen und konsequent an dessen Umsetzung zu arbeiten. Wer positiv denkt, wird es auch schaffen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Möge alles so gut weiterlaufen wie bisher!
Ihr Lebensmotto?
Glaube mir, es zeugt nicht von Weisheit zu sagen: Ich werde leben. Allzu spät ist es, morgen zu leben: Lebe heute! (Marcus Valerius Martialis)