Zum Erfolg von Judith Novotny
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Ich gehe in meinem Beruf vollkommen auf, und es ist mir persönlich wichtig, meine Arbeit so zu erledigen, daß vor allem die Auftraggeber, Kollegen und auch ich selbst mit der Arbeit zu 100 Prozent zufrieden sein können. Das, und etwas Greifbares zu schaffen, bedeutet für mich Erfolg.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin mit meiner bisherigen Arbeit, mit dem, was ich erreicht habe, zufrieden, aber ich sehe mich noch lange nicht am Gipfel des Erfolges. Ich bin kein Mensch, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich war immer aktiv und habe ausgelotet, wo es interessante Aufgaben gibt. In Amerika mußte ich eine Zeitlang Blaupausen anfertigen, auch dafür war ich mir nie zu schade. Man muß sich in jeder Arbeit zurechtfinden können, das Positive daran suchen und seinen Job möglichst perfekt erledigen. Wirklich ausschlaggebend ist aber, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und sich auf das zu konzentrieren, was man kann. Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Nein, man muß einfach das richtige Auftreten haben und wissen, wie man mit den Leuten umgeht, dann steht einem auch als Frau eine Karriere offen. Vielleicht geht eine Frau anders an Probleme heran als ein Mann, aber mit Feingefühl und einem gewissen Maß an Charme bin ich immer gut gefahren. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Natürlich sammelt man gerade in dieser Branche sehr viele Ideen, sei es aus Prospekten, Magazinen oder Katalogen. Das sind aber nur Anregungen, die wir weiterentwickeln und abändern. Mit bloßen Imitationen wird man als Innenarchitekt nicht weit kommen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Wie ich oben erwähnt habe, hat mich mein Schweizer Chef an ein Büro in Los Angeles weitervermittelt, weil er außerordentlich zufrieden mit mir war; ein ehemaliger Arbeitgeber sagte mir einmal: Wenn wir dich doch nur behalten hätten! An diesen Beispielen wird berufliche Anerkennung für mich konkret greifbar. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Ungelöste Probleme gibt es eigentlich nicht. Lediglich der Konkurrenzkampf ist in unserem Bereich sehr groß, sodaß jede Ausschreibung, jeder Auftrag heiß umkämpft ist. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir sind gute Trouble-Shooter und können aufgrund unserer Kontakte und vieler Experten in unserem Pool rasch und flexibel reagieren. Unsere Mitarbeiter sind äußerst engagiert; wenn ein Projekt das erfordert, sitzen wir auch bis zwei Uhr früh im Büro.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Seit der Geburt meiner ersten Tochter arbeite ich in stark reduzierter Stundenanzahl vorwiegend von zu Hause aus. Ein Tag in der Woche ist für die Arbeit vorgesehen - da sind die Kinder bei der Oma -, und alles, was darüber hinaus nötig ist, wird abends, wenn die Kinder im Bett sind, erledigt. Es ist zwar oft schwierig, sich nach einem voll ausgefüllten Tag am Abend noch auf die Arbeit zu konzentrieren, aber grundsätzlich mache ich es sehr gerne, und es ist für mich eine willkommene Abwechslung.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich kann einem jungen Menschen nur raten, strebsam zu sein und selbst aktiv zu werden. Es ist zuwenig, sich auf Beziehungen und Kontakte zu verlassen. Augen offenhalten und vieles ausprobieren!
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte am Ball bleiben und, sobald meine jüngste Tochter in den Kindergarten geht, auch wieder mehr arbeiten. Trotzdem stehen meine Kinder und die Familie für mich an erster Stelle, sie sollen nicht zu kurz kommen. Daher werde ich weiterhin hauptsächlich von zu Hause aus arbeiten und vorerst nicht mehr an vorderster Front aktiv sein.
Ihr Lebensmotto?
Carpe diem und: No risk, no fun!