Zum Erfolg von Meike Silja Rupprecht
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich bedeutet Erfolg, meine mir gesteckten Ziele zu erreichen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich wollte immer schon Artistin und Akrobatin werden, und weil ich erreicht habe, was ich mir erträumt habe, wofür ich trainiert, gelernt und geübt habe, fühle ich mich erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Mit dem Einstieg in den Beruf habe ich immer mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit gewonnen. Ich merkte, daß meine Entscheidung für diesen Beruf richtig gewesen war und ich meinen Lebensunterhalt damit gut bestreiten kann. Das gibt mir Freude und Kraft für die Vorbereitung neuer Auftritte und Darbietungen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Es gibt Zeiten, in denen ich viel unterwegs bin und jeden Tag an einem anderen Ort auftrete. Ich muß mich dann um meine Requisiten kümmern und meinen Auftritt organisieren. Dann gibt es Tage, da werden neue Darbietungen einstudiert und der Bürokram erledigt. Da ich keine Kinder zu versorgen habe und mein Lebenspartner auch Artist ist, kann ich mich ganz auf diese Aufgaben konzentrieren.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Am Anfang meiner beruflichen Karriere war ich noch sehr unsicher und habe mich mit Kollegen verglichen, die schon seit zehn Jahren auftreten. Damals empfand ich meine Darbietungen unausgereift. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich merkte, daß meine Auftritte gefragt waren und dem Publikum gefielen. Mit diesem Selbstvertrauen ging ich gestärkt in die nächsten Vorstellungen und wurde immer besser.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
In unserer Branche ist der Anspruch sehr hoch, etwas eigenes in der Darstellung zu entwickeln. Man hütet die Abfolge der Figuren vor Nachahmungen und möchte einzigartig sein. Insofern ist Originalität zwingend notwendig, um erfolgreich zu sein.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Der Applaus, das Feedback des Publikums ist wichtig als Anerkennung für die geleistete Arbeit, aber auch das Lob von Kollegen, besonders älterer, erfahrener Kollegen, ist ganz wichtig. Wenn diese von Ausstrahlung und Seele unserer Darbietungen sprechen, dann fühle ich mich wirklich anerkannt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Es gibt leider ein Lohndumping durch osteuropäische Artisten, die für die Hälfte des in Deutschland üblichen Honorars arbeiten. Dies verschlechtert die soziale Situation der Artisten insgesamt. Die Arbeit der Artisten, welche auch die Organisation von Auftritten umfaßt, erfordert viel Kraft und sollte auch dementsprechend bezahlt werden. In England gibt es eine Gewerkschaft für Artisten, die auch Rechtshilfen für die Künstler einschließt. So eine Organisation vermisse ich in Deutschland.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Wenn ich mit Freunden und Bekannten über meinen Beruf spreche, sind die Reaktionen ganz unterschiedlich. Die einen finden es sehr spannend, einen solchen Beruf auszuüben, können sich aber nicht vorstellen, wie man von so einem Beruf leben kann. Andere können gar nichts damit anfangen und interessieren sich nicht dafür.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Unter Fortbildung verstehe ich die Vorbereitung neuer Darbietungen mit Choreographie und Musik. Diese Vorbereitung kann bis zu einem Jahr dauern. Ansonsten trainiere ich täglich, um meinen Körper für die Auftritte fit zu halten.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Es gibt Varietés und Festivals, in denen ich gerne auftreten bzw. eingeladen werden würde. Ich möchte z.B. gerne im Wintergarten Varieté in Berlin auftreten und zum bedeutendsten Zirkusfestival nach Monte Carlo eingeladen werden.