Zum Erfolg von Ursula Hofmann
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Mit einem Wort: Zufriedenheit. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem ich nicht gerne in meine Praxis ging - das sehe ich persönlich als Erfolg. Für mich bedeutet Erfolg aber auch, daß die Menschen in meiner Umgebung daran partizipieren und ebenfalls zufrieden sind; und daß ich es geschafft habe, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Wenn ich meine beiden erwachsenen Kinder anschaue, kann ich nur sagen, daß sie blendend gelungen sind. Außerdem habe ich einen verständnisvollen Ehemann und tolle Eltern, die mich stets unterstützten - ich hatte immer Glück im Leben.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich empfinde mich als erfolgreich, weil ich die Ziele, die ich mir gesteckt habe, erreichen konnte.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich mag Menschen, gehe offen auf sie zu und kann gut mit ihnen umgehen. Ich sehe immer zuerst das Positive in anderen Menschen und verfüge über eine gute Menschenkenntnis. Das ist eine Eigenschaft, die mir mein ganzes Leben geholfen hat. Der Umgang mit Geld fiel mir da schon wesentlich schwerer, den mußte ich erst lernen. Es war zu Beginn meiner beruflichen Selbständigkeit ein seltsames Gefühl für mich, daß ich von den Patienten Geld verlangen muß.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Nein, ich hatte diesbezüglich keine Probleme. Nur während meiner Zeit an der Unfallchirurgie im Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler gab man mir manchmal zu verstehen, daß dieses Fach für Frauen körperlich sehr anstrengend ist, was auch stimmt. Je älter man wird, desto schwieriger und anstrengender sind manche Operationstechniken. Dazu kommen noch die Nachtdienste, die ununterbrochenen Streß bedeuten.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Wirklich erfolgreich fühlte ich mich ab dem ersten Arbeitstag im Spital. Ich wußte schon als Kind, daß ich Medizinerin werden will, und als ich dann nach dem Studium meinen Dienst im Krankenhaus antrat, war das ein einschneidendes Erlebnis. Da spürte ich: Jetzt habe ich es geschafft!
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ein Knackpunkt war, mich gegen eine Karriere als Unfallchirurgin am Krankenhaus und für meine Familie und die Facharztausbildung in Physikalischer Medizin zu entscheiden.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Vater, der Gynäkologe war, lebte mir die Menschlichkeit als Arzt vor. Ich hatte immer den Eindruck, daß er mit seinem Leben und seinem Beruf sehr zufrieden und glücklich ist - das erschien mir erstrebenswert und spornte mich an. Auch Professor Johannes Poigenfürst war ein sehr menschlicher Arzt und in dieser Hinsicht ein Vorbild.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich erfahre sehr viel Anerkennung durch meine Patienten. Ich höre immer wieder, daß sie gerne zu mir kommen, und daß ich einer der wenigen Ärzte bin, die sich ausreichend Zeit für sie nehmen.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich glaube, als relativ bestimmend und durchsetzungskräftig, aber dennoch als menschlich.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ohne ein gutes Team kann eine derartige Praxis, mit der wir uns einen ausgezeichneten Ruf und hohen Standard erarbeitet haben, gar nicht funktionieren. Ich habe in jedem Bereich langjährige Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ein Bewerber muß mir vermitteln können, daß er mit anderen Menschen gut umgehen kann, daß er sich gut ausdrücken kann, höflich ist und Respekt vor älteren Personen hat.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir setzen uns alle sechs bis acht Wochen abends privat bei einem guten Essen zusammen und besprechen alle anliegenden Probleme. Außerdem machen wir einmal jährlich einen Betriebsausflug und eine sehr schöne, stimmige Weihnachtsfeier. Ich achte auf ein angenehmes Betriebsklima und vermittle den Mitarbeitern, daß sie mit ihren Problemen jederzeit zu mir kommen können.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Durch ein gutes Zeitmanagement.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Sehr viel, denn Aus- und Weiterbildung ist für mich ein sehr wichtiges Thema. Ich besuche laufend neue Kurse.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Achtet auf eine gute fachliche Ausbildung, vergeßt aber dabei niemals die Menschlichkeit. Leider ist das Medizinstudium mittlerweile auch ein beinharter Konkurrenzkampf, den nur die Härtesten überstehen. In ein paar Jahren wird sich herausstellen, daß dieses System der falsche Weg ist.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, gesund zu bleiben, meine Arbeit weiterhin so gut wie bisher zu machen und den erreichten Standard zu halten. Dann sollte es mir gelingen, meinen Arbeitseinsatz in absehbarer Zukunft etwas zurückzuschrauben und das Leben außerhalb der Ordination etwas mehr zu genießen. Irgendwann muß man mit dem Erreichten auch zufrieden sein.
Ihr Lebensmotto?
Das Leben ist schön, ich lebe gerne und denke positiv.