Zum Erfolg von Gerhard Petzl
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Die Frage nach der Definition von Erfolg und nach den Instrumenten, mit denen man „Erfolg“ messen könnte, bereitet mir gewisse Schwierigkeiten. Ist Erfolg mit finanziellem Wohlstand, der Größe des Betriebsobjektes, der Anzahl der Publikationen und TV-Präsenzen oder der Macht eines funktionierenden Netzwerkes als Mess-Skala gleichzusetzen? Erfolg ist keine Definition eines Zustandes, sondern eine positive Lebensauffassung und Reflexion von Kreativität, Ausdauer, konsequenter, harter Arbeit (inklusive schlaflosen Nächten) über viele Jahre hinweg und sich der Anpassungsfähigkeit und einer täglichen Weiterbildung voll und ganz hinzugeben.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Hatte aufgrund meiner Arbeit nicht soviel Zeit, darüber nachzudenken, aber objektiv betrachtet sind wohl Ausdauer, Detailgenauigkeit, gepaart mit Kreativität und der Möglichkeit, global präsent sein zu können und zu wollen, hilfreich. Habe nie lokal, sondern immer global gedacht. Durch die positiven Aspekte und Möglichkeiten des Internets wurde mir das sehr erleichtert.
Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein?
Franchise-Hotels und Firmen sind mein persönlicher Alptraum, denn oft sitze ich in Asien und glaube, in Amerika oder in Australien zu sein, was mich eher beunruhigt als entspannt. Individuelle Lösungen und Originalität sind in einer standardisierten Welt weitaus besser, notwendig und haben einen weitaus höheren Wiedererkennungswert der eigenen Marke, als im Sog der Kopien und dem Mainstream mit zu schwimmen. Mein Motto ist: „Alles ist möglich!“ gepaart mit dem Hang zum Perfektionismus, den ich bewusst auslebe und ausbaue und damit habe ich schon viele interessante Projekte erfolgreich ausführen können. Unzählige Skulpturen und Kunstwerke auf verschiedenen Kontinenten in Museen, Ausstellungen, bei Messen, Wettbewerben, im Atelier, TV-Studio oder bei Live-Performances sind stumme Zeugen dieser Schöpfungsphasen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Meister in der Lehre, Hr. Karl Eggler, auch Konditormeister, war mein Held in jungen Jahren, der ein unglaublicher Zuckerkünstler ist und mir Dinge gezeigt hat aus Spritzglasur, Schokolade, Hochzeitstorten, Dekorelementen etc., die ich niemals für möglich gehalten hätte und er legte diesen Grundstein der Kreativität, den man Inspiration nennt. Er hat mir die Augen geöffnet und den Wunsch in mir erweckt, es ihm gleichzutun. Gesagt, getan. Heute, 25 Jahre später ist er immer noch mein Held und auch noch dazu ein Freund geworden, was ich sehr zu schätzen weiß. Nun versuche ich auch eine Inspiration für andere Menschen weltweit zu sein und ich bekomme immer wieder Mails von den entlegensten Ecken dieser Welt, wo Menschen und Kollegen mir danken, ihre Inspirationsquelle zu sein. Das ehrt und freut mich natürlich sehr.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Wenn man Probleme als unlösbar betrachtet, hat man selbst ein Problem. Neue Wege und Lösungen zu finden, kann nur die einzig richtige Antwort sein, denn: „Wo ein Wille, da ein Weg!“ Die Welt verändert sich rasant schnell, täglich und immer schneller. Wer nicht mithalten kann mit dem Tempo, den Anforderungen und der Technologie, bleibt auf der Strecke... As simple as that... “Darwin'scher evolutionstechnischer Selektionsprozess“ sagt man wohl altmodisch dazu..;-).
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Die Welt steckt voller Möglichkeiten und wenn wir uns die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts ansehen und wenn wir einmal die letzten 50 Jahre nehmen, dann wird einem auch bewusst, dass nichts so bleiben wird, wie es heute ist. Die nächste Generation wird das technische Know-how bereits integriert haben, das unsere Generation noch nicht kannte und hoffentlich auch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Gutes Bespiel: Ausschöpfen natürlicher Ressourcen. Wenn wir nicht auf unseren Planeten und die Natur achten, dann wird auf diesem Planeten in Zukunft auch kein Platz für uns sein. Nicht ein Gegeneinander, nur ein Miteinander wird uns retten können. Alle Hochkulturen löschten sich in der Vergangenheit an Ihrer eigenen Überbevölkerung und ihrem schlechten Ressourcenumgang selbst aus. Man wird sehen, ob wir gescheiter geworden sind. Mein Tipp: Sich selbst und seine Stärken zu finden, um in einem ganz speziellen Fachbereich seinen Platz zu finden und auf globaler Ebene etwas zu bewegen. In Sachen Schokoladenkunst werde ich mit meiner Webseite ein gewaltiges Archiv von geschätzten 100.000 Bildern und Videos der nächsten Generation zugänglich machen können. Das ist ein gewaltiger Fortschritt in Sachen Schokoladenkunst und anderen Kunstmedien, den ich in meiner Entwicklungsphase leider nicht hatte.
Ihr Lebensmotto?
„Demut ist die wahre Stärke des Menschen. Der Demütige hat jene Tapferkeit, welche die höchste ist, die Selbstüberwindung. – Um demütig zu sein, braucht es nichts, als offen und ehrlich seine Armseligkeit zu betrachten und sie einzugestehen.“ (von Heinrich Hansjakob).