Zum Erfolg von Harald Hannak
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg zeigt sich für mich darin, dass ich einen Beruf praktiziere, der mir Spaß und Freude bereitet und meine finanziellen und auch privaten Bedürfnisse befriedigt.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, weil ich ein Unternehmen mit sechs MitarbeiterInnen am Markt etablieren konnte.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Meine soziale Kompetenz, und mein „offenes Ohr" für Klienten, erachte ich sicherlich als wesentliche Faktoren für den Erfolg. Wichtig dabei ist, dass wir das anbieten, was der Klient möchte. Ich muss die Wünsche bzw. Problemstellungen des Klienten erfüllen und nicht meine Vorstellungen realisieren. Manche Mitbewerber agieren zu technisch, d.h. sie handeln nach dem Prinzip der eigenen Optimierung, aber reagieren nicht auf die Individualität des Klienten. Bei vielen Kollegen stehen die steuerlichen Aspekte im Vordergrund. Daher rechnen sie meist die günstigste Variante aus und diese ist unter Umständen für den Klienten nicht immer optimal, denn es gibt noch eine Vielzahl von Themen und Bereichen, welche ebenso wichtig sind, wie die steuerlichen Aspekte.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Ich bin der Ansicht, dass die Mischung aus Originalität und Imitation zum Erfolg führt. Einerseits gibt es viele gleichlaufende Tätigkeiten, welche immer wieder praktiziert werden müssen und andererseits hat die Originalität ihren Stellenwert, speziell in Ausnahmesituationen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Im fachlichen Bereich war mein ehemaliger Vorgesetzter, Herr Stefan Walter für mich ein Vorbild, welcher mich durch sein Fachwissen sehr geprägt hat. Im sozialen Bereich ist es ein guter Freund, welcher sich seinerzeit selbständig machte und inzwischen zwanzig MitarbeiterInnen beschäftigt. Seine Managementqualitäten und Führungskompetenzen beeindrucken mich nach wie vor.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Ein ungelöstes Problem sehe ich in unserer Branche in der Abgrenzung zu Rechtsanwälten und im Berechtigungsumfang zu Bilanzbuchhaltern und gewerblichen Buchhaltern. Speziell die letzte Kategorie hat ein anderes Qualitätsniveau als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Dies schlägt sich auch in den Honoraren nieder, welche für KMU leider immer im Vordergrund stehen. Es kommt immer wieder vor, dass gewerbliche Buchhalter ihre Klienten beim Finanzamt vertreten, was mittelfristig zu einer Reihe von Problemen führt.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich achte darauf, dass sich meine Mitarbeiterinnen wohl fühlen. Wir führen regelmäßig Mitarbeitergespräche und ich war noch nie mit einer Beschwerde konfrontiert. Ich praktiziere den Führungsstil der „offenen Türe" und bin jederzeit erreichbar. Ich erfreue mich eines positiven Betriebsklimas, zu dem auch Betriebsausflüge beitragen.
Wie verhalten Sie sich dem Mitbewerb gegenüber?
Der Mitbewerber ist für mich, betriebswirtschaftlich betrachtet, kein wirkliches Thema. Falls es dazu kommen sollte, dass uns ein Klient verlässt, bekommt der neue Steuerberater alle Unterlagen, die er haben möchte. Im Allgemeinen pflege ich einen kollegialen Umgang mit meinen Mitbewerbern.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Für mich gibt es Zeiten, wo die Familie im Vordergrund steht und das Berufsleben nicht vorhanden ist. In meinem beruflichen Metier geht es nicht um Tod oder Leben, sondern meistens handelt es sich um finanzielle und organisatorische Aspekte. Ich habe es noch nie erlebt, dass etwas nicht 24 Stunden warten kann. Deshalb kann ich beide Bereiche sehr gut trennen. Das ist auch gut so, weil die Balance für mich von großer Bedeutung ist.
Wie viel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Fortbildung hat für unseren Beruf oberste Priorität. Die von unserer Interessensvertretung vorgegebene Zeit für die eigene Fortbildung ist zu gering, um am letzten Stand der aktuellen Rechtssprechung zu sein. Die Zeit für eigene Wissenserweiterung ist für mich nicht messbar, weil sie vielfältig erfolgt. Im Großen und Ganzen sind es sicherlich bis zehn Stunden pro Woche, welche ich für das Lesen von Fachliteratur verwende.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wer sich für unser Metier interessiert, sollte sich im Idealfall bereits während des Studiums entscheiden, ob er oder sie in einer „kleinen Kanzlei" oder in einer großen Steuerberatungskanzlei tätig werden möchte. Dies ist deshalb wichtig, da die Praxis und die damit verbunden Aufgabenstellungen durch die unterschiedlichen Unternehmensgrößen grundlegend verschieden sind. In Großunternehmen ist der Spezialist gefragt, wofür ein Jus Studium zu bevorzugen ist. Für die Tätigkeit in einer kleineren Kanzlei ist das Wirtschaftsstudium ideal, weil der Generalist erwünscht ist. Diese grundlegenden Überlegungen sollte man rechtzeitig in Angriff nehmen, obwohl die Studenten größtenteils dennoch nicht wissen, in welche Richtung sie tendieren. Ich machte die Erfahrung, dass es sehr viele Kollegen gibt, welche über ein rechtswissenschaftliches Studium zur Steuerberatung kamen, aber keine kaufmännischen Basics kannten. Der Jurist hat in unserem Berufsbild mehr Startschwierigkeiten, weil der kaufmännische Bereich fehlt und auch die betriebswissenschaftlichen Problematiken wurden während des Studiums nicht in jenem Umfang erlernt, welche für die berufliche Praxis notwendig wären. Speziell in einer kleinen Kanzlei hat es der Jurist sehr schwer, weil er mit einer Vielzahl von kaufmännischen Bereichen konfrontiert wird. Eine breitgefächerte Ausbildung wäre hier sicherlich von Vorteil. Unabhängig davon, sollte der Wille zur Weiterbildung eine Selbstverständlichkeit sein, denn die Gesetze werden immer mehr und der Klient erwartet eine topaktuelle Beratung. Diese ist nur mit persönlicher Weiterbildung machbar. Wer darüber hinaus, auch ein ausgeprägtes kommunikatives Verhalten praktiziert, ist in unserer Branche sehr gut aufgehoben. Unser Job wird nicht aussterben, man lernt im Laufe der Jahre sehr viele Branchen kennen und bekommt Einblicke, wie in keinem anderen Beruf.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich richte mein Augenmerk auf einen weiterhin erfolgreichen Weg meines Unternehmens.